02.04.2011 Mönchengladbach

Pfostenbruch bleibt unvergessen

Vor 40 Jahren brachte Laumen das Tor in Mönchengladbach zum Einsturz

Als der Pfosten zu krachen begann, suchte Herbert Laumen Schutz in der Embryohaltung. Hilflos wie ein Baby lag der Stürmer von Borussia Mönchengladbach auf dem Rasen, als über ihm ein ganzes Tor zusammenbrach. „Ich bin sofort in Deckung gegangen. Zum Glück hat die Latte mich nicht erwischt“, sagt Laumen in Erinnerung an den legendären Pfostenbruch vom Bökelberg vor 40 Jahren.

Es ist ein morsches Stück Holz, das am 3. April 1971 für den kuriosesten Spielabbruch der Bundesliga-Geschichte sorgt. Mit voller Wucht läuft Laumen nach einem Angriff in das Tor. Als er sich am Netz hochzieht, knickt der linke Pfosten kurz über der Grasnarbe ein. „Wenig später lag ich schon wie ein Fisch im Netz“, sagt Laumen, der am Niederrhein seither nur noch „Pfostenbruch“ gerufen wird.

Die Fans lachen, Schiedsrichter Gerd Meuser ist verzweifelt. „Das war erst sein viertes Bundesligaspiel. Der wusste gar nicht, was er machen soll“, sagt Laumen. Zwei Minuten sind beim Stande von 1:1 noch zu spielen, Tabellenführer Gladbach spekuliert auf ein Wiederholungsspiel. „Da ist nichts zu machen, brechen Sie ab“, fordert Spielmacher Günter Netzer.

Die Werder-Spieler, mit dem Unentschieden beim Meister durchaus zufrieden, richten den Pfosten wieder auf, bis Fans ihn wieder umwerfen. Der Platzwart kommt mit Hammer und Nägeln – ohne Erfolg. Schiedsrichter Meuser schlägt schließlich vor, jemand solle zwei Minuten lang den aufgerichteten Pfosten stützen. Doch die Ordner reagieren lustlos. Nach zwölf Minuten bricht Meuser die Begegnung ab.

Drei Wochen später folgt das böse Erwachen. Der DFB wertet das Spiel mit 2:0 für Werder, Borussia bekommt eine Geldstrafe von 1500 Mark aufgebrummt. Gladbach geht in Berufung, die abgewiesen wird. „Ein Bundesligaclub ist eben kein Dorfverein“, heißt es in der Begründung. Plötzlich steht die Meisterschaft auf der Kippe.

Borussias Fans sind sauer. „Der DFB hat uns bestohlen, den Titel werden wir trotzdem holen“, ist auf Plakaten zu lesen. Die Geschichte nimmt ein gutes Ende: Am letzten Spieltag holt Gladbach als erster Club zum zweiten Mal nacheinander den Titel.

Folgen hat der Vorfall dennoch. „Plötzlich wollte kein Bundesligist mehr Holztore haben. Zumindest wir haben von dieser Geschichte also profitiert“, sagt Joseph Hesse, dessen Firma Schäper schon damals Aluminium-Tore im Angebot hatte. Heute beliefert er 80 Prozent der Erstligisten – natürlich auch Borussia Mönchengladbach.


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