Projekt In Ganderkesee:
Gemeinsam gegen Cybermobbing

Viele Schüler haben bereits Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht. Durch Smartphones ist das Zuhause kein geschützter Raum mehr. Die Polizei will hier aufklären.

Ganderkesee Fast jeder in der Klasse 6c der Oberschule Ganderkesee hat ein Smartphone. Das ist auch in den fünften Klassen schon so, berichtet Polizei-Oberkommissar Sebastian Nitsch: „Die körperliche Gewalt, die es schon seit langem gibt, hat sich an allen Schulen stark in die Medien verlagert.“

Dass sich Mobbing durch die Smartphones „in den vergangenen drei Jahren massiv verändert“ hat, hat auch Björn Knölke beobachtet und ein Präventionsprojekt im Bereich Medienkompetenz und Cybermobbing ins Leben gerufen, das am Freitagvormittag gestartet ist.

Der Schulsozialpädagoge sprach mit der 6c der Oberschule über verschiedene Szenarien, in denen Mitschüler verletzt werden können – zum Beispiel, eine generelle Aussage über jemanden zu verbreiten, die gar nicht stimmt, oder Fotos von jemandem ohne dessen Einverständnis zu teilen oder weiterzuleiten.

Dass man damit gegen Gesetze verstößt, machten Nitsch und seine Kollegin Simone Hemken deutlich. „Das Gefühl für die Privatsphäre fehlt bei Kindern und Jugendlichen oft“, benennt Hemken ein Problem. Und ein weiteres: „Und sie denken nicht über die Folgen nach.“

Viele Sechstklässler haben bereits Erfahrungen mit Mobbing gemacht. Eine Schülerin erzählt, wie die von mehreren Mädchen beleidigt und dabei gefilmt wurde. Das Video wollten die Angreiferinnen im Internet verbreiten. Und genau da liegt die besondere Tragik des „Cybermobbings“, wie Knölke erklärt: „Früher wurde man in der Schule gemobbt und ist mittags nach Hause gegangen – zu Eltern und Sportkameraden, die davon nichts wussten.“ Durch die Smartphones geht das Mobbing aber zu Hause weiter – und wird dabei leicht viel breiter gestreut.

Knölke hatte bei einer Umfrage unter 300 Schülern herausgefunden, dass über 50% der Kinder nicht mit ihren Eltern über ihr mediales Verhalten sprechen. „Sie haben Angst vor Sanktionen, dass ihnen zum Beispiel das Handy weggenommen wird, wenn sie nur versehentlich auf ein gewaltverherrlichendes Video gelangt sind“, sagt Knölke.

Das Problem: Viele Eltern kennen sich nicht gut genug mit Smartphones aus. Es helfe aber schon, mit den Kindern zu sprechen und „dranzubleiben“, sagt Hemken. Auch den Schülern gaben die Polizisten Tipps mit – zum Beispiel, mit einer Vertrauensperson zu sprechen, und gemobbte Mitschüler zu unterstützen.

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20.02.2016
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