Geschichte:
Fast vergessene Ansichten der Innenstadt

Bereich neben Schloss oft verändert – Verein Werkstattfilm dreht Dokumentation

Den Filmemachern liegt Material bis ins Jahr 1900 vor. Dennoch suchen sie weitere Aufnahmen aus dem Stadtalltag.

OLDENBURG Er ist (neben dem Markt) der zentrale Bereich Oldenburgs schlechthin – und er ist vielleicht gerade deshalb in den vergangenen 100 Jahren größeren Veränderungen unterworfen worden als jedes andere Areal der Innenstadt. Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass der Schlossplatz und sein direktes Umfeld trotz aller Modernismen ein gewisses Maß an historischer Würde bewahrt hat.

Eine sicherlich diskutable These, die demnächst aber an bewegten Bildern bestätigt oder auch widerlegt werden kann. Denn der Schlossplatz und seine Umgebung ist das Objekt der neuesten Arbeit für den Verein Werkstattfilm: „Die geteilte Stadt“ nennt Regisseur Farschid Ali Zahedi seinen Dokumentarfilm über diesen innerstädtischen Bereich, der auch schon mal als „gute Stube Oldenburgs“ durchgeht.

4500 Fotos und 160 Stunden Film – die Materialbasis für die Dokumentation ist groß und reicht zurück bis ins Jahr 1900. „Wir können aber noch mehr gebrauchen“, meint Zahedi. „Vor allem Amateuraufnahmen vom alltäglichen Leben vor dem Schloss sind für uns sehr interessant.“

Im Mittelpunkt des neuen Projekts – dessen Titel durchaus mehrdeutig verstanden werden darf – steht zurzeit eine Fleißarbeit des Regisseurs. Mit Beginn des Abrisses des Hallenbads Berliner Platz vor etwa drei Jahren bis zum Tag der Eröffnung des Einkaufscenters „Schlosshöfe“ am vergangenen Mittwoch hat Zahedi jeden Tag ein Foto gemacht – immer aus einem Zimmer des oberen Stockwerks des Schlosses heraus, immer Richtung Norden. „Ein Zeitraffer des Abbruchs und Neubaus entsteht aus den Einzelfotos“, erklärt er. „So eine langfristige Beobachtung eines Objekts bringt zahlreiche Details an den Tag, die man sonst schnell übersieht.“

Der Bau des Einkaufscenters steht quasi stellvertretend für alle Veränderungen dieses Innenstadt-Teils. Schließlich standen hier in früheren Zeiten noch Wohnhäuser (Mühlenstraße) und stand hier der Marstall, der fürstliche Stallbau, in dem zeitweilig das Oldenburger Arbeitsamt untergebracht war – und das Ende der 1950er Jahre keine Chance hatte gegen die Abrissbirne der Hallenbad-Erbauer. Im Grunde haben nur das Schloss und die Schlosswache allen Stadtumbauten der Neuzeit widerstanden.

Die filmische Langzeitstudie über den städtischen Wandel rund um das Schloss soll, so Zahedi, „die Veränderungen für zukünftige Generationen festhalten“. Ob diese Generationen allerdings auch in den Genuss des Films kommen und ihn sehen werden, ist offen. „Mit den 7500 Euro, die der Verein Werkstattfilm jährlich als Förderung von der Stadt erhält, ist das Projekt nicht zu finanzieren“, sagt Zahedi. Folge: Das Dokument verschwindet in den Archiven des Vereins – so ähnlich wie Marstall und Hallenbad aus der Innenstadt verschwunden sind.

Weitere Infos zum Film und zu der Langzeitstudie beim Verein Werkstattfilm unter Tel. 12180.

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Klaus Fricke


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Fast vergessene Ansichten der Innenstadt
Den Filmemachern liegt Material bis ins Jahr 1900 vor. Dennoch suchen sie weitere Aufnahmen aus dem Stadtalltag.
http://www.nwzonline.de/oldenburg/kultur/fast-vergessene-ansichten-der-innenstadt_a_1,0,638108213.html
19.03.2011
http://www.nwzonline.de/rf/image_online/NWZ_CMS/NWZ/Altdaten/2011/03/19/OLDENBURG/2/Bilder/OLDENBURG_9f63244a-a089-47ff-9573-89244b7d65a1-006_c8_2564667.jpg
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