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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Endstation für „Keimzelle“ des Ortes

21.02.2009
NWZonline.de NWZonline 2015-07-16T20:47:22Z 280 158

GESCHICHTE:
Endstation für „Keimzelle“ des Ortes

HUDE Es war der Beginn einer neuen Zeit: Das schrille Pfeifen der Dampflokomotive löste das fröhliche Signal des Postillions ab. Ab 1867 rollten regelmäßig Züge auf der neu gebauten Bahnstrecke zwischen Oldenburg und Bremen durch Hude. Bauherr war die Großherzoglich-Oldenburgische Eisenbahn (GOE). Bereits am 12. August 1866 war Hude Endstation der ersten Versuchsfahrt „mit geladenen Herren“ gewesen.

Mit dem Bau der Strecke Hude-Nordenham wurde der Klosterort sogar zum Eisenbahnknotenpunkt. Neben dem 1867 erbauten Empfangsgebäude und dem Güterschuppen entstanden nach und nach ein Lokschuppen mit Drehscheibe, eine Wasserstation, ein Wasserturm sowie eine Reparaturwerkstatt.

Mit dem Bau der Bahnlinien durchs Moor vollbrachte die GOE eine Pionierleistung. Die Streckenauswahl war anfangs indes von Widerständen begleitet. Teilweise musste das benötigte Land enteignet werden. Gegen die Nordenhamer Strecke gab es viele Einwendungen, vor allem aus dem Raum Stedingen. Weil man gerade neue Klinkerstraßen bekommen habe, sei die Bahn unnötig, argumentierten die Gegner. Außerdem würde sich das Vieh erschrecken und weniger Milch geben. Auch im Hause von Witzleben hielt sich die Begeisterung in Grenzen: Durch den hohen Bahndamm der Nordenhamer Linie ging ein Teil des Landschaftsparks verloren.

Als die Bahnen jedoch in Betrieb waren, wich die Skepsis fast überall freudiger Zustimmung. Die Eisenbahn brachte wirtschaftlichen Aufschwung nach Hude – der Ort wuchs zum beliebten Wohn- und Gewerbestandort heran.

Auf dem Gelände des Bahnhofs wurde eine Wasserzapfstelle für die Dampfkessel der Lokomotiven eingerichtet, die aus einem gebohrten Brunnen gespeist wurde. Um 1910 wurde zur Vorratshaltung und Druckerhöhung ein Wasserturm gebaut. Der Brunnen war so ergiebig, dass mit dem Nass auch der Kernort Hude per Wasserleitung versorgt werden konnte.

Das Grundwasser vom Huder Bahnhof hat aber zeitweise auch anderen Menschen in großer Not geholfen, nämlich den Bewohnern der nördlichen Wesermarsch, schildert Martin Gerdes-Röben von der Aktionsgemeinschaft für Hude (AGfH). Bevor es dort zur Einrichtung der zentralen Wasserversorgung Mitte der 50er Jahre kam, waren Mensch und Vieh von der Versorgung mit Regenwasser abhängig. In dieser Gegend, nahe der Nordsee, war das Grundwasser fast überall versalzen und ungenießbar. In längeren Trockenzeiten war das in Gräben, Graften, Teichen und Zisternen gespeicherte Regenwasser bald verbraucht, und es begann eine Notzeit für das Vieh und die Menschen. „In diesen Zeiten wurde Trinkwasser aus Hude in Kesselwagen der Bahn ins Butjadingerland gebracht und hat so vielen Menschen geholfen“, weiß Gerdes-Röben.

In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges sollte der Wasserturm von deutschen Soldaten gesprengt werden. Der Rottenmeister des Huder Bahnhofs hatte gesehen, wie das Sprengmaterial in den Turm geschafft und erst einmal gelagert wurde. Dieser mutige Mann kam in der Nacht mit einer Schubkarre und kippte die Sprengsätze in einen nahe gelegen Feuerlöschteich. „So hat der für die Bevölkerung und die Bahn wichtige Wasserturm das Kriegsende überlebt“, berichtet Martin Gerdes-Röben.

Als die Wasserversorgung durch die Bahn Mitte der 60-er Jahre aufgegeben wurde, waren die Tage des Wasserturms gezählt. Er wurde 1968 abgerissen. Dieses Schicksal widerfuhr auch dem Empfangsgebäude des Bahnhofs, der einst zu den schönsten und größten in Nordwestdeutschland zählte. Mit einem Planfeststellungsbeschluss verfügte die Bundesbahndirektion in Hannover im September 1988 den Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes und setzte sich über zahlreiche Einwände hinweg. Gemeinde, Landkreis, der „Förderkreis Bahnhof Hude“, die AGfH sowie der Gewerbe- und Verkehrsverein hatten protestiert – vergeblich: Hude verlor seine symbolische Mitte und die „Keimzelle“ der Ortsgeschichte. Der Beginn der Abrissarbeiten war von einem großen Polizeiaufgebot begleitet gewesen, doch die erwarteten Demonstranten blieben aus.

Inselbahnhof als Bindeglied

Als „Inselbahnhof“ hatte das Huder Bahnhofsgebäude eine ungewöhnliche Form. Die nach beiden Seiten gleichwertig gestaltete Fassade sorgte dafür, dass der Bahnhof als Bindeglied zwischen den durch die Schienen getrennten Ortsteilen diente.

Die Demontage dieses Identifikationspunktes vollzog sich in Etappen: Schon vor dem 1988 verfügten Abriss der Empfangshalle wurden Bahnhofsanlagen abgebaut, um den Fußgänger- und Radfahrertunnel zu realisieren, der die im März 1980 abgerissene Fußgängerbrücke ersetzte. Kritiker befürchteten damals, die den Ortskern durchschneidenden Rampenschluchten würden einen Verlust städtebaulicher Qualität verursachen und sprachen von einem „menschenfeindlichen Bauwerk“ und von „Angströhren“.