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Jet-Flugtage:
Mit dem Tempo kommt das Adrenalin

Ganderkesee Loslassen, so sagte Jenny Brandt, „geht nicht“. Via Fernsteuerung jagte die 18-Jährige am Sonnabend ihren Soxos 700 steil gen Himmel, dann im Affenzahn zurück zur Erde – um ihn einen halben Meter vorm Zerschellen abrupt abzubremsen. „3-D-Fliegen“ nennt sich das laute Spektakel mit dem Prototyp eines schweizerischen Modellhubschrauberbauers. „Das ist Adrenalin pur“, findet Jenny. Und einen Adrenalin-Stoß dürften am Wochenende viele gespürt haben bei den „Jet-Flugtagen“ auf dem Airfield. Mehrere tausend Besucher kamen.

Jenny war an diesem Wochenende die einzige Frau unter den 70 Piloten. Das Modellfliegen sei halt „eine Männerdomäne“, erklärte Mitorganisator Reinhard Oetken. Die „Crème de la Crème“ der deutschen und holländischen Szene habe er eingeladen, dazu „die besten Sprecher Deutschlands“, nämlich Winni Ohlgart und Josef Voss. Entspannt auf Campingstühlen sitzend, plauderte das Duo teils launig aus der Fliegergeschichte und nahm auch schon mal einzelne der Piloten auf die Schippe.

Zwei von denen, die es im Einzel-Jetfliegen bereits zu Weltmeisterehren brachten, hatten sich zusammengetan: Wolfgang Klühr und Thomas Singer starteten zwei Jets zum Synchronfliegen. Doch knapp nach dem Abheben, bei Tempo 100 bis 120, schien Singers Jet außer Kontrolle zu geraten: „Flame out“ (Flamm-abriss), raunte Ohlgart ins Mikro, das Triebwerk sei abgestellt. Doch Singer gelang es noch, das Fahrwerk wieder auszufahren und den Totalschaden zu vermeiden. „Da erkennt man die Professionalität“, kommentierte Ohlgard. Wahrscheinlich habe eine statische Aufladung die Elektronik zum Absturz gebracht, erklärte Wolfgang Klühr.

Am Sonntagvormittag gab es auch einen Absturz, bei einem Anfängermodell, wie Oetken sagte. Der Totalschaden blieb bei den Jets eine Ausnahme. „Das wird jedes Jahr besser“, was wohl auch einer anderen Fernsteuer-Technik zu verdanken sei, so Oetken.

Unsanfte Landungen waren bei einzelnen der sieben Doppel- und Dreidecker, die als Staffel in der Luft waren, zu beobachten. Da beugten sich Modelle am Ende der Landung zum Kopfstand, büßten Propeller und in einem Fall ein Seitenruder ein.

„Der Seitenwind“ sei bei den großen Flügelflächen die Herausforderung, erklärte Harald Niemeyer, der einen 24 Kilogramm schweren Nachbau des Dreideckers von Manfred von Richthofen, dem „Roten Baron“ sowie – für den Fall der Fälle – auch eine Piper im Serengeti-Look mitgebracht hatte. Im kommenden Jahr wollen Doppel- und Dreidecker-Freunde noch mal draufsatteln und zehn Modelle mitbringen. Das Ziel: „Alle zehn in der Luft.“

Am Sonntagnachmittag schrieben einsetzende Schauer am Programm mit, vorübergehend suchten Zuschauer den trockenen Hangar auf. Doch nach einer kurzen Pause ging die Show weiter – die ganz offensichtlich nicht nur dem Publikum, sondern auch den Piloten Spaß machte.


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