BERLIN, 18. Januar 2012


Kabinett will Datei für Neonazis beschließen

Rechtsterrorismus Niedersachse Edathy soll Ausschuss leiten


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SPD-Sprecherin im Ausschuss: Eva HöglKandidat für Ausschuss-Vorsitz: Sebastian Edathy BILD: BILD: dpadpa  Bild vergrößern

von Bettina Grachtrup

Berlin - Als Reaktion auf die jahrelang unentdeckt gebliebenen Morde von Rechtsterroristen will das Bundeskabinett an diesem Mittwoch eine Neonazi-Datei von Bund und Ländern beschließen. Nach dem Gesetzentwurf aus dem Bundesinnenministerium sollen Daten von „gewaltbezogenen Rechtsextremisten“ zentral erfasst werden – dazu zählen auch Hintermänner und Drahtzieher rechtsextremer Gewalt. Dagegen werden offenbar keine Daten von Menschen gespeichert, die Gewalt nur rein verbal befürworten.

Der Bundestag wird voraussichtlich in der kommenden Woche einen Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Neonazi-Morde beschließen. „Realistisch ist, dass wir das in der nächsten Sitzungswoche machen“, sagte am Dienstag der parlamentarische Unionsfraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier (CDU) in Berlin.

Der geplante Untersuchungsausschuss soll elf Mitglieder haben – vier von der CDU, drei von der SPD, zwei von der FDP und je ein Mitglied von Linken und Grünen. Den Vorsitz wird aller Voraussicht nach der niedersächsische SPD-Abgeordnete Sebastian Edathy haben. Edathy war früher bereits Vorsitzender des Innenausschusses des Bundestags und ist SPD-Experte für Rechtsextremismus. Die aus dem Ammerland stammende Berliner Abgeordnete Eva Högl soll Sprecherin der Sozialdemokraten im Ausschuss werden.

Die Bundestagsfraktionen streben einen gemeinsamen Untersuchungsauftrag an. Die Verhandlungen darüber dauerten am Dienstag aber noch an. Die parlamentarischen Geschäftsführer aller Fraktionen hatten sich am vergangenen Freitag auf einen Untersuchungsausschuss und eine Bund-Länder-Kommission zur Aufarbeitung von Pannen geeinigt.

Vor dem Ausschuss müssen nach Überzeugung des Grünen-Politikers Wolfgang Wieland auch Zeugen aus den Ländern aussagen. Die Dienstherren seien verpflichtet, eine Aussagegenehmigung zu erteilen, wenn es um die Zusammenarbeit von Landes- mit Bundesbehörden gehe, sagte der Innenexperte.

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Der Zwickauer Neonazi-Zelle, deren Mitglieder aus Thüringen kommen, werden zehn Morde vorgeworfen. Die Mordserie war erst im November 2011 bekanntgeworden. Bundesweit für Bestürzung sorgte, dass Polizei und Verfassungsschutz von Bund und Ländern die Rechtsterroristen offensichtlich jahrelang nicht im Visier hatten.






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