Polizei Sucht Dringend Zeugen:
Mehrere Frauen in Oldenburg sexuell belästigt

Eine Zeugin bewies Zivilcourage und stellte sich den jungen Männern am Sonnabend entgegen. Die Polizei ermittelt gegen eine fünfköpfige Gruppe. Ein aggressiver Algerier wurde in Gewahrsam genommen.

Oldenburg Fünf Frauen sind am Sonnabend im Oldenburger Stadtzentrum von mehreren jungen Männern „aggressiv belästigt“ worden, heißt es im Polizeibericht aus dieser Nacht. Zwei 20 und 24 Jahre alte Männer aus Algerien hätten sie intim berührt und schwer beleidigt.

Es war gegen 20.45 Uhr in einer Gaststätte auf der Wallstraße, als die Männer einer Frau an den Busen fassten. Als die Täter kurz darauf das Lokal verlassen wollten, bedrängten sie zwei weitere Frauen am Ausgang, in einer anderen nahegelegenen Kneipe machten sie es ebenso. Eine 31-jährige Oldenburgerin hatte die Szenerie beobachtet und die Polizei gerufen, sich schließlich auch noch gegen die Männer gestellt und sie aufgefordert, die Frauen umgehend in Ruhe zu lassen. Dafür wurde sie von ihnen mit schwersten Beleidigungen konfrontiert, von der Polizei aber später ausdrücklich für ihre Zivilcourage gelobt.

„Einschränkungen für Frauen nicht hinnehmen“, NWZ-Artikel vom 7. Januar 2016

Die Beamten indes konnten die jungen Männer dank des Notrufs noch in unmittelbarer Tatortnähe stellen. Inwieweit drei andere Männer – die offenbar gemeinsam mit den Algeriern unterwegs waren – sich strafbar gemacht haben könnten, ist noch nicht geklärt. Bei der Gruppe handelt es sich um einen 29-jährigen Deutschen aus Wildeshausen, einen 22-jährigen marokkanischen Asylbewerber, der in Leipzig gemeldet ist – und um drei Algerier (18, 20, 24), die in Oldenburger Flüchtlingsunterkünften auf Asyl hoffen. Die Männer waren zum Teil und mit Werten von bis zu 1,61 Promille erheblich alkoholisiert. Zu den Belästigungen wollten sich alle Beteiligten nicht äußern.

Kommentar: Ein neuer Aufschrei

Bei den massiven Belästigungen in der Wallstraße handelt es sich wohl um eine „Beleidigung auf sexueller Grundlage“ – was an sich schon ein Skandal ist. Klar ist aber auch: Sexuelle Belästigung kommt nicht erst mit den Asylbewerbern nach Oldenburg. Ginge es allein um die Pöbelattacken und Grapscher, derer Frauen sich oft genug erwehren müssen, wäre dies – bedauerlicherweise – kaum einer Zeile wert. Der „Aufschrei“, der 2013 über die sozialen Netzwerke den Alltagssexismus öffentlich machte, ist längst verhallt. Nach Köln war nun aber vor Oldenburg. Und die Angst, dass Belästigungen aufgrund anderer kultureller Hintergründe weiter zunehmen, wächst. Deshalb muss die Politik zwei Fragen schnellstens beantworten: Sollte ein Asylbewerber, der andere Menschen jeglicher Nationalität gefährdet, nicht vielleicht doch abgeschoben werden können – auch wenn sein Herkunftsland als nicht sicher gilt? Und: Dürfen sich deutsche Männer im eigenen Land mehr erlauben als Zugereiste? Es gibt noch viel zu klären. So oder so.

Der 20-jährige Algerier musste allerdings „aufgrund seines aggressiven Verhaltens zur Verhinderung weiterer Taten die Nacht in Polizeigewahrsam verbringen“, heißt es. Der Marokkaner wurde von der Bundespolizei in einen Zug nach Leipzig gebracht, der 29-Jährige aus Wildeshausen nach Hause entlassen und die beiden weiteren Algerier ans Kloster Blankenburg übergeben.

Die eigentliche Problematik sei damit nicht gelöst, so Dieter Holzapfel, Präsident des DRK-Landesverbands Oldenburg, auf NWZ -Anfrage am Sonntag: „Aggressive Personen werden nur in andere Unterkünfte gebracht, bleiben aber in der Stadt“. Das DRK betreibt die Notunterkunft in der Mios-Halle in Etzhorn. „Man muss sich darauf einstellen, dass so etwas wieder passiert“, so Holzapfel. Noch am Freitag hätte man sich mit Polizeipräsident Johann Kühme zum Thema ausgetauscht und auf die schwelenden Probleme in den Unterkünften hingewiesen. Der wiederum sagte bereits, dass man „Nulltoleranz bei solchen Übergriffen“ zeige. Gut möglich, dass in der kommenden Woche bei weiteren Gesprächen zwischen Polizei, Sicherheitsdiensten, Betreuern und der Stadt neue Handlungs-Leitfäden formuliert werden.

Bislang hätten sich Probleme in und aus den Unterkünften im Rahmen gehalten – Alkohol, Aggressionen, Provokationen, kleinere Schlägereien. Die Belästigungen am Sonnabend aber waren kein Zufall, sondern bewusst erfolgt, heißt es. Sie werden nun – vor dem Hintergrund der Silvester-Geschehnisse in Köln – für neue Diskussionen bei der Ermittlung, Verfolgung und Prävention von Straftaten sorgen.

„Es gibt Anlass, etwas zu tun“, sagte auch Sozialdezernentin Dagmar Sachse am Sonntag auf NWZ-Anfrage. Die Prävention – ohnehin schon lange Thema in verschiedenen Arbeitsgruppen und Institutionen – erhält nun einen neuen Dringlichkeitsstatus. Nicht nur aufgrund der Asylfrage, sondern auch aus Sorge „vor Nachahmern, auch deutschen Männern“. Weitere Gespräche schließen sich in dieser Woche an, um handlungsmächtig zu werden.

Die Polizei sucht derweil nach Zeuginnen, die die Vorfälle beobachtet haben oder selbst betroffen waren. Sie werden „dringend gebeten“, sich mit der Polizei unter Tel. 0441/7904115 in Verbindung zu setzen.

Leserkommentare

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  susannposnien 29.08.2016, 13:09:25
Gibt es in Oldenburg keine Männer?????

  Oldenburger 15.01.2016, 11:46:34
@ birgit-louise

Die Denkweise vieler Menschen ist mittlerweile auch gewöhnungsbedürftig.
  birgit-louise 14.01.2016, 19:18:19
Der Kommentar ist wieder mal gewöhnungsbedürftig!!
  Oldenburger 13.01.2016, 12:37:39
@ henning.harms

Mich würde doch wirklich interessieren, ob genau diejenigen Personen die sich für Bürgerwehren aussprechen, im realen Leben auch eingreifen wenn etwas passiert.
Welches verfassungsgemäße Grundrecht ist hier eigentlich gemeint?
In Artikel 1 GG steht:
"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."
Bürgerwehren ihrerseits gehören ganz sicher nicht zur staatlichen Gewalt.

  henning.harms 12.01.2016, 12:47:25
Bürgerwehr ist doch keine Selbstjustiz, kein selbsternannter Richter nimmt da das Recht in die eigene Hand und fällt Urteile. Bürgerwehr heisst doch nichts anderes, als dass ein Bürger oder Gruppen von Bürgern ihre verfassunsgmässigen Grundrechte wahrnehmen. Und dazu gehören eben auch das Recht auf Notwehr und auf Nothilfe im Fall eines rechtswidrigen Angriffs auf sich selbst oder auf andere.

Eine Bürgerwehr tut doch genau dasselbe, was man von jedem anständigen Menschen mit Zivilcourage auch erwarten würde. Nämlich einzugreifen und Beistand zu leisten, und zwar bis zum Eintreffen der Polizei, wenn ein anderer Mensch das Opfer einer Straftat wird oder zu werden droht. Wer gegen Bürgerwehren ist, der ist letztendlich auch gegen Zivilvcourage.

Ob man nun aber untätig mit den Händen in der Hosentasche herumsteht und zuschaut, wenn ein anderer überfallen, ausgeraubt, sexuell misshandelt, bestohlen oder zusammengeschlagen wird, oder ob man dann eingreift und Hilfe leistet, das muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden. Und vor allem vor sich selbst und seinem Gewissen moralisch verantworten. Es gibt keine Pflicht zur Zivilcourage, wohl aber ein Recht.

Ich jedenfalls habe weniger Angst vor Bürgerwehren, als vor den gewaltbereiten Straftätern und den tatenlos zusehenden Gaffern.


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Marc Geschonke

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