Protestradfahrer:
Oldenburgs kritische Masse

Radler behindern nicht den Verkehr, sie sind der Verkehr, so erklärt ein Teilnehmer der Radfahrergruppe „critical mass“ die Aktion, die ein Mal im Monat stattfindet. Dann erobern hunderte von ihnen die Fahrbahnen der Stadt mit Rädern und lauter Musik.

Oldenburg Zuerst hört man nur laute Musik – und dann sieht man Hunderte Radler. Sie erobern die Fahrbahnen für sich und bremsen selbstbewusst Autos aus. An diesem Freitag sind besonders viele Lastenräder am Julius-Mosen-Platz mit von der Partie, denn das über Facebook ausgegeben Motto für diesen Freitag lautet: „Lust auf Last“.

Die Gruppe variiert das Motto: Zu Weihnachten etwa werden die Räder mit Leuchtbändern und anderen Dekorationen gepimpt.

Am vergangenen Freitag führte die Tour um die Innenstadt herum über die Alexanderstraße und Nadorster Straße ins Ziegelhofviertel. „Unterwegs schlossen sich immer wieder Radfahrer an“, berichtete Michael Olsen am späteren Freitagabend.

Die Gruppe bezeichnet sich selbst als große kritische Masse (daher englisch: Critical Mass), trifft sich an jedem letzten Freitag des Monats um 18.30 Uhr vor dem Bahnhof und erobert sich die Straße zurück.

Rund 300 Radfahrer sind nach Angaben der Polizei im Schnitt mit von der Partie, so auch an diesem Freitag. Sie wollen durch die monatliche Aktion darauf aufmerksam machen, dass sie ebenso Teil des Straßenverkehrs sind wie Autos oder Motorräder. Und das geht am besten in der Gruppe.

„Wohin die Tour durch Oldenburg führt, entscheidet derjenige, der vorne fährt“, erklärte Olsen weiter. Das Treffen komme in jedem Fall spontan zustande.

Kritik werde mit der Aktion am bestehenden Verkehrssystem geübt, das Radfahrer benachteilige. Radfahrer seien als Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt, würden aber an den Rand gedrängt. „Radler behindern nicht den Verkehr, sie sind der Verkehr“, sagt Olsen. 50 Prozent aller Fahrten mit den Autos seien kürzer als vier Kilometer. Das Rad sei deshalb eine gute umweltfreundliche Alternative, zumal Räder deutlich weniger Platz als Autos einnähmen.

Zwar gelte Oldenburg als radfahrerfreundliche Stadt, doch würden die Radler durch Regelungen benachteiligt. Mit Autofahrern komme es daher zwangsläufig zu Konflikten.

„Wir sind keine Demonstration, wir praktizieren demonstratives Radfahren", erklärten die überzeugten Radfahrer. Politisch sei die „kritische Masse“ völlig unabhängig. Die Teilnehmerinen und Teilnehmer der Ausfahrten kämen aus allen sozialen Schichten – vom Anzugträger über den alternativen Studenten bis hin zum Rentner.

Vor allem ist die Ausfahrt von Critical Mass an den Freitagabenden auch Kontaktbörse. „Man lernt sich kennen, kommt ins Gespräch, trifft sich anschließend in einer Kneipe“, weiß ein Teilnehmer. „In Oldenburg entwickelt sich eine echte Fahrradszene.“

Übrigens: Wenn 16 und mehr Radfahrer gemeinsam unterwegs sind, gelten sie als Verband. Die Radler machen sich dabei den Paragrafen 27 Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung zu Nutze.

Wenn die Radfahrer einen geschlossenen Verband bilden, dürfen sie auf der Straße fahren und gelten, von der Spitze bis zum Ende, als ein ein Fahrzeug.

„Die Radwegebenutzungspflicht entfällt, und nachfolgende Radfahrer dürfen eine Ampelkreuzung überqueren, auch wenn die Ampel auf Rot gesprungen ist“, bestätigt die Polizei.

Nach der Rundtour feierten die Radfahrer bei der Universität vor der Mensa am Campus-Gelände der Uni am Uhlhornsweg die sogenannte „After-Mass“.


Mehr Bilder unter   www.nwzonline.de/fotos-oldenburg 
Mehr Infos unter   www.critical-mass-oldenburg.de 
     www.facebook.com/critical mass oldenburg 

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