Tückische Fallen im Gelände
Vielseitigkeit 61 Akteure starten – Souveräne Sieger in den Kategorien L und A
Konzentriert durchs Gelände: Johanna Wetjen gewann auf Wild West Charly die L-Klasse der Vielseitigkeit. BILD: Tobias Frick 
von Horst Hollmann
Rastede - Reiten sei zuvörderst eine Sache des Gefühls. Reitschüler bekommen das erklärt, noch ehe sie sich in den Sattel schwingen. Das beste Pferd ist nutzlos verschenkt, wenn sein Reiter nicht spürt, was im Tier vorgeht. Unter diesem Gesichtspunkt bleibt die Vielseitigkeit beim Landesturnier eine Königsdisziplin. Selbst die A-Kategorie, die untere, ist ohne Teamarbeit nicht zu gewinnen.
Pauline Knorr und Abke’s Boy vom RV Ganderkesee bilden solch eine kraft- und gefühlvolle Einheit. Das zeigten sie schon in der Dressur, demonstrierten es dann eindrucksvoll im Geländeritt und wiesen es nervenstark am dritten Tag im Springen nach. Ideal brachten sie Selbstvertrauen, Vorsicht und Risikofreude auf einen Nenner. Die favorisierte Starterin aus Ganderkesee nahm im Gelände zwischen Holzstoß, Schweinerücken, Wall, Wassergraben und Schanze zugunsten der Sicherheit sogar 0,8 Fehlerpunkte für eine minimale Zeitüberschreitung in Kauf. Nach der vorher schon besten Dressur hätte sie sich am Sonntag im Springen zwei Abwürfe leisten können. Doch daran dachten Knorr und Abke’s Boy nicht im Traum.
„Man spürt eben gerade im Gelände die Erfahrung von Reiter und Pferd“, kommentierte Uwe Meyer, der Parcours-Chef aus Westerstede. Logischerweise häuften sich da in der A-Kategorie, der Klasse der Junioren und Jungen Reiter, die Verweigerungen. Vor dem Aufsprung zum Wall scheuten die Tiere ebenso wie vorm Einsprung ins Wasser. Nur sieben Starter kamen ohne Fehlerpunkte durchs Gelände. In die Dressur waren noch 51 Starter eingestiegen. Nach Geländeritt und Springen standen noch 27 in einer Wertung.
„Ein ordentliches Starterfeld“, befand Meyer. „Im vorigen Jahr hatten wir 54 Teilnehmer, dieses Mal in A- und L-Klasse zusammen 61. Das ist eine erfreuliche Entwicklung.“ Gerade die ungewohnte Umgebung sei wichtig für die Erfahrung der Pferde: „Da sind die vielen Zuschauer, da stehen Zelte, da gibt es viel Ablenkung.“ Manches Team beflügelte das. Svenja Frerichs vom Ammerländer Reitclub sprang von Platz 22 nach der Dressur noch auf Platz drei; Sarah Yvonne Deger aus Vreschen-Bokel machte mit Christopher von Rang 41 auf sieben gar 34 Plätze gut.
In der höheren L-Kategorie nahmen es die Pferde deutlich gelassener. Hier wird der Jan-Noordendorp-Preis vergeben und der Oldenburger Meister der Senioren ermittelt. Doch auch für die zehn Bewerber waren Fallen eingebaut. „Im Wald hatten wir viele Wegekombinationen, da musste sehr konzentriert geritten werden, um die Route zu halten“, lachte Meyer spitzbübisch. Das drosselte das Tempo. Prompt kamen nur zwei ohne Zeitfehler durch.
Überlegen steuerte Johanna Wetjen vom RRV Rastede ihren Wild West Charly vom ersten Platz in der Dressur an zum Gesamtsieg. Dahinter starteten Svenja Hempel mit Lantzelot und Sandra Auffarth auf Leander wilde Aufholjagden zu den Plätzen zwei und vier. Auffarth war Schnellste im Gelände und im Springparcours. Aber den Ausrutscher mit Platz neun in der Dressur konnte sie nicht mehr ganz wettmachen.
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