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Zivilcourage:
Oldenburger verliert nach mutiger Tat seinen Job

Oldenburg Sein vorbildliches Eingreifen hat für einen Taxifahrer unglaubliche Konsequenzen gehabt: Tanju Coruh verhinderte durch seinen beherzten Einsatz, dass ein Mensch totgeprügelt wurde. Während die Polizei den 25-Jährigen für seinen Einsatz in höchsten Tönen lobt, hat sein Arbeitgeber offenbar kein Verständnis für die gute Tat und den damit verbundenen kurzzeitigen Arbeitsausfall. Der Chef eines aufstrebenden größeren Taxiunternehmens aus Ofenerdiek kündigte seinem Mitarbeiter.

Der Vorfall spielte sich, wie erst an diesem Freitag bekannt wurde, bereits am Freitag vergangener Woche ab. Auf dem Parkplatz vor der Flüchtlingsunterkunft am Schützenweg waren gegen 13 Uhr zwei Asylbewerber in Streit geraten. Ein 19-jähriger Marokkaner soll plötzlich mit großer Wucht zugeschlagen haben. Er traf sein Gegenüber, einen 36-jährigen Asylbewerber von der Elfenbeinküste, im Gesicht. Der Westafrikaner fiel zu Boden und verlor das Bewusstsein. Dennoch soll der 19-Jährige danach mehrfach gegen den Kopf des Opfers getreten haben.

In diesem Moment kam Tanju Coruh hinzu. Der 25-jährige gelernte Einzelhandelskaufmann fährt seit einigen Monaten für den Ofenerdieker Betrieb. Als Aushilfsfahrer verdient sich der Oldenburger etwas Geld dazu.

Coruh, der an dem Tag gerade einen Fahrgast beim benachbarten Seniorenzentrum Haarentor abgeliefert hatte, wurde auf die Auseinandersetzung aufmerksam. Er stoppte sein Taxi, stieg aus und mischte sich ein. „Ich schrie den jungen Mann an, dass er aufhören solle“, berichtet Coruh. Tatsächlich ließ der äußerst aggressive Schläger von seinem schwer verletzten Opfer ab und verschwand mit einem zweiten Mann.

Zunächst kümmerte sich der Taxifahrer um den Verletzten. „Der Mann war nicht ansprechbar und blutete aus der Nase“, schildert Coruh seine Eindrücke. Über Notruf alarmierte er die Polizei, dann nahm er die Verfolgung auf. Er sah aber nur noch, wie der Flüchtende vom Schützenweg in eine Seitenstraße einbog.

„Du bist entlassen“

Als kurze Zeit später die Polizei eintraf, war der 25-Jährige Taxifahrer als Zeuge gefragt. Anhand von Bildern konnte er später auch den mutmaßlichen Täter identifizieren. „Zwischendurch meldete sich mehrmals meine Zentrale und drängte, dass ich weitere Touren fahren solle. Das ging aber nicht, weil die Polizei mich zum Amt am Friedhofsweg mitnahm, um ein Protokoll aufzunehmen“, erzählt Coruh den weiteren Fortgang. Als ein Polizeibeamter ihn später zurück zum Schützenweg brachte, erlebten die Männer eine Überraschung. Das auf dem Parkplatz abgestellte Taxi war verschwunden. Diebe waren nicht im Spiel. Der Inhaber des Taxibetriebs hatte das Auto abholen lassen, um es für neue Fahrten einzusetzen.

In Begleitung des Polizisten betrat Tanju Coruh kurz darauf die Taxizentrale in Ofenerdiek. Es sei zu einem Wortgefecht mit dem Firmenchef gekommen. „Ich habe erklärt, dass es um ein versuchtes Tötungsdelikt ging, aber das interessierte meinen Chef nicht. Er sagt: „Du bist entlassen‘“, berichtet Fahrer Coruh. „Natürlich war das für mich ein Schock. Ich habe doch nur meine Pflicht als Bürger getan.“

Für die NWZ  war der Inhaber des Taxibetriebs am Freitag nicht zu sprechen. Auf Anfrage hieß es, der Chef sei erst nächste Woche wieder erreichbar.

Worte fand aber Remmer Witte, Sprecher der Oldenburger Taxifahrer: „Auch bei Unternehmern liegen die Nerven in der Hochsaison manchmal blank. Aber eine solche Entscheidung ist natürlich inakzeptabel und wird auch sicherlich zurückgenommen werden, wenn sich die Gemüter beruhigt haben.“

Polizei ist entsetzt

Polizeisprecher Mathias Kutzner bezeichnete Coruhs Einsatz als ein „herausragendes Beispiel für Zivilcourage“. Über das Verhalten des Taxibetriebs sei die Polizei aber entsetzt.

Der mutmaßliche Schläger konnte an diesem Freitagmorgen von Fahndern der Polizei gefasst werden. Sie verhafteten den 19-Jährigen in der Flüchtlingsunterkunft.

Dem Opfer geht es inzwischen etwas besser. Er hat mehrere Brüche im Gesicht erlitten.

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