Gedenken:
„Wir müssen zuhören und hinsehen“

Reichspogromnacht am 9. November 1938 soll auch nach 73 Jahren nicht vergessen werden

Die Gedenkfeier für die Opfer der Reichspogromnacht im Jahr 1938 fand am Mittwoch im Rathaus statt. Anschließend folgte ein Rundgang bis zum jüdischen Friedhof.

DELMENHORST „Wir müssen den Leuten die Augen aufmachen“, forderte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Pedro Benjamin Becerra während der Pogrom-Gedenkfeier am Mittwoch in Delmenhorst. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 veranlasste das Regime der Nationalsozialisten die systematische Vernichtung der Juden im gesamten Deutschen Reich. Überall wurden Synagogen und Geschäfte jüdischer Kaufleute angezündet sowie Juden ermordet.

In dieser Nacht brannte auch die erst 1928 eingeweihte Synagoge in der Cramer­straße in Delmenhorst nieder. Der Befehl dazu soll telefonisch aus Oldenburg gekommen sein, zitierte Oberbürgermeister Patrick de La Lanne den Autor und Integrationsbeauftragten Werner Vahlenkamp. Die Feuerwehr in Delmenhorst soll zudem von der Geheimen Staatspolizei den Befehl erhalten haben, die brennende Synagoge nicht zu löschen. Aus diesem Grund sei es ein Wunder, dass es in Deutschland wieder so viele jüdische Gemeinden gebe, betonte die Oldenburger Oberkirchenrätin Annette-Christine Lenk und ergänzte: „Gemeinsam leben trotz Verschiedenheit, das ist wichtig.“ Für die gegenwärtige Generation bedeute dies, niemals wegzuschauen und immer Widerstand zu leisten gegen alle Formen von Gewalt. Es sei wichtig, dass in Delmenhorst wieder jüdische Mitbürger leben, erklärte der Oberbürgermeister. Becerra untermauerte dies, denn wenn Zeitzeugen aussterben, bestehe die Verantwortung weiterhin und daher müsse man auch aktiv werden.

„Wir müssen gedenken, damit nicht vergessen wird, zuhören und hinsehen“, betonte Lenk. Unterstützt wurde dieses Anliegen auch von Claus Hübscher aus dem Arbeitskreis Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, der im Anschluss den Rundgang leitete.

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