Festnahmen:
Anti-Terror-Einheit stürmt Wohnung in Ganderkesee

Passanten hatten im Morgengrauen Polizeifahrzeuge an der Mühlenstraße beobachtet. Von der spektakulären Großaktion ahnten sie da nichts – an dem Einsatz war auch die GSG 9 beteiligt.

Ganderkesee Sie kamen im Morgengrauen: Uniformierte Polizeikräfte und Beamte in Zivil durchsuchten am frühen Montagmorgen eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus an der Mühlenstraße in Ganderkesee. „Dort standen mindestens zwei Sprinter und vier Zivilfahrzeuge“, sagte ein Anlieger der NWZ . Was er nicht wissen konnte: An der Aktion war auch die Anti-Terror-Einheit GSG 9 – bekannt durch die Erstürmung der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ 1977 in Mogadischu – beteiligt.

Bei dem Polizeieinsatz sollen nach Auskunft der federführenden Staatsanwaltschaft Aachen zwei Männer vorläufig festgenommen worden sein. Ihnen wird vorgeworfen, in Geldwäsche-Geschäfte im großen Stil verwickelt zu sein.

Hintergrund des spektakulären Einsatzes ist ein Verfahren der französischen Staatsanwaltschaft, in dem es um Geldwäsche von Erlösen aus Drogengeschäften in Millionenhöhe gehe, sagte Dr. Jost Schützeberg, Pressedezernent der Staatsanwaltschaft in Aachen, auf NWZ -Nachfrage.  Aufgrund einer erhöhten Gefährdungslage habe man die GSG 9 zum Einsatz gerufen, so Schützeberg.

In dem Geldwäscheverfahren werde in sechs EU-Staaten ermittelt, sagte Schützeberg. Die Koordination liege bei Eurojust, der Justizbehörde der Europäischen Union mit Sitz in Den Haag. In Deutschland seien insgesamt zehn Objekte durchsucht worden – in Ganderkesee, Düsseldorf und Münster. Vier Tatverdächtige im Alter von 31 bis 49 Jahren sind bei den Einsätzen vorläufig festgenommen worden. Polizei und GSG 9 hätten insgesamt 260 000 Euro sowie Luxusuhren sichergestellt.

Hausbewohner haben offenbar wenig von der Aktion mitbekommen: „Das sah aus wie eine Steuerfahndung“, sagte eine Mieterin der NWZ . Mehrere Kisten mit Aktenordnern seien von Beamten in Zivil die Treppe hinunter getragen worden. Viel gesprochen wurde offenbar nicht. Auch Anlieger der Mühlenstraße nahmen von der Aktion wenig Notiz: „Das lief alles ganz ruhig ab“, sagte ein Passant. Waffen habe er nicht gesehen. Allerdings hätten die Fahrzeuge der Polizei bis zur Einmündung Immerweg gestanden.

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Karsten Kolloge

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26.01.2016
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