Fachtagung:
Frauen haben oft Schlüsselrollen

Weibliche Aktivitäten im

Rechtsextremismus häufig unterschätzt

Oldenburg Das Thema Rechtsextremismus gilt als vorwiegend männlich besetzt. Die Rolle der Frauen in diesen Kreisen wird oft vernachlässigt oder gar unterschätzt, lautete die Quintessenz der Fachtagung „Frauen im Rechtsextremismus“, einer vom Land geförderten Kooperation der Stadt und des Zentrums für demokratische Bildung (ZDB). 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedener Berufe begrüßte Gleichstellungsbeauftragte Wiebke Oncken im PFL. In Workshops ging es um (weiblichen) Rassismus in der Jugendarbeit, Kennzeichen rechtsextremer Frauengruppierungen und um die Unterschätzung rechtsextremer Frauen.

Strategien vorgestellt

„Frauen gelten gemeinhin als friedfertiger und weniger gewalttätig als Männer“, schilderte Janna Petersen von der „Lola für Demokratie“, einem Projekt der Amadeu-Antonio-Stiftung aus Mecklenburg-Vorpommern. Sie gab Einblick in Strategien, die Frauen des rechtsextremen Spektrums nutzen, um ihre Ideologie in Nachbarschaften, Vereinen und im Erziehungs- und Bildungswesen zu verwurzeln.

Dass die Rolle der Frau im Rechtsextremismus unterschätzt wird, zeigte Petersen am Beispiel Beate Zschäpes. Sie sei im Zuge des NSU-Prozesses in den Medien zunächst als „mundlose Mitläuferin“ dargestellt und bei den Polizeiermittlungen erst viel später als Schlüsselfigur der Terrorzelle erkannt worden.

Frauen des rechtsgesinnten Spektrums organisieren sich oft in Gruppen, so Petersen. In der Lüneburger Heide sind zum Beispiel die „Düütschen Deerns“ aktiv. Als weiteres Beispiel nannte Petersen den Ring Nationaler Frauen (RNF), der als Sprachrohr der NPD-Frauen fungiert. Die meisten Gruppen vertreten, so Petersen, ein traditionelles Frauenbild, das mit Biologismen begründet und symbolisch eng an die Mutterrolle gekoppelt werde. Auf der anderen Seite stünden Frauen, die politisch mitmischten und sich an Demonstrationen beteiligten.

Rechtsextreme würden oft durch Frauen den Weg in die Gesellschaft suchen. Petersen nannte Beispiele von Frauen, die im sozialen und ehrenamtlichen Bereichen tätig waren und lange unentdeckt blieben. Ricarda Riefling, seit 2014 Vorsitzende des RNF, war etwa bis zum Bekanntwerden ihrer politischen Gesinnung im Jahr 2007 ehrenamtliche Schwimmlehrerin.

Nicht wegsehen

Eine Oldenburger Hebamme wollte wissen: „Was soll ich tun, um nicht in eine Schockstarre zu fallen, wenn ich am Arbeitsplatz mit Rechtsextremismus konfrontiert werde?“ Petersen schlug vor, dass Institutionen Regeln in ihren Leitbildern verankern sollten, die Fremdenfeindlichkeit ausschließen. Auf jeden Fall solle gehandelt und nicht weggesehen werden.

Leserkommentare

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  lipifreund 09.10.2015, 20:06:47
... schließen sich Fachtagungen über Linksextremisten und IS-Terroristen an ?
In den gerade beunruhigenden Zeiten, die sich rasant verschlimmern, wäre eine solche und umfassende Aufklärung über Terroraktionen extrem wichtig - von engagierten Frauen für alle ! - Barbara Klebinger

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