Defekt:
Sturm reißt Gondel von Windrad

Tonnenschweres Teil prallt in Döhlen auf Boden – Analyse in Aurich

Die Windkraftanlage wurde 1995 aufgestellt. Zwei baugleiche Windräder stehen vorerst still.

Döhlen Während das Orkantief „Xaver“ den Landkreis Oldenburg weitgehend verschont hat, hat der Sturm in Döhlen einen wahren Kraftakt geleistet: Eine Böe riss am Freitagmorgen die mehr als 20 Tonnen schwere Gondel einer Windkraftanlage aus gut 60 Metern Höhe zu Boden. Verletzt wurde niemand.

Wie der Hersteller der Anlage, das Auricher Unternehmen „Enercon“, am Freitag auf Nachfrage der NWZ  bestätigte, sei die komplette Gondel inklusive Rotorblättern heruntergefallen. Einzelne kleine Teile fanden Zeugen noch auf der Krumlander Straße. Enercon-Mitarbeiter riegelten das Gelände noch am Morgen ab. „Wir sind froh, dass nichts passiert ist“, sagte Firmensprecher Felix Rehwald. Bei der Windkraftanlage handelt es sich um das Modell „E 40“ – die erste getriebelose Anlage und laut Rehwald „technologisch nicht vergleichbar mit heutigen Modellen“.

Neben der betroffenen Anlage, die 1995 errichtet wurde, stehen noch zwei weitere des gleichen Typs – eine aus 1995 und eine aus 1996. Die Gondel sei „direkt am Turm heruntergefallen“, sagte der Betreiber der drei Anlagen am Freitag. Die Windkraftanlage steht auf einem bewaldeten Grundstück und gehört nicht zum Windpark Döhlen. Sie wurde 1995 als sogenanntes „privilegiertes Vorhaben“ im Außenbereich errichtet, heißt es bei der Gemeinde.

Die Flügel der beiden anderen Windkraftanlagen stehen seit Freitagvormittag still. „Es war uns wichtig, die beiden anderen aus dem Wind zu nehmen“, sagte Peter Nieslony, Leiter des Bauordnungsamtes beim Landkreis. Die Hersteller-Firma sei mit der Schadensanalyse beauftragt worden. Das geschieht im Enercon-Werk in Aurich. Alle Aufzeichnungen der Windkraftanlage würden laut Nieslony jetzt ausgelesen.

Wie lange das dauern wird, konnte keiner der Beteiligten sagen. „Erst dann entscheiden wir, wie es weitergeht“, sagte Nieslony. Liegt die Schadensanalyse vor, wollen sich Landkreis und Hersteller zusammensetzen. Dann würde man sehen, ob der Vorfall auch Rückschlüsse auf baugleiche Anlagen zulassen könnte. „In unserem Bereich ist es der erste Vorfall mit einer E 40“, erzählte Nieslony, der zudem auf die extreme Wetterlage bei dem Vorfall verwies. Der Typ sei immer noch relativ weit verbreitet – nicht nur im Landkreis. Vorerst bleiben aber nur die beiden benachbarten Anlagen aus.

Laut Enercon-Sprecher Rehwald handele es sich bei der E 40 um den Anlagentyp, „den wir momentan am häufigsten zurückbauen“. Nach und nach würden die Anlagen ausgetauscht. Gedanken an ein „Repowering“ – das Ersetzen alter Anlagen durch neue – habe der Betreiber nach eigenen Angaben noch nicht gehabt. „Wir sind mit den Anlagen zufrieden, nur mit dem Zustand jetzt nicht.“ Aber auch er wolle sich nach der Analyse mit dem Hersteller zusammensetzen. Die Anlage sei durch Enercon versichert, jetzt stünde die Schadensbegrenzung im Vordergrund.

Bereits im August hatte es im Landkreis einen Vorfall an einer Windkraftanlage gegeben. In Iserloy war ein Stück von einem Rotorblatt abgebrochen und in einem Maisfeld gelandet. Laut Nieslony läuft die Anlage des Herstellers „Vestas“ wieder. Ebenfalls in Iserloy riss im November 2006 die Spitze eines Flügels ab und flog rund 200 Meter weit.

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Robert Otto

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