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Ohne Kopiergeld keine Arbeitsblätter

Mutter zahlt aus Sicht der Schule zu spät – Kinder erhalten kein Unterrichtsmaterial

Eine Mutter bat um Aufschub. Die Schule entschied, dass es für ihre Kinder dann keine Arbeitsblätter gebe.

Oldenburg Das Thema Kopiergeld nervt viele Eltern und Lehrer – die einen, weil sie noch einmal zusätzlich zur Kasse gebeten werden, die anderen, weil sie das Geld einfordern und häufig auch hinterherlaufen müssen.

Das hat jetzt an der Grundschule Kreyenbrück (Breewaterweg) zu einer Entwicklung geführt, die von einer Mutter von sechs Kindern, die auf Hartz IV angewiesen ist und gerade eine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin macht, als sehr unschön empfunden wird.

Was war passiert? Die Leiterin der Grundschule hatte vor den Sommerferien darauf hingewiesen, dass nach den Ferien wieder das Kopiergeld fällig werde – bislang 10 Euro fürs Schuljahr, nun 15 Euro.

Kind muss zuschauen

Einen Tag nach den Sommerferien wandte sie sich mit einem Brief an die Eltern, die noch nicht gezahlt hatten. Sie forderte die Eltern auf, spätestens in zwei Tagen zu zahlen. Wörtlich: „Kinder, für die das Geld nicht bezahlt wird, erhalten keine Arbeitsblätter und können nicht entsprechend am Unterricht teilnehmen.“

Die Mutter, die an dieser Schule zwei Kinder hat, teilte der Klassenlehrerin mit, dass sie die 30 Euro Kopiergeld erst Mitte des Monats zahlen könne, wenn das Kindergeld komme. Die 70 Euro aus der Bildungs- und Teilhabe-Förderung (Sicherung des Existenzminimums hilfebedürftiger Kinder und Jugendlicher zur Bildungsteilhabe; weitere 30 Euro kommen im Februar) hatte sie im Juli für Schulbücher und Material bezahlt.

Doch die Schule machte ernst. Weinend kam die Tochter (8) nach Hause, weil ihr – anders als den anderen Kindern in ihrer Klasse – Fachblätter nicht ausgeteilt worden waren und sie zudem kein Bastelmaterial erhalten hatte und sie dadurch im Unterricht nicht mitbasteln konnte, weil auch das „Bastelgeld“ in Höhe von 10 Euro noch nicht gezahlt sei, berichtet die Mutter.

Viele säumige Eltern

Kurz darauf habe sie jedem Kind schon mal fünf Euro mitgegeben – dann gab es auch wieder Blätter – und am 14. September, als das Fördergeld da war, noch mal jedem zehn Euro. Dann habe die Lehrerin aber bei ihr angerufen und gesagt, dass ja auch noch das Bastelgeld fehle. Sie habe den Auftrag, bei weiterhin säumiger Zahlung, anzukündigen, dass dann das Jugendamt über das Problem informiert werde. Die Mutter, die ihren Kindern sofort auch noch zweimal 15 Euro Bastelgeld mitgab, sagt: „Dieses Vorgehen finde ich erniedrigend.“

Was sagt die Schulleiterin?

Susanne Wendt: „Der Brief an die Eltern ist nicht aus dem hohlen Bauch entstanden, es sind viele, die säumig sind.“ Manche kündigten auch an zu zahlen, täten es dann aber nicht. „Wegen dieser Erfahrung haben wir gesagt, formulieren wir das etwas schärfer.“ Immerhin habe es ja in den Ferien auch Kindergeld gegeben. Sie sei im Übrigen tatsächlich „auf jeden Fall nicht dagegen, dass das Jugendamt informiert wird, wenn das Kopiergeld nicht bezahlt wird“. Das sei „eine Frage der elterlichen Sorge“. Wichtig sei ihr aber, dass „die Eltern rechtzeitig informiert wurden, dass man sich bei Problemen immer an die Schulleitung wenden kann und unser Handeln dem schulischen Erfolg des Kindes dient“.

Leserkommentare

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  JanS1994 26.09.2012, 23:48:52
Ich habe den Fall durch meine Tätigkeit in der Huder Kommunalpolitik ins Kultusministerium tragen können. Von dort ging das Ganze in die Rechtsabteilung der Landesschulbehörde. Folgendes Zitat möchte ich allen die sich zurecht über das Vorgehen der Schule beschwert haben mitgeben : "Die Niedersächsische Landesschulbehörde hat den von Ihnen zitierten Zeitungsartikel zum Anlass genommen, die Sach- und Rechtslage mit der betreffenden Schule ausführlich zu erörtern."
Was da zwischen den Zeilen steht ist doch ganz zufriedenstellend ich hoffe nur, dass sich bei der Familie anständig entschuldigt wird !
  MichaelReins 22.09.2012, 16:03:00
Die Vorgehensweise durch die Schulleitung ist freundlich ausgedrückt, das letzte. Kinder innerhalb einer Klasse in dieser Art und Weise zu Brandmarken ist das allerletzte!
Wie schon in einem anderen Kommentar geschrieben wurde, sind die Kosten für die Kopien sehr hoch angesetzt, was nicht so ganz nachvollziehbar erscheint. Hier ist wohl eher Geld übrig, das dann wo bleibt?
Papier und Toner können es nicht sein, die das ganze Geld verbrauchen ;man könnte nun ein wenig boshaft nachfragen ob vielleicht Kaffee und Tee mit im Preis enthalten sind, doch das wäre ja eine Unterstellung. Vielleicht kann die Schulleitung der NWZ einfach mal vorrechnen, wie man auf solche Preise kommt und entsprechende Quittungen beifügen. Und wenn man denn etwas zu teuer einkauft, bin ich gerne bereit ihnen beim Einkauf von günstigem Papier und Toner behilflich zu sein; man selbst kauft ja recht günstig ein - und das als Privatperson.


@ Katzenhilfe

" 2. Toilettengeld am NGO: Könnte es sein, dass die lieben Schüler dort die Klos derart verdrecken, dass es den Putzfrauen nicht mehr zumutbar ist, diesen Dreck zu entfernen. "

Und wenn die Schüler bzw. die Eltern zahlen, reinigen sich die Toiletten von alleine? Immerhin ist es ja ziemlich egal, ob man Geld für die Benutzung zahlen soll und den Putzfrauen das nicht zumutbar ist.

Also, wer reinigt die Toiletten dann?
  blitzmerker 21.09.2012, 06:37:26
Da sind ja noch ein paar Dinge, die einem gerade in diesem Fall nachdenklich stimmen:

1. Wenn ich mal pauschal überlege, dass in der Klasse 20 Kinder sitzen, und alle bis auf vielleicht 5 Eltern haben bezahlt. Dann hat die Klasse im Moment 225,- Euro Kopiergeld und 150,- Bastelgeld zur Verfügung. Das Geld wird ja nun nicht auf einmal verbraucht, sondern nach und nach...
Wo also ist das Problem, dass man ein paar Tage länger gewartet hätte, wie von der Mutter gewünscht?

2. Warum wird das Kopiergeld um 50% erhöht, obwohl dieses Jahr ein sehr kurzes Schuljahr wird?

3. Wenn ich in einen Copyshop gehe (die auch noch verdienen wollen) bezahle ich für eine s/w Kopie 5 Cent. Das wären dann also 300 Kopien pro Kind. Und wenn in Eigenregie kopiert wird, ist es nochmal günstiger...

4. Was soll denn das Jugendamt unternehmen? Das Geld eintreiben? Oder handelt man mal wieder pädagogisch nach dem Motto, wenn man die 25,- Euro nicht bezahlen kann, dann werden die Kinder im allgemeinen vernachlässigt?

Und als ich heute hier in meinem Kommentar gefragt habe, ob denn der Gang zur Toilette Umsonst wäre, habe ich das nur aus Spaß gesagt, und im Leben nicht damit gerechnet, dass es so eine Gebühr tatsächlich schon gibt...

Und da wundern wir uns noch, warum die Piraten Partei vor ein paar Wochen noch 17% auf Bundesebene bekamen???

Armes, ganz armes Deutschland!!!
  basso 20.09.2012, 23:57:45
@Katzenhilfe
Ich weiss sehr wohl, dass es Lehrkräfte und auch Eltern gibt, die Klassenräume in ihrer Freizeit anstreichen und ausstatten.
Und ich weiss auch, dass es viele engagierte Lehrkräfte gibt.

Hier geht es aber darum, dass ein Kind in einer nicht verantwortbaren Weise ohne eigenes Verschulden bloß gestellt wird. Im Übrigen gibt es auch viele "Normalverdiener", die keine Zuschüsse bekommen. Deshalb nochmals meine Vorschläge:
Lernmitteilfreiheit an Oldenburger Schulen, wenn es die Stadt OL nicht zahlt sollte die NWZ über eine Initiative "Klassenpatenschaft" nachdenken. Mein Angebot steht (s.u.).
  sonoluminus 20.09.2012, 23:44:30
Die Schulleitung wird sehr wahrscheinlich das Problem haben, dass es dort sehr viele Eltern gibt, die das Geld nicht bezahlen.
Was soll die Schulleitung denn machen, wenn es immer mehr säumige Zahler gibt? Mal eben so auf das Geld verzichten?

Wenn die Stadt für die Ausstattung der Schulen zuständig ist, dann sollten die Eltern sich bei den Politikern und der Stadtverwaltung beschweren. Das wären die richtigen Ansprechpartner.
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Über den Autor

Karsten Röhr

Redakteur
Redaktion Oldenburg
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