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NWZonline {{SHARING.setTitle("Dreck unterm Fingernagel reicht")}}

Archäologie:
Dreck unterm Fingernagel reicht

HOLZHAUSEN Moritz Mennenga ist geradezu begeistert: „Normalerweise finden wir solche Gräben nicht in dieser Region – eher in Dänemark oder in Schleswig-Holstein.“ Dabei zeigt der 26-jährige Forscher auf eine Karte, auf der zwei Ringsysteme zu erkennen sind. Die vor einem Jahr durchgeführte geomagnetische Messung des Feldes in Holzhausen sowie einige Bodenfunde haben die Forscher bestärkt, in der Nähe der Großsteingräber nach Resten vorchristlicher Siedlungen zu suchen. Und so arbeiten sich Forscher des Niedersächsischen Instituts für Historische Küstenforschung (NIhK, Wilhelmshaven) auf dem von der Familie Mahlstedt bewirtschafteten Acker in die Tiefe, um auffällige Strukturen im Boden freizulegen.

Im Juli 2009 nahm das Projekt „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung – Zur Entstehung und Entwicklung neolithischer Großbauten und erster komplexer Gesellschaften im nördlichen Mitteleuropa“, gefördert von der Deutschen Forschungs-Gemeinschaft (DFG), seine Arbeit auf. Insgesamt 22 Universitätsinstitute und Forschungseinrichtungen untersuchen in 16 Teilprojekten das Neolithikum in der nordeuropäischen Tiefebene. Das NIhK beschäftigt sich mit der Besiedlung und der Landnutzung zur Zeit der Trichterbecher- und Einzelgrabkultur. „Wildeshausen ist natürlich besonders wegen seiner Großsteingräber interessant“, sagt der Wissenschaftliche Direktor des NIhK, Professor Dr. Hauke Jöns. „Wir stecken gerade mitten in dem auf sechs Jahre angelegten Projekt.“

„Schnitte“ im Boden

An mehreren Stellen machen die Forscher „Schnitte“ im Boden. „Wir hatten gar keine Ahnung, was hier in der Erde steckt“, sagt Jöns. Aufgrund des Geestbodens seien die Befunde zwar sehr ausgeblichen. Die Reste der Gräben konnten jedoch nachgewiesen werden. „Es muss eine zentrale Anlage gewesen sein“, erklärt Jöns. Anhand der Größe der Fläche gehen die Archäologen und Bodenkundler davon aus, dass die Anlage an der Holzhauser Bäke einen Durchmesser von mindestens 250 Metern gehabt haben muss. Datiert wird der Fund auf 3400 bis um 2800 vor Christi. Eine genaue Datierung sei derzeit noch nicht möglich.

Mennenga zufolge sind beim Bau der Erdgasleitung vor einigen Jahren wesentliche Strukturen zerstört und nur einige Scherben gefunden worden. „Schatzsuche betreiben wir hier nicht“, ergänzt Jöns. Um noch mehr Informationen zu erhalten, werden Bodenproben genommen und mit Wasser aufgespült. Jöns: „Da reicht manchmal der berühmte Dreck unter dem Fingernagel, um das Alter zu bestimmen.“ Gesucht werden beispielsweise verkohlte Getreidereste, die einen Hinweis auf menschliche Aktivitäten geben. An der Uni Kiel werde eine Datierung nach der C-14-Methode vorgenommen.

Ehrenamtliche aktiv

Neben Grabungstechnikern und Studenten sind auch zwei Ehrenamtliche an der Grabung in Holzhausen beteiligt: Margarete Rosenbohm-Plate und Dr. Bernd Rothmann, der Kreisbeauftragte für Archäologischen Denkmalschutz. „Wenn so eine Grabung quasi vor der Haustür liegt, kann ich mir sie doch nicht entgehen lassen“, sagt Rothmann. Er ist ebenso gespannt auf die Publikation zur Grabung wie Svea Mahlstedt, Vorsitzende des Fördervereins Urgeschichtliches Zentrum Wildeshausen, die auch regelmäßig vor Ort ist. Für Moritz Mennega ist das Projekt in Holzhausen gleichzeitig Basis seiner Doktorarbeit.

NWZTV zeigt einen Beitrag unter http://www.NWZonline.de/nwztv

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