„ideenschmied“ Aus Wildeshausen:
Er macht Süßigkeiten ohne Zucker

Rolf Rötgers suchte eigentlich nach einem mentholfreien Kaugummi – heute stellt er diverses Süßzeug mit Xylit und Erythrit her. Klingt nach Chemiebaukasten, soll aber viele Vorteile haben. Nur bei der Schokocreme lief nicht alles wie geschmiert.

Wildeshausen Alles begann mit der Suche nach einem mentholfreien Kaugummi. „Überraschend erfrischend“ fand der Wildeshauser Rolf Rötgers das Produkt mit Xylit, das ihm in der Apotheke angeboten wurde. Und da Rötgers ein „Ideenschmied“ ist, der sich schon als Musiker, Autor, Illustrator und Spieleerfinder einen Namen gemacht hat, begann er zu recherchieren. „Ich stieß dabei schnell auf die Vorteile von Xylit wie kalorienarm, antikariös und nahezu insulinunabhängig“, erläutert er.

Als Rötgers seinem Meppener Freund Joe Schmeing davon erzählte, war der Diabetiker gleich begeistert. Der gelernte Koch, der nach 30 Jahren genug von der Gastronomie hatte, gründete zusammen mit Rötgers die Manufaktur „Lasovli“ und begann, eigenes Marzipan und Pralinen mit der natürlichen Zuckeralternative zu kreieren. Das war gar nicht so leicht. „Besonders an der Schokocreme haben wir uns die Zähne ausgebissen, weil es schwer ist, ausreichend Xylit gelöst zu bekommen und damit die Creme haltbar genug zu machen“, erinnert sich der Wildeshauser an die Anfänge vor viereinhalb Jahren.

Bonbons und Liköre

Also versuchte man sich erst einmal an Bonbons und Fruchtaufstrichen, arbeitete ergänzend zu Xylit auch mit Erythrit. Schnell komplettierten Kekse, Liköre und der laut Rötgers „beste Ketchup auf dem Markt“ das Sortiment. Inzwischen bietet „Lasovli“ mehr als 70 verschiedene Spezialitäten an.

„Wir arbeiten möglichst naturbelassen“, sagt Rötgers. Und weiter: „In unseren einzeln von Hand gegossenen Zahnpflege-Bonbons gibt es keine ergänzend zugesetzten Aromen, Farbstoffe, Trägermaterialien oder Trennmittel, sondern nur reines Fruchtpulver in Bio-Qualität und Xylit.“

Während sich Joe Schmeing am neuen Standort im emsländischen Stavern um Herstellung und Versand kümmert, gehören Design, Akquise und Kundenbetreuung zu Rötgers Aufgaben. „Zu Anfang haben wir uns um spezialisierte Online-Händler beworben, inzwischen haben wir unseren eigenen Shop und sind auch bei Amazon vertreten“, erläutert der 57-Jährige. Circa 30 Pakete verlassen derzeit täglich die Manufaktur und werden an Endkunden und Händler in Deutschland, Österreich und der Schweiz geschickt.

Neue Kreationen

An zwei Tagen pro Woche treffen sich Rötgers und Schmeing in Stavern, um neue Kreationen zu testen und betriebsinterne Abläufe zu optimieren. Inzwischen wirft das junge Unternehmen einen kleinen Gewinn ab – Tendenz steigend, „aber bitte nicht zu schnell, denn wir möchten Zeit haben mitzuwachsen“, betont Rötgers.

Nicht immer geeignet

Doch nicht für alles und jeden sind die Zuckeralternativen geeignet. Gerade zu Beginn und beim Verzehr größerer Mengen ist eine abführende und blähende Wirkung möglich, die laut Rötgers nach einiger Zeit der Gewöhnung aber in der Regel schnell verschwindet. Vorsicht sei auch bei Säuglingen und bei einigen Haustierarten geboten, denn zum Beispiel bei Hunden, Ziegen und Kaninchen verursacht Xylit eine starke Insulinausschüttung.

Dass Rötgers einmal Experte für Lebensmittelproduktion sein würde, hätte er sich nie träumen lassen. „Ich war immer Künstler, aber auch die Arbeit in der Manufaktur ist ein sehr kreativer Prozess“, schmunzelt er.

Bei Rötgers zu Hause gibt es übrigens so gut wie keinen Zucker mehr. „Nur wenn wir mit Hefe backen, greifen wir noch darauf zurück, denn das verträgt sich besser“, berichtet der Wildeshauser aus der heimischen Küche.

In der steht seit Dienstag übrigens auch die lang ersehnte Schokocreme mit Xylit und ganz viel Haselnüssen. Wie genau das besondere Rührverfahren aussieht, das schließlich doch noch zum Erfolg geführt hat, ist aber streng geheim...


Mehr Informationen unter   www.lasovli.com 

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Über den Autor

Uta-Maria Kramer

Wildeshausen
Redaktion Wildeshausen
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