Klimawandel:
Bei strengem Frost hagelt es böse E-Mails

Prof. Dr. Mojib Latif sieht

in erneuerbaren Energien einzige Chance

Ohne erhobenen Zeigefinger, jedoch höchst anschaulich erklärte Latif das globale Klimaproblem. Rund 300 Zuhörer folgten seinen Ausführungen.

Ganderkesee Sobald es ein paar Tage strengen Frost gibt, füllt sich das Postfach des Klima-Experten: „Ich habe viele böse E-Mails bekommen, bloß weil es mal kalt gewesen ist“, sagte Prof. Dr. Mojib Latif bei seinem Vortrag in der Aula des Gymnasiums Ganderkesee. Tatsächlich bedeute ein kalter Winter keineswegs, dass die Gefahr der Erderwärmung gebannt wäre.

Ganz im Gegenteil: Durch den stetig steigenden Kohlendioxid(CO2)-Ausstoß steige auch die Temperatur – über längere Zeiträume betrachtet – kontinuierlich an. „Derzeit beträgt die Erderwärmung 0,7 Grad. Noch sind wir in der Lage, das in geregelte Bahnen zu lenken“, hielt Latif fest.

Die Voraussetzung: Der CO2-Ausstoß müsse drastisch gesenkt werden. Auch im März dieses Jahres habe es „böse E-Mails“ gehagelt, so Latif. Doch auch in diesem von vielen als extrem kalt empfundenen Monat sei es weltweit 0,6 Grad Celsius wärmer gewesen als im langjährigen Mittel.

Dem bekannten Klima-Experten vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung an der Universität Kiel gelang es, seinen rund 300 Zuhörern die komplexen Zusammenhänge des Klimawandels allgemeinverständlich darzustellen. Klare Botschaft seines Vortrages: Der Verbrauch endlicher Ressourcen muss aufhören. Vor allem die Industrieländer, Haupterzeuger von Kohlendioxid, seien in der Plicht. Noch nie sei der Gehalt des unsichtbaren Gases in der Atmosphäre so hoch gewesen wie heute.

Latif verdeutlichte auch, dass der Klimaschutz nur global in den Griff zu bekommen ist. Zwar steige die CO2-Emission derzeit vor allem in China rasant an, doch „China ist die Werkbank der Welt“, so der Klimaforscher. „Ein Teil von deren Emissionen sind unsere!“

Zudem würden die Industrieländer eine historische Verantwortung tragen: CO2 besitze eine Verweildauer von 100 Jahren. „Das Kohlendioxid, das sich bereits in der Atmosphäre befindet, stammt von den Industrienationen“, verdeutlichte Latif. Den höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf hat laut Latif übrigens Katar. Die Menschen dort würden doppelt so viel Kohlendioxid erzeugen wie US-Amerikaner und viermal so viel wie Deutsche.

Die Lösung des Klimaproblems ist für Mojib Latif eine denkbar einfache: erneuerbare Energien. „Wir haben Energie im Überfluss. Das Problem ist, dass die Technologien teuer sind.“ Dennoch: Technisch sei alles vorhanden, was für eine ressourcenschonende Energieerzeugung erforderlich ist, hielt Latif fest.

Selbst die Eurokrise hätte seiner Überzeugung nach im Rahmen gehalten werden können, hätte man die Sonnenenergie in den Krisenländern gewinnbringend genutzt. „Wenn das Klima eine Bank wäre, hätte man es schon längst gerettet!“, schloss der prominente Redner seinen Vortrag.

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Karoline Schulz

Ganderkesee
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Bei strengem Frost hagelt es böse E-Mails
Ohne erhobenen Zeigefinger, jedoch höchst anschaulich erklärte Latif das globale Klimaproblem. Rund 300 Zuhörer folgten seinen Ausführungen.
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10.05.2013
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