21.07.2012

Stadtentwicklung
Dritter Uni-Campus mit Nachtleben

36 Architektur-Studierende aus neun Ländern entwerfen Ideen für Wissenschaftsmeile

Kristallisationspunkt für die Entwürfe war der geplante Bahnhaltepunkt Wechloy. Die Siegergruppe will Forschen, Leben und Freizeit verbinden.
Thorsten Kuchta

OLDENBURG Das Bahnhofs-gebäude Haltepunkt Wechloy eine himmelwärts strebende Kurve, drum herum eine streng linear geordnete Gebäudestruktur, im Osten des Gebiets eine Wasserlandschaft, die sich aus einer aufgestauten Bäke speist. Der Siegerentwurf des dreiwöchigen Architekturworkshops „Smanful“ mit 36 Studierenden aus neun Ländern bietet ein eindrucksvolles Bild für ein neues Wissenschaftsquartier am geplanten Haltepunkt Wechloy – aber er hat es auch inhaltlich in sich.

„Wir wollten etwas anderes schaffen als die beiden bestehenden Uni-Standorte oder das TGO, wo um 17 Uhr die Lichter ausgehen“, bilanziert Professor Holm Kleinmann vom Fachbereich Architektur der Jade-Hochschule in Oldenburg. In allen Entwürfen der neun Vierergruppen sei es darum gegangen, nicht nur einen Wissenschaftsstandort, sondern ein lebenswertes Quartier für eine klar umrissene Gruppe zu schaffen.

Kleinmann dazu: „Es geht um den Wissenschaftsnachwuchs, die bis zu 40-Jährigen, die in Wissenschaft und Wirtschaft oft als Praktikanten oder mit Mindestlöhnen leben, die akademischen Newcomer. Damit muss man sich auseinandersetzen. Sie brauchen ein Viertel mit Geist und Toleranz.“

Und so ist auch der Siegerentwurf mit seinen Uni-Gebäuden durchwoben mit Gastronomie, Parks zum informellen Sporttreiben und durchbrochenen Kanten: „Wir brauchen heute kein Viertel mehr, in dem sich Blocks schützend um Kinderspielplätze gruppieren.“

Die Studierenden stützten sich in ihrer Ideenfindung auf die Vorstellung einer Wissenschaftsmeile, die sich nach den Zielen des Stadtentwicklungskonzeptes „Step 2025“ an der Ammerländer Heerstraße entlangziehen soll – und offenbar auch auf das Konzept der „kreativen Klasse“, die Oberbürgermeister Schwandner stets als Grundlage der künftigen Entwicklung in den Fokus rückt. Kein Wunder, dass er beim Workshop zu den Studierenden sprach.

Doch so ganz wörtlich nahm der Architektur-Nachwuchs die Wissenschaftsmeile nicht: „Die Achse von der Stadt bis nach Wechloy ist viel zu heterogen, um sie als Perlenkette der Wissenschaft durchzuziehen“, meint Kleinmann. Deswegen nahmen sich die Planer des 36-Hektar-Geländes zwischen Ammerländer Heerstraße und Pophankenweg an; die Siegergruppe räumte dafür in ihrem Schwung gleich das Autohaus Rosier ab. Ziel war es, eine Spange zwischen Campus Haarentor und Campus Wechloy zu etablieren und gleichzeitig Utopien für die neue Klientel zu formulieren, die der Wissenschaftsstandort Oldenburg anziehen soll.

Naturgemäß setzten sich die Studierenden auch mit dem Bestehenden auseinander. Oldenburg, so hieß es, habe einen urbanen Kern. Aber die Vororte mit ihren Einfamilienhäusern schlichen sich von mehreren Seiten viel zu dicht an die City heran.

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