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„Wir wollen         so genau wie möglich sein“

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Justizdrama „terror“ In Oldenburg:
„Wir wollen so genau wie möglich sein“

Oldenburg Am Richtertisch blüht der Flachs: „Könnt’ Ihr jetzt mal in die Kamera gucken? Sonst gibt’s eine einstweilige Verfügung!“, droht Schauspieler Matthias Kleinert seinen Kollegen Franziska Werner, Leander Lichti und Yassin Trabelsi. Das Quartett steht in einem Verhandlungssaal des Landgerichts Oldenburg und lässt sich von Theaterfotograf Stephan Walzl ablichten.

Roben geborgt

Matthias Kleinert spielt den Vorsitzenden Richter in Ferdinand von Schirachs vielbeachtetem Justizdrama „Terror“, das am Oldenburgischen Staatstheater am 20. Februar Premiere feiert. Er trägt ebenso wie Franziska Werner, die die Staatsanwältin verkörpert, und „Verteidiger“ Leander Lichti schwarze Roben, die sich die Schauspieler vom Richter am Schwurgericht, Frederik Franz, „geborgt“ haben. „Ihr seht aus wie Roben-Models“, grinst Dramaturg Jonas Hennicke. Yassin Trabelsi steckt derweil in der dunkelblauen Uniform eines Luftwaffen-Majors. Er spielt den Bundeswehr-Kampfpiloten Lars Koch, der sich in dem fiktiven Stück für den Abschuss eines von Terroristen entführten Flugzeugs mit 164 Passagieren verantworten muss, bevor es auf ein mit 70. 000 Menschen besetztes Fußballstadion stürzen konnte.

Heute Karten für Öffentliche Probe

Das Justizdrama „Terror“ von Bestsellerautor Ferdinand von Schirach gilt als das Bühnenstück der Saison. In OIdenburg feiert es am Staatstheater am 20. Februar Premiere. Es gibt noch wenige Restkarten.

Eine öffentliche Probe findet am Freitag, 12. Februar, ab 19.30 Uhr im Oberlandesgericht (Richard-Wagner-Platz 1) statt. Der Eintritt ist frei. Es steht nur eine begrenzte Anzahl von Sitzplätzen zur Verfügung, so dass im Vorfeld Einlasskarten vergeben werden. Interessierte erhalten Karten (pro Person maximal zwei) an diesem Dienstag, 2. Februar, ab 12 Uhr im Oberlandesgericht.

Auf die Inszenierung bereitet sich das Ensemble unter der Regie von Oberspielleiter Peter Hailer akribisch vor. „Wir wollen so genau sein wie möglich“, betont Hennicke. Zwei Verhandlungstage in einem Prozess wegen Totschlags haben die Schauspieler am Landgericht besucht. „Es ging darum, sich von Klischees, die man aus pseudo-dokumentarischen Gerichtsshows à la Barbara Salesch im Kopf hat, zu lösen“, erläutert der Dramaturg. Zwar seien Formulierungen, die Autor Ferdinand von Schirach, selber Strafverteidiger, verwendet, authentisch. „Dennoch haben wir hier sehr viel über den Duktus der Sprache vor Gericht gelernt“, betont Hennicke.

Am Donnerstag geht die Vorbereitung weiter: Das „Terror“-Ensemble besucht den Luftwaffenstützpunkt Wittmund. Von dort aus startet die so genannte Alarmrotte mit Abfangjägern, die bei Luftraumverletzungen oder anderen schwerwiegenden Zwischenfällen wie Flugzeugentführungen eingesetzt werden.

Kein Richterhammer

Richter Frederik Franz freut sich über „das große Interesse und die gewissenhafte Vorbereitung“ des Ensembles. Er steht als Ansprechpartner für Fragen zur Verfügung. So nahm Franz den Theaterleuten die Illusion, dass Richter ihr Urteil per Hammerschlag verkünden: „Das gibt’s hier nicht.“ Für Hennicke gab es zahlreiche „spannende“ Details zu entdecken: Zum Beispiel, dass nur der Richter eine Robe mit Samtkragen trägt, die Anwälte hingegen am Seidenkragen zu erkennen sind. Das wird nun die Kostümabteilung des Theaters umzusetzen haben. Außerdem hat der Dramaturg den „Grundsatz der Mündlichkeit“ kennen gelernt. „Nur der mündlich vorgetragene Prozessstoff darf in der Hauptverhandlung dem Urteil zugrunde gelegt werden“, informiert Richter Franz.

Das wird auch für die Zuschauer von Bedeutung sein: Denn sie werden über Schuld oder Unschuld urteilen. In welcher Form das geschieht, ist noch offen – das gilt sowohl für die öffentliche Probe am 12. Februar im Oberlandesgericht als auch für die Aufführungen ab 20. Februar im Großen Haus des Staatstheaters. Es gibt Schauspielhäuser, die das Publikum per Knopfdruck, per Handzeichen oder per „Hammelsprung“ (die Zuschauer verlassen den Saal und kehren durch die als „schuldig“ oder „unschuldig“ markierten Eingänge zurück) entscheiden lassen. „Wir diskutieren das noch“, sagt Dramaturg Jonas Hennicke. Es bleibt also spannend.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/oldenburg-stadt 
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