Sechs Wochen Zeit für neue Kunst im Bahnhofsviertel
Installation Gäste aus drei Nationen erleben ein Sanierungsquartier – und machen sich ihre Gedanken
Interesse: Iris Jousma (Zweite von rechts) erklärte den Besuchern ihre „Graskunst“. BILD: Oliver Bloch 
Oldenburg - Die Gardine flatterte im Wind wie ein überdimensionales Segel. Karen Rann hatte Mühe, sie zu bändigen, obwohl sie das 30 Meter lange weiße Stoffstück zwischen Wasserturm und Hafenmauer eingespannt hatte. Was aber hat eine Gardine überhaupt im Bahnhofsviertel verloren? „Sie ist doch kitschig-schön“, antwortete die englische Künstlerin. „Sie passt zu einer ehemaligen Residenzstadt, aber eben nicht in dieses Viertel.“
Gemeinsam mit drei anderen Künstlern aus Nordeuropa hat Rann sechs Wochen zwischen Bahnhof und Stau verbracht und sich mit der geplanten Umgestaltung auseinandergesetzt. Alle vier Gäste kannten Oldenburg zuvor nicht.
Heraus kamen völlig verschiedene Installationen, die am Wochenende beim „Sommer im Quartier“ der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Da es sich jedoch eher um gefühlte Herbsttage handelte, kamen nur wenige Besucher, um sich die Aktionskunst anzuschauen.
Mit dem Sturm haderte am Sonnabend nicht nur die Engländerin Rann, sondern ebenfalls ihr schwedischer Kollege Patrik Aarnivaara. Die Hälfte seines Panoramas stürzte ein, was äußerst schade um die originelle Idee war.
Will Schrimshaw aus Newcastle scherzte derweil: „Sexshops befinden sich neben Ämtern, das hat doch was“, meinte der Engländer, der seine Eindrücke in eine Klanginstallation münden ließ. Die Vierte war die Niederländerin Iris Jousma. Sie kombinierte in ihrem Atelier altes Fundholz mit frischem Gras, um das Alte und das Neue des Viertels („Hier passiert zwar viel, aber man sieht es nicht oft“) gegenüberzustellen.
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