21.11.2011 Mönchengladbach

Desolate Bremer arbeiten Pleite auf

Fußball 0:5 in Mönchengladbach – Schaaf fehlt das Miteinander im Team – Fritz kritisiert Defensivarbeit

„Gegen Gladbach kann man mal verlier’n“ und „Gladbach im Europacup“ – während die Fans von Borussia Mönchengladbach am Sonnabendnachmittag Lieder anstimmten, die am linken Niederrhein schon den Status eines Oldies zu haben schienen, schlichen die Fußballer von Gegner Werder Bremen wie geprügelte Hunde vom Rasen des Borussia-Parks. Ein Bundesliga-Spitzenspiel sollte es sein, doch der Auftritt des bis dahin Tabellendritten beim Vierten geriet zum völlig ungleichen Duell. „Wir haben heute eine Lehrstunde erhalten“, sagte Geschäftsführer Klaus Allofs nach dem 0:5 (0:3) vor 53 465 Zuschauern.

Eine Niederlage, die durch ihre Deutlichkeit und die Art und Weise des Zustandekommens unweigerlich die Frage aufwirft, wie viel Spitzenteam in Werder Bremen derzeit wirklich steckt. Nur rund eine Viertelstunde war die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf auf Augenhöhe mit den „Fohlen“, die nach dem 1:0 durch Patrick Herrmann (16.) den Gästen von der Weser in einer Leichtigkeit davongaloppierten, die an die frappierende Überlegenheit der deutschen Nationalmannschaft beim 3:0-Sieg über die Niederlande am vergangenen Dienstag erinnerte. „Nach dem Rückstand ist es bei uns drunter und drüber gegangen. Wir sind komplett eingebrochen“, sagte Torhüter Tim Wiese, der beim ersten Gegentreffer selbst keine gute Figur abgab.

Als „Katastrophe“ bezeichnete Werder-Kapitän Clemens Fritz die Defensivarbeit seiner Hintermannschaft. „Das ist nicht nur die Abwehr, das ist auch das komplette Mittelfeld“, kritisierte Fritz.

Es war schon das zehnte 0:1 im 13. Saisonspiel. „Das wird nicht immer gut gehen“, hatte Claudio Pizarro bereits nach dem Kraftakt gegen den 1. FC Köln orakelt und behielt schneller Recht als ihm lieb war. Der Peruaner wirkte nach den langen Flügen zur Nationalmannschaft müde und verlor das Duell der Torjäger gegen Marco Reus um Längen. Der kleine Wirbelwind narrte die völlig überforderte Defensive von Werder ein ums andere Mal und erzielte seine Saison-Tore acht bis zehn (23., 38., 51.). Zwei Minuten nach Reus’ drittem Treffer setzte der Venezolaner Juan Arango den Schlusspunkt unter den höchsten Heimsieg der Gladbacher seit dem 7:1 über den VfL Bochum am 24. September 1994. „Wir haben alle hervorragend nach vorne und auch nach hinten gearbeitet“, sagte ein zufriedener Reus.

„Dieses Miteinander haben wir überhaupt nicht umgesetzt“, klagte dagegen Schaaf und Allofs ergänzte: „Wer oben stehen möchte, der muss genau das jede Woche einbringen.“

Doch hat Werder überhaupt die Qualität, um oben zu stehen? Mehr noch als die 27. Niederlage im 45. Spiel bei Angstgegner Mönchengladbach nähren andere Ergebnisse Zweifel daran. Bisher gab es nämlich in dieser Saison gegen alle Teams aus der oberen Tabellenregion ausschließlich Niederlagen: 0:1 bei Bayer Leverkusen, 2:3 bei Hannover 96, 0:2 gegen Borussia Dortmund und nun sogar 0:5 bei Borussia Mönchengladbach.

„Wir haben gesagt, dass wir noch nicht so weit sind. Wir sind immer noch zu schnell verwundbar“, sagte Allofs und ergänzte: „Sicher ist das Ergebnis zunächst mal ein Schock. Aber so eine Vorführung wie bei dieser Klatsche kann auch ganz gut sein.“ Wie gut, wird schon das Spiel gegen den VfB Stuttgart am Sonntag zeigen.

 @ Mehr Infos unter http://www.NWZonline.de/werder

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