Archäologie:
Tiefe Gräben legen Befunde frei

Überreste einer frühmittelalterlichen Siedlung am Iburgsweg entdeckt

Bevor hier das neue Baugebiet entsteht, buddeln zuerst die Denkmalpfleger. Zehn Prozent der Fläche wurden freigelegt.

Wardenburg Die Gemeinde hat die Bauleitplanung für das neue Wohnbaugebiet am Iburgswegs in Wardenburg noch nicht abgeschlossen, da sind schon die ersten Baggerarbeiten auf der rund 2,4 Quadratmeter großen Fläche im Gange. Jedoch nicht, um erste Erschließungsarbeiten zu verrichten.

Das Niedersächsische Amt für Denkmalpflege in Oldenburg lässt hier vor jedweder Bautätigkeit so genannte Prospektionsflächen freibaggern, da hier im Boden interessante archäologische Stätten vermutet werden. Die Fläche befindet sich nämlich am Rande einer bereits nachgewiesenen frühmittelalterlichen Siedlung aus dem 8. und 9. Jahrhundert.

„Bereits als die umliegenden Wohngebiete entstanden, wurde die Siedlung entdeckt“, weiß Grabungstechniker Michael Wesemann. Damals habe es so etwa 30 bis 40 Grabungen gegeben. Einer der interessantesten Funde sei einst der Eichenbaumring eines ehemaligen Brunnens gewesen. Anhand der Jahresringe des Holzes habe man den Fund auf das Jahr 708 n. Chr. datieren können.

Nur Montag und Dienstag hatten Wesemann und Bezirksarchäologin Dr. Jana Fries Zeit, herauszufinden, ob es sich lohnt, auf dieser Wiese am Iburgsweg archäologisch in die Tiefe zu gehen.

Erst einmal wurden rund zehn Prozent der Fläche aufgebaggert. Im Abstand von rund 20 Metern wurden neun tiefe Gräben gezogen. Nach anderthalb Tagen waren schon 15 interessante Befunde entdeckt. „Man kann davon ausgehen, dass hier zehn mal mehr unter der Erde liegt“, so Michael Wesemann.

Für den Laien kaum erkennbar, zeigt Wesemann auf eine große, dunkle Fläche. „Da war sehr wahrscheinlich ein Grubenhaus“, meint der Experte. Diese kleinen, meistens auf sechs Pfosten gebaute Hütten mit Satteldach gingen bis zu einem Meter in die Tiefe. Dort wurden unter anderem verschiedene Arbeiten verrichtet. „Eventuell sind das die Reste eine Webhütte, von denen hier damals viele gefunden wurden“, so der Grabungstechniker. Die Tonscherbe, die er jetzt gefunden fand, stamme vermutlich von einem kugelförmigen Topf.

In den nächsten Tagen, so Jana Fries, würden die Befunde dokumentiert und bewertet, und dann wird wieder gebuddelt – und zwar dort, wo die Denkmalpfleger die ergiebigsten archäologischen Funde vermuten. Mit diesen Arbeiten wird dann eine Grabungsfirma beauftragt, da dem Landesamt für Denkmalpflege dafür die personellen Ressourcen fehlen.


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11.03.2015
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