Musik:
Ballade schlägt Punk auf Platt

Hamburgerin gewinnt Bandcontest – 400 Besucher in der Kulturetage

Alle Texte wurden auf Plattdeutsch gesungen. Dabei überraschte der musikalische Stilmix.

Oldenburg Der Fetenhit aus dem Emsland rockte ebenso wie die Oldenburger Schkandolmakers mit ihrem „Punk up Platt“. Den stärksten Eindruck bei der Jury hinterließ jedoch das ruhigste Stück. Die Hamburgerin „Mia blüht“ alias Mirjam Blümel gewann das Finale des zweiten plattdeutschen Bandfestivals „Plattsounds“ mit ihrer Pianoballade über die „Lüttje witte Ferrer“ (Kleine weiße Feder). Niedersachsens Kulturministerin Hanna Wanka überreichte ihr die Siegestrophäe.

„Tro di wat, snack platt“: Der Aufforderung kamen die jungen Musiker (Höchstalter: 30 Jahre) alle ohne Berührungsängste nach. Denn sie trauten sich sogar, auf Platt zu singen. Dabei erlebten die 400 Zuschauer in der Kulturetage einen erstaunlichen Stilmix von HipHop über Independent bis Punk. Neun Amateurbands aus Niedersachsen und die spätere Siegerin hatten sich für die Endrunde in Oldenburg qualifiziert.

„Alle zehn Beiträge konnten sich sehen lassen“, lobte Moderator Ludger Abeln, der mit Sängerin Annie Heger durch den Abend führte. Fließend platt zu schnacken, war jedoch keine Voraussetzung für die Teilnahme. Einige Bands ließen sich ihre Stücke übersetzen und trugen sie trotzdem textsicher vor.

Mit Ammerländer Platt aufgewachsen ist hingegen Jens Cramer, Sänger der „Schkandolmakers“. Für einen Skandal sorgten die allerdings nicht, im Gegenteil: Ein halbes Jahr nach Gründung belegten sie einen beachtlichen zweiten Platz. Dass sich gerade junge Menschen dem Plattdeutschen zuwenden, findet Cramer (25) nicht ungewöhnlich: „Es ist eine sehr direkte Sprache. Viele Dinge lassen sich damit besser auf den Punkt bringen.“

Das ist auch Veranstalter Thorsten Börnsen aufgefallen: „Jugendliche gehen weniger ängstlich an die Sache heran. Sie singen hier keine Volkslieder, sondern trauen sich, mit der Sprache zu experimentieren.“ Davon zeigte sich auch der Präsident der Oldenburgischen Landschaft, Thomas Kossendey, beeindruckt: „Oldenburg ist heute Abend Plattdeutsch-Hochburg.“

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