Einbürgerungsurkunde Für Oldenburger:
Martin Qassemi ist jetzt Deutscher

Nun kann Martin Qassemi endlich durchstarten: Sein Abitur hat der 22-Jährige mittlerweile in der Tasche – und eine Bewerbung ist auch schon raus. Das Besondere: Qassemis Wunscharbeitgeber ist alles andere als 08/15.

Oldenburg Ein Büro im ersten Stock des Rathauses am Pferdemarkt, Raum 108a. An der Wand eine schwarz-rot-goldene Flagge mit Bundesadler sowie ein Porträt des Bundespräsidenten. Für die meisten bloß ein Zahnrad im Bürokratieapparat. Für Martin Qassemi indes beginnt hier am Donnerstag ein neues Leben. Der 22-Jährige wird nach langem Ringen endlich eingebürgert. „Ich habe endlich eine Heimat, ein Zuhause“, freute sich Qassemi im Gespräch mit der NWZ .

Begleitet wird er von seiner Familie und seiner Anwältin. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Stephan Albani hat seine Ehefrau Angela als Vertreterin geschickt – er selbst ist durch Sitzungen des Bundestages in Berlin gebunden. Viele Mitstreiter haben an dem komplizierten Prozess der Einbürgerung mitgewirkt. Der stockte vor allem daran, dass Qassemi, der Flüchtling aus Afghanistan, seinen Nachnamen nicht nachweisen konnte und die Behörde keinen Ermessensspielraum sah.

Nachdem die NWZ berichtete, bekam der Fall bundesweit Aufmerksamkeit, unter anderem durch eine Internet-Petition mit mehr als 100 000 Unterstützern. Ende Juni dann die Wende, als der afghanische Botschafter in Berlin überraschend eine Geburtsurkunde ausstellte ( NWZ berichtete). Die war Voraussetzung für die Einbürgerung.

Nach ein paar Minuten huscht Mutter Ruth Bensmail im Rathaus am Pferdemarkt aus dem Büro zum Kassenautomaten. 255 Euro Gebühren kostet die Einbürgerung – Personalausweis nicht eingeschlossen. Kurz darauf Applaus, Umarmungen.

Seine erste Tat als hiesiger Staatsbürger: Wartemarke ziehen beim Bürgeramt, Buchstaben P bis Z, Wartebereich C. Schließlich braucht Qassemi einen Personalausweis für seine Pläne. Das Abitur hatte er einen Tag zuvor bestanden.

Im Sommer will der 22-Jährige in den Bremer Mercedes-Werken ein bisschen Geld verdienen, dann ein paar Monate in England seine Sprachkenntnisse verbessern. Die Bewerbung beim Bundeskriminalamt für 2016 ist raus.

Dann plötzlich Aufregung. Auf der Einbürgerungsurkunde wurde statt des Geburtsorts die afghanische Provinz eingetragen. Doch kein Personalausweis? Die Familie stöhnt auf, doch die Sachbearbeiterin kann das Problem auf dem kleinen Dienstweg lösen. Der großen Familienfeier steht damit nichts mehr im Wege.

Leserkommentare

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  hardygross 03.07.2015, 10:04:09
Liebe NWZ
Jetzt wo es der Martin endlich geschafft hat Deutscher zu werden, solltet Ihr dem Jungen auch mal Zeit zum Durchatmen lassen.
Die Wirren der Flucht mit anschließender Einbürgerung, Bundestagsabgeordnete, die sich für ihn eingesetzt haben, das Abi, jetzt England, die Bewerbung beim BKA usw., sind für einen 22 Jährigen irgendwann auch Stress genug.
Bevor der Kerle weiterhin öffentlich verheizt wird nach bundesweit gefühlten 100 Artikeln in nur wenigen Wochen, solltet Ihr ihn lieber mal aus dem Rampenlicht nehmen und endlich mal leben lassen wie jeden anderen jungen Mann auch.
Ich glaube, das hat er sich auch verdient!
Dem Martin wünsche ich auf jeden Fall alles Gute für die Zukunft.

Hardy Groß, Friesoythe

Über den Autor

Patrick Buck

Volontär
NWZ-Redaktion
Tel.: 0441 9988 2003
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