Unglück:
Brandopfer kritisiert Feuerwehr

Fritz Hardach: Dilettantischer Einsatz – Groß-Bornhorster-Straße gesperrt

Die Feuerwehr weist die Kritik zurück. Nach wie vor ist die Brandursache unklar.

Oldenburg Der verheerende Brand in Bornhorst bleibt Thema. Drei Tage nach dem Unglück hat sich am Mittwoch eines der Brandopfer zu Wort gemeldet und scharfe Kritik an der Feuerwehr geübt. „Der Einsatz war dilettantisch“, sagt Dr. Fritz Hardach. Der 73-Jährige weiß, wovon er spricht. Das Mitglied der Ortswehr Ohmstede fungierte mehr als 25 Jahre als Bezirksfeuerwehrarzt.

Nach Meinung von Hardach hätte die Feuerwehr wissen müssen, dass die Wassermenge aus den Hydranten keinesfalls ausreiche, um Brände dieser Größenordnung zu löschen. „Es hätte sofort eine Leitung zum Bornhorster See gelegt werden müssen“, sagt er.

Hardach, dessen Haus 1980 schon einmal abgebrannt war, ist zudem der Ansicht, dass die Feuerwehr sein Reetdachhaus hätte retten können. „Die ersten zwei Häuser stehen zu dicht beisammen, da war wohl nichts zu machen. Bei meinem Haus hätte aber die Chance bestanden, eine Wasserwand aufzubauen, um das Übergreifen der Flammen zu verhindern.“

Fotostrecke Oldenburg: Drei Bauernhäuser abgebrannt – Teil V

Die Kritik weist Jens Spekker, stellvertretender Leiter der Feuerwehr, zurück: „Wir haben uns keinen Vorwurf zu machen.“ Die Leitung zum See sei so schnell wie möglich gelegt worden. „Obwohl wir anfangs natürlich keine 100 Leute waren, haben wir frühzeitig Aufteilungen vorgenommen, um an allen Einsatzstellen tätig zu werden.“ Durch massiven Wassereinsatz sei es gelungen, mögliche weitere Brände zu verhindern.

Wie berichtet, war am Sonntagvormittag ein Feuer im Dachstuhl eines reetgedeckten Hauses an der Groß-Bornhorster-Straße ausgebrochen. Die Flammen des durch den starken Ostwind angefachten Feuers griffen in kurzer Zeit auf zwei weitere Reetdachhäuser über. 125 Feuerwehrleute bekämpften die Brände.

Die genaue Brandursache steht noch nicht fest. „Wir warten auf das Untersuchungsergebnis des Brandgutachters“, sagt Polizeisprecher Stephan Klatte.

In den vergangenen Tagen zog es immer mehr Schaulustige zu den drei Brandruinen. „Besonders abends fahren viele Autofahrer durch unsere Straße. Es gab sogar schon einen Unfall“, berichtet Anwohner Rainer Ahlers. „Die Leute kommen, um zu schauen und zu fotografieren. Ich finde das schlimm“, so Brandopfer Rainer Bartelt.

Die Stadtverwaltung hat auf diesen Sensationstourismus reagiert und die Groß-Bornhorster-Straße (zwischen Behnenkamp und Große Hamheide) am Mittwoch in Absprache mit der Polizei bis auf Weiteres gesperrt.

„Menschen haben ihr Hab und Gut verloren – und andere kommen und gaffen. Wir appellieren an die Bürger, das zu unterlassen“, so Verkehrsamtsleiter Bernd Müller.

Polizei-Chef Johann Kühme kündigte an, dass der Streifendienst die Sperrung überwachen werde.


Mehr Bilder unter   www.nwzonline.de/fotos-oldenburg 
Ein Spezial unter   www.nwzonline.de/grossbrand-oldenburg 
NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/oldenburg-stadt 

Leserkommentare

Kommentieren Sie diesen Artikel
  Jule1205 28.03.2013, 13:25:40
Wenn der Herr Feuerwehrarzt so lange in der Feuerwehr tätig war, sollte er wissen, wie es läuft...

Für "Opfer" fühlt es sich immer so an, als ob niemand etwas tut und alle 10x so lange brauchen, wie man selbst in gleicher Situation.

Die Feuerwehr hat sicher alles getan, was möglich und nötig war. Eine Versorgung aus dem Bornhorster See herzustellen, ist bei den Temperaturen auch nicht so einfach. Die Benutzung des Hydranten war eine Anfangslösung. Für den Wind konnte die Feuerwehr sicher nichts!

Der Große Bornhostersee ist ca. 800m weit entfernt, der Weg zwischendurch beschwerlich durch Bäume zu erreichen. Der Teich am Fliehweg auch nicht besser zu erreichen. Das dauert alles seine Zeit. Außerdem muß der Druck auf den Rohren auch groß genug sein, dass er an der Löschstelle noch mit genug "Dampf" ankommt. Ganz davon abgesehen, dass bei der Wetterlage im Augenblick Eiswürfel schwer durchs C-Rohr flutschen....

Wenn der Herr Feuerwehrarzt schon so gute, weniger dilittantische Einfälle hat, warum hat er es nicht selbst gemacht. Mit genügend Abstand kann man immer mit dem Finger auf Andere (die sich den Ar.. aufgerissen haben) zeigen.

Ich kann verstehen, dass er am Boden zerstört ist. Er hat alles verloren aber Menschen, die den Job in ihrer Freizeit machen und dann 120% bringen, jetzt auch noch mit Hilfe der Presse in den Dreck zu treten, ist wirklich das Allerletzte!

@ viderenecvideri
Die Feuerwehr sucht immer Leute, die alles gut können. Melden Sie sich doch bitte zur ehrenamtliche Arbeit dort. Bei der äußerst zeitaufwendigen Ausbildung wird Ihnen auch beigebracht, welche Löschmittel bei welchem Brand eingesetzt wird. In der zwischenzeit kann ihnen auch das Internet behilflich sein. Falls ihnen das auch zu viel Arbeit ist, hier schon mal ein klitzekleiner Hinweis:
http://www.gloria-feuerschutz.de/html/schaum.html
  ZwAhner 28.03.2013, 12:56:26
Merke: "Nur wer nichts macht, macht keine Fehler".

Schönen Gruß von einem der über 100 - größtenteils ehrenamtlichen - "Dilettanten", die Sonntag nachmittag im eisigen Wind standen, statt den Tag im Warmen auf dem Sofa zu genießen.
  viderenecvideri 28.03.2013, 10:39:24
Warum hat die Wehr keinen Schaum zum Schutz des Hauses verwendet? Bleibt dieses Löschmittel nicht zum Teil am Objekt haften?

Über den Autor

Rainer Dehmer

Oldenburg
Redaktion Oldenburg
Tel.: 0441 9988 2106
Fax: 0441 9988 2109

Artikel

Mehr zu diesem Thema

Mehr zu ...

Newsletter

Das Team vom NWZonline Newsletter

MONTAGS BIS FREITAGS

die wichtigsten Nachrichten vom Tage in Ihrem Postfach.
article
a6c78948-96d6-11e2-8662-03dc61d6db4e
Unglück
Brandopfer kritisiert Feuerwehr
Die Feuerwehr weist die Kritik zurück. Nach wie vor ist die Brandursache unklar.
http://www.nwzonline.de/oldenburg/blaulicht/brandopfer-kritisiert-feuerwehr_a_3,0,3620726221.html
28.03.2013
http://www.nwzonline.de/rf/image_online/NWZ_CMS/NWZ/2011-2013/Produktion/2013/03/28/OLDENBURG/1/Bilder/OLDENBURG_f16e0a88-6c3d-457f-8354-bb9c91295931--600x265.jpg
Blaulicht,Unglück
Blaulicht

Stadt Oldenburg

Stadtfest Oldenburg

Sonniger Auftakt mit Olympia-Flair

Oldenburg Besser hätten es Veranstalter und Besucher mit dem Wetter kaum treffen können. Bei hochsommerlichen Temperaturen herrscht am Donnerstagabend Riesenandrang an Bühnen und in den Straßen – hier die ersten Bilder und Eindrücke.

Stadtfest Oldenburg Ruhiger Auftakt für die Polizei

Oldenburg 150.000 Menschen tummelten sich am gestrigen Abend bei reichlich Alkohol und heißen Temperaturen auf dem Oldenburger Stadtfest. Keine leichte Aufgabe für die Polizei – doch bis auf wenige Ausnahmen zeigten sich die Besucher von ihrer besten Seite.