23.02.2013

Stadtentwicklung
Jurastudenten beziehen altes Gefängnis

JVA an der Gerichtsstraße wird zum 22. März geschlossen – „Seminar hinter Gittern“

Die Abwicklung der Anstalt ist bereits angelaufen. Derzeit sind dort nur noch 26 Gefangene untergebracht.
Rainer Dehmer

Oldenburg Neue Nutzung für das alte Gefängnis: Studenten ziehen im April in das 156 Jahre alte JVA-Gebäude an der Gerichtsstraße – allerdings nur für vier Tage. Zu diesem Zeitpunkt ist der Sicherheitsbau bereits geschlossen. Bis zum 22. März werden alle Zellen leer sein.

Im Anschluss will das Institut für Kriminologie an der Universität Hamburg das Gefängnis für ein „Seminar hinter Gittern“ nutzen. Die rund 80 Studenten und Professoren aus Hamburg, Greifswald, Münster und Göttingen werden dafür unter „realitätsnahen Bedingungen einer JVA untergebracht“, berichtete am Freitag Gefängnis-Chef Gerd Koop.

Die Schließung der sanierungsbedürftigen JVA war vor knapp einem Jahr vom damaligen Justizminister Bernd Busemann (CDU) überraschend verkündet worden (NWZ  berichtete). Damit sorgte er für große Verunsicherung bei den Bediensteten.

Der 1857 eröffnete Bau an der Gerichtsstraße war bis Januar 2001 Hauptanstalt für die Unterbringung von Untersuchungsgefangenen. Mit der Eröffnung des neuen Gefängnisses an der Cloppenburger Straße wurde die Gerichtsstraße zur Nebenstelle der JVA Oldenburg. Der Altbau verfügte über 71 Haftplätze für erwachsene Gefangene mit einer Haftstrafe von nicht mehr als zwei Jahren.

Längst ist die Abwicklung angelaufen. Neue Gefangene werden seit Anfang des Jahres nicht mehr aufgenommen, andere wurden in die Hauptanstalt an der Cloppenburger Straße oder in andere Gefängnisse verlegt. An der Gerichtsstraße sind derzeit nur noch 26 Gefangene eingesperrt.

Nach der Schließung am 22. März sind neben dem Jura-Seminar noch weitere Veranstaltungen geplant. Anfang Juni steigt beispielsweise ein großes Fest für Justiz, Polizei und Vollzugsdienst im Gefängnis.

Mobiliar und Sicherheitstechnik will Gerd Koop bis Ende des Jahres aus der JVA entfernt haben. Denn dann erfolgt die Übergabe an das Land. Eine Zukunft gibt Koop der Anstalt nicht. „Auch wenn das Gebäude unter Denkmalschutz steht, macht nur ein Abriss Sinn. Ein Erhalt wäre Geldverschwendung.“

Im Hinblick auf die Schließung wurde an diesem Freitag das vom Künstler Ludger Hinse geschaffene „Sonnenkreuz“ aus dem alten Gefängnis entfernt. Mit einer Andacht begingen die beiden JVA-Seelsorger, Pfarrerin Angelika Menz und Pastoralreferent Norbert Kisse, den Abschied. Danach wurde das aus Plexiglas bestehende Kreuz von der Lichtkuppel genommen und zu Fuß zur neuen JVA an der Cloppenburger Straße gebracht. Das Kreuz ist ein Geschenk der Lamberti-Gemeinde aus dem Jahr 2011.

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