Zuweisung Vom Land Erhöht:
Fünfmal mehr Flüchtlinge für Oldenburg

Hundert Menschen pro Woche wird das Land ab Februar nach Oldenburg schicken. Mitte 2015 waren es wöchentlich noch 20 Zuweisungen. Die Unterkünfte sind bereits jetzt voll. Der Stadt läuft die Zeit davon.

Oldenburg Die aktualisierten Zuweisungszahlen des Landes stellen die Stadt vor weitere Probleme. Trotz der Berücksichtigung von hiesigen Erstaufnahmeeinrichtungen und Notunterkünften verbleibt für Oldenburg eine Aufnahmeverpflichtung von insgesamt 980 Personen bis Ende März.

Nachdem die Stadt in den vergangenen Wochen dank intensiver Verhandlungen mit dem Land von einzelnen Zuweisungen entbunden wurde und zumindest „etwas Luft holen“ konnte, wie Sozialdezernentin Dagmar Sachse sagt, steht die nächste Zuweisungsrunde nun aber bevor: Ab dem 9. Februar werden bis auf Weiteres 100 Personen in der Stadt erwartet – und das wöchentlich. Vor einem halben Jahr waren es alle sieben Tage noch zwanzig Zuweisungen. „Die Zahlen sind unvermindert hoch“, hieß es damals noch vor dem Bezug der ersten Notunterkunft am Fliegerhorst. Da war allerdings kaum abzusehen, in welch prekärer Situation sich Oldenburg Anfang 2016 befinden könnte. Längst wird nicht mehr beschwichtigt. Sachse: „Je mehr Menschen wir aufnehmen, desto mehr kann das an der ein oder anderen Stelle zu Einschränkungen führen.“

Kommentar: Wir müssen es tragen

Wir schaffen das, macht die Kanzlerin Mut. Viele Bürger zweifeln daran. Doch die Frage ist nicht mehr, ob wir das schaffen, sondern nur noch: wie. Denn die Flüchtlinge sind hier. Tausende. Und es werden mehr. Ab Mitte Februar kommen wöchentlich 100 Flüchtlinge neu in die Stadt, Menschen, die eine Wohnung suchen, Deutsch lernen müssen und Arbeit suchen. Sie brauchen einen Arzt, die Kinder gehen zur Schule und natürlich wollen sie in einer vollkommen fremden Welt Fuß fassen.

Das geht nicht von selbst. Sie brauchen Unterstützung. Viele Bürger in Oldenburg helfen. Sie geben Geld und Zeit und Zuwendung. Behördenmitarbeiter arbeiten am Rande ihrer Kapazitäten, Rettungsdienste, Wohlfahrtsverbände und die Polizei ebenfalls. Der vielfältige Einsatz ist bewundernswert und sollte in der politischen Diskussion über die richtige Flüchtlingspolitik nicht zerredet werden. Er ist Ausdruck einer starken Zivilgesellschaft. Aber die hält auch nicht alles aus.

Wenn jetzt noch mehr Flüchtlinge kommen – und sie werden kommen – dann muss die Hilfe professionalisiert werden. Wir brauchen bessere Strukturen, mehr Personal und Wohnungen. Das wird viel Geld kosten. Steuergeld. Auch das Geld der Oldenburger.

Stellen wir uns darauf ein. Es lohnt sich. Und: Wir schaffen das.

Sollte der Zuzug so bleiben, müsste die Stadt 2500 bis 3000 Personen in diesem Jahr aufnehmen, so Sachse vor dem Sozialausschuss am Dienstagabend. 75 Prozent aller hiesigen Asylbewerber kämen laut städtischer Statistik aus dem Irak und aus Syrien – damit aus unsicheren Herkunftsländern. Ihre Anerkennung ist damit sehr wahrscheinlich, der Nachzug ihrer Familien ebenso. Daraus ergibt sich das nächste Problem. Denn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat die Bearbeitungszeiten der Asylanträge verkürzt, die Anerkennungsquote ist damit angestiegen. Fast 300 Personen hätten hier aktuell einen Aufenthaltstitel, die meisten aber noch keinen entsprechenden Wohnraum gefunden und verblieben so in den kommunalen Unterkünften (NWZ  berichtete). „Unsere Unterbringungsmöglichkeiten sind ausgeschöpft“, so Sachse. Die Containeranlagen Adenauerallee und Kolckwiese sind zwar bald bezugsfertig, der Bau am Pophankenweg jedoch erst ab September. Immerhin: Weil die Stadt im Februar aus der Amtshilfe für das Land entlassen wird, kann die Tennishalle des Post SV dann zur Unterbringung von zugewiesenen Flüchtlingen genutzt werden, wie es heißt. Es ist angesichts der kommenden Zuweisungen der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Die Umwidmung von Sporthallen solle trotzdem weiterhin vermieden werden. Stattdessen rückten mehr Gewerbehallen in den Fokus der Stadt. Angebote würden geprüft. Ein Bezug sei dann aber auch erst nach zeitintensiven Umbauten möglich. Zeit, die der Stadt fehlt.

„Unter Hochdruck“ würden „mit zusätzlichen Köpfen“ alle Möglichkeiten im Stadtgebiet ausgelotet – dafür bräuchte man allerdings auch „mehr Kreativität als bisher“.

Leserkommentare

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  Oldenburger 29.01.2016, 13:24:52
@ Oldenbursche

Wenn es keine Wohncontainer sind, lassen sich allerdings recht zügig Wohnbaracken aus Holz aufbauen. Das sollte nun wirklich kein Problem sein - man muss es eben nur wollen.
Holz gibt es satt, Zimmereien und Bautischlereien gibt es auch genug, die dann mit beauftragt werden können.
Das ist den verantwortlichen aber sicher zu teuer, womit der eigentliche Grund wohl ausgemacht ist.
  Oldenburger 29.01.2016, 13:15:17
@ Tollpatsch

Nehmen sie doch einfach mal den Duden zu Hilfe.
Diese Grüne Weltverbesserungspolitik hilft uns leider in keiner Weise weiter.
Sie wissen offenbar nicht einmal - oder ignorieren es einfach - das es in Städten schon eigene kleine "Städte" gibt.
Diese "eigenen" Stadtteile zeigen sehr deutlich, das keine Integration stattfindet.
  wechloy2 28.01.2016, 18:48:30
Warum soll die Stadt die Kosten tragen und das Personal stellen? Auch in Bezug zum Familiennachzug
Es ist doch Bundes(kanzlerin) Sache, also der Bund zahlt usw.

Und was ist mit den Obdachlosen(innen) und Sozialhelfeempfängerinnen? Werde die Gleich behandelt, zb bei der Wohnungssuche?
Ich werde am Wochenende eine Sozial bedürftige Person unterstützen, weil die Behörde, wohl total überlastet ist und fernmündlich nie zu erreichen ist.

Das ist für mich ein Zeichen, das es nicht zu schaffen ist. Und was ist mit dem jetzt
schon Überlasteten Personal , da muss sich doch auch mal erholen und nicht immer Überstunden machen?

  Wellenbinder 28.01.2016, 16:34:53
Fragen:

Wer wird die imensen Neuzugänge betreuen? Die Hilfsorganisationen arbeiten jetzt schon am Limit!

Verwaltung: Mit welchem Personal will die Stadtverwaltung ihre zusätzlichen organisatorischen Pflichten noch wuppen?

Kinder: Gibt es auf dem freien Markt überhaupt noch genügend Lehrer die man zusätzlich einstellen könnte?

Integration: Gibt der Oldenburger Arbeitsmarkt die Eingliederung so großer Neuzugänge her?

Und zuletzt: Was kommt nach den Turnhallen? Die Zuwanderung kann noch Jahrzehnte andauern!

Das schaffen wir nie! Keiner schafft das!
  dieanderemeinung 28.01.2016, 13:22:21
An den Kommentarenzum Artikel lässt sich hervorragend das Problem in der Diskussion um Flüchtlinge ablesen:

Statt zu überlegen, warum nach Rechnung derStadt
100*50*4 = "2000 -3.000" ist ( siehe mein Kommentar von 8.34 Uhr ) wird hier über Definitionen gestritten und darüber ob Amerika vor 200 Jahren eine Steppe war, oder nicht.

Statt sich mit der Wahrheit über Flüchtlinge auseinanderzusetzen ist es halt einfacher, sich mit Wortklaubereien zu beschäftigen....


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Marc Geschonke

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