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NWZonline {{SHARING.setTitle("Ganderkeseer war „blind vor Liebe“")}}

Roten Käfer Als Erstes Auto:
Ganderkeseer war „blind vor Liebe“

Elmeloh Es war Liebe auf den ersten Blick. Dieser Käfer sollte es sein. Das stand für Christian Marbach fest, als er, 18 Jahre jung, im Mai 1988 auf der Suche nach einem ersten rollenden Untersatz war und diesen ferrari-roten VW sah. „Unfassbare 140 km/h Spitze“ erreichte das Gefährt, das sechs Vorbesitzer hatte und möglicherweise ein wenig getunt worden sei. Marbach reichten fünf Minuten Probefahrt, dann blätterte er dem Verkäufer vom Theodor-Storm-Weg die geforderten 700 D-Mark hin. „Ich war blind vor Liebe.“

Freilich: Dass der rote Flitzer mit Halbautomatik auch die eine oder andere Schwäche hatte, sollte Marbach schon wenig später erfahren. An der Tankstelle. „17 Liter unverbleit“ habe der Wagen pro 100 Kilometer Distanz geschluckt. In der Werkstatt habe ein Mechaniker das mit nur drei Worten kommentiert: „Mann, Mann, Mann.“

Die Kombination aus hohem Verbrauch und geringem Fassungsvermögen des Tanks („etwa 25 Liter“), so erinnert sich der heutige Ganderkeseer Ratsherr, hätten eine logistische Herausforderung nach sich gezogen: Bei längeren Touren – etwa am Freitag, wenn’s zum Zelten an die Nordsee ging – bestand die Gefahr, mit leerem Tank stehen zu bleiben. Das galt es zu vermeiden. Auf Autobahnen hielt Marbach an jeder Tankstelle zum Nachfüllen.

„Praktisch“ fand der heutige Elmeloher das Innenleben. Der Wagen „war ein fahrendes Wohnzimmer. Und ein fahrendes Schlafzimmer“. Weniger komfortabel sei die Heizung gewesen. Als es in einem kalten Winter nahe Lüdenscheid wegen einer Vollsperrung über Stunden nicht weiter ging, „hab’ ich nur überlebt, weil ich einen Bundeswehrschlafsack dabei hatte“.

Mit der Zeit wurde Marbach der Wagen wegen des hohen Verbrauchs zu teuer. 1992 erwarb er von seiner Großtante einen anderen Käfer, „für 1000 D-Mark“. Der sei technisch in sehr gutem Zustand gewesen. Nur: Die Lackierung Dakota-Beige fand Marbach „ein bisschen langweilig“. Also ließ er den Käfer Anfang 1994, als er in Gießen studierte, umlackieren. „Lila“, verziert mit 42 Airbrush-Sternen – das war nun wirklich nicht mehr langweilig. „Der Wagen war ein Hingucker.“

Allerdings nur für wenige Jahre. Denn 1997 „bin ich mit dem Käfer in eine Baustelle reingenagelt“. Die Bremsen hätten damals nicht funktioniert, der Behälter mit Bremsflüssigkeit war leer. Mit Hilfe der Handbremse „bin ich drei Meter vor einer riesigen Teermaschine zum Stehen gekommen“. Marbach: „Damit hatte sich der Wagen erledigt.“

Heute, viele Jahre später, fährt der Elmeloher einen Mercedes ML 270. Trotz aller neuer Technik: „Mein Herz schlägt für den Käfer. Das war das Meisterstück des alten Ferdinand Porsche.“

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