Riesige Ungeheuer zwischen regennassen Bäumen
Literatur 200 Zuhörer bei Gruselnacht im Schlossgarten – Interesse an Geschichten von Chris Priestley
Große Spannung: Uli Bernstorf (links) und Ralf Selmer lasen die schaurigen Geschichten vor. BILD: Piet Meyer 
Oldenburg - Eisiger Wind saust zwischen den Bäumen hindurch, die sich im Dunkeln wie riesige Ungeheuer langsam hin und her bewegen. Lediglich ein paar farbige Lichter lassen die über 200 Oldenburger im Küchengarten des Schlossgartens noch die Hand vor Augen erkennen.
Wer jetzt meint, dass sich das alles andere als gemütlich anhört, hat absolut Recht. Denn gemütlich sollte es am Sonnabend auch nicht sein – im Gegenteil: Je schauriger, desto besser. Schließlich wäre eine Oldenburger Gruselnacht im Kultursommer nur halb so gut, würden die Zuhörer für die Lesung in Omas Teestübchen Platz nehmen.
„Ich finde es toll, dass aufgrund der Tradition, die diese Veranstaltung mittlerweile hat, dem Wetter auch in so hohem Maße getrotzt wird“, sagt Ralf Selmer, der gemeinsam mit Uli Bernstorf vorlas. In diesem Jahr gab es aus zwei Büchern des britischen Autors Chris Priestley etwas zu hören. „Seine Geschichten sind morbide, mehr als gruselig und enden selten gut“, so Selmer.
„Die Geschichten waren wirklich nicht ganz ohne“, meint Student Marcel Dittrich (24), der mit ein paar Freunden bei der Gruselnacht war. „Es ist nicht so, dass sie sehr grausam sind, aber sie lassen Spielraum für viele eigene Gedanken. Vielleicht ist es genau das, was sie so düster macht.“
„Wir sind wirklich begeistert von der Vortragsart. Die beiden lesen fantastisch“, schwärmt das Ehepaar Meller aus Ofenerdiek. „Allerdings ist es wirklich kalt, nachher werden wir uns gemütlich ins Wohnzimmer setzen und Tee trinken.“ Wohl nicht die schlechteste Art, einen schaurig schönen Abend ausklingen zu lassen.
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