BAD ZWISCHENAHN, 2. Februar 2012


Tesafilm geht er nicht auf den Leim

Handwerk Buchbinder und Restaurator Hans Bremer stellt bei 3. Zwischenahner Büchertagen aus


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In seiner Werkstatt unterm Dach restauriert Hans Bremer nicht nur alte Bücher. Hier schafft er auch „kleine Spielereien“.24 Bände in einer Streichholzschachtel: Auch die „Kleinste Bibliothek am Meer“ zeigt Hans Bremer. BILD: BILD: Markus MintenMarkus Minten  Bild vergrößern

Mehr als 30 Jahre hat der Bad Zwischenahner in der Landesbibliothek Oldenburg gearbeitet. Im Ruhestand hat er Zeit für außergewöhnliche Dinge.

von Markus Minten

Bad Zwischenahn - „Verrückte Ideen“ nennt Gitta Bremer die Dinge, die ihr Mann Hans macht. Und das ist überhaupt nicht abschätzig gemeint. Verrückte Ideen habe er immer schon gehabt, im Ruhestand hat der Buchbinder und Restaurator jetzt aber auch die nötige Zeit, sie umzusetzen.


Geduld und Ruhe gefragt
Denn Zeit braucht Bremer für sein Hobby, das er erst zum Beruf und dann – nach der Pensionierung – wieder zum Hobby gemacht hat. Zeit und „ganz viel Geduld, Ruhe und Fingerspitzengefühl – und Erfahrung natürlich“. Die hat der heute 62-Jährige, der in der Gemeinde Ganderkesee groß geworden ist, vor allem in der Oldenburger Landesbibliothek gesammelt. Mehr als 30 Jahre hat er dort alte Bücher restauriert, war für die Pflege und den Erhalt des Altbestandes zuständig. Dort hat er Pergamenteinbände, an denen der Zahn der Zeit genagt hat, wieder ansehnlich gemacht, Ledereinbände repariert und Seiten geflickt. „Dabei geht es nicht darum, dass die Bücher aussehen wie neu. Die müssen im Ist-Zustand erhalten bleiben, lesbar und haltbar.“ Gearbeitet werden müsse bei einem 400 Jahre alten Buch dann eben wie vor 400 Jahren, vom Vorsatz über die Fadenheftung und den Buchblock bis zum Einband. „Sämtliche Einbandteile sind zu erhalten, das ist das A und O.“

Ergebnisse seiner privaten Arbeit sind in Bremers Wohnung zu sehen. Bücher an Bücher reihen sich dort in den Regalen. Allerdings nur „richtige Bücher“, Taschenbücher finden sich hier nicht. Die sind dem Buchbinder „ein Graus“, ebenso wie „mit Uhu und Tesafilm reparierte Bücher“.


Kleinste Bibliothek
Jetzt kann er „so arbeiten, wie ich es möchte“. Die strengen Vorgaben im Umgang mit historischen Büchern gelten für einen Mann vom Fach zwar immer noch. Jetzt bleibt aber auch Zeit für „kleine Spielereien“, wie Hans Bremer sie nennt. Oder eben für „verrückte Ideen“, wie seine Frau Gitta meint.

Da wäre etwa die „Kleinste Bibliothek am Zwischenahner Meer“. Sie umfasst 24 Bände und passt in eine Streichholzschachtel. Einziges Manko des im Ruhestand entstandenen Werkes: Die Seiten der Bücher sind noch leer. „Bisher habe ich noch keinen Buchdrucker gefunden, der mir die kleinen Seiten füllt.“

Zwar legt er in seiner Werkstatt unterm Dach an historische Bücher nach wie vor die fachlichen Maßstäbe an. So etwa beim Pergamenteinband eines Buches aus dem Jahr 1620, das er im schweizerischen Ascona erworben hat. Dort hatte Bremer nach der Ausbildung in Oldenburg zum Buchbinder eine Fortbildung zum Restaurator gemacht. Fein säuberlich wird das Werk neu geheftet, erhält einen vierseitigen Vorsatz und einen neuen Einband. Dazu werden die alten, erhalten gebliebenen Einbandteile gereinigt und übertragen. Das Ergebnis sieht aus wie neu und zugleich, als stehe es schon Hunderte Jahre im Bücherregal.


Platz für Kreativität
Ansonsten seien im Ruhestand seiner Kreativität aber keine Grenzen gesetzt, freut sich der 62-Jährige über die gewonnenen Freiheiten. Ob bei Einbänden, die er kunstvoll verziert, ob Männchen, die sich über den Vorsatz der Bücher „bewegen“, ob mit Filz ausgeschlagene Bücherhüllen, die beim Öffnen von selbst auseinanderklappen und das geschützte Werk kunstvoll präsentieren, oder handgefertigte kleine Kästchen mit Dutzenden von Schubläden.

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Von dieser Art „verrückte Ideen“ hat dann auch Frau Gitta etwas, die allerlei Kleinkram – von Knöpfen bis zu Bleistiften – in ihnen aufbewahren kann.

Vom 3. bis 5. Februar finden in der Wandelhalle Bad Zwischenahn, Auf dem Hohen Ufer 24, die 3. Zwischenahner Büchertage statt. Das Motto in diesem Jahr: „Bücher aus drei Jahrhunderten“.

Antiquariate aus Oldenburg, Augustfehn, Jade, Wilhelmshaven, Ditzum, Straelen/Niederrhein, Oberhausen, Essen und Münster werden Tausende von Büchern anbieten. Auch der Lappan Verlag Oldenburg stellt aus.

  • Mehr dazu auf NWZonline:
    Spezial: Weitere Berichte zur Literatur im Nordwesten

    Geöffnet ist Freitag, 3. Februar, von 14 bis 18 Uhr, Sonnabend, 4. Februar von 10 bis 18 Uhr sowie am Sonntag, 5. Februar von 10 bis 18 Uhr.

    An den Wochenendtagen stellt Hans Bremer restaurierte Bücher, unterschiedliche Einbände sowie handgefertigte Kästen aus.






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