Erfolg Für Den Oldenburger:
Qassemi wird jetzt Deutscher

Ein Anruf in Kabul bringt die Identitätsklärung auf den Weg. Der afghanische Botschafter beglaubigt die Geburtsurkunde des 22-Jährigen. Nun steht der Einbürgerung nichts mehr im Wege.

OldenburgEin Leben ohne Name ist ein Leben ohne Sinn. Nun hat Martin Qassemi beides. Am Mittwochmittag beglaubigte Hamid Sidig, afghanischer Botschafter in Berlin, die Geburtsurkunde des 22-Jährigen – und ermöglichte ihm so eine Selbstfindung der besonderen Art.

Der Besuch in Berlin war emotionaler Höhepunkt und zugleich der Schlussstrich einer mehr als einjährigen Behörden- und Identitätsodyssee des jungen Flüchtlings (NWZ  berichtete). Gemeinsam mit seiner deutschen Mutter Ruth Bensmail, der Büroleitung des Bundestagsabgeordneten Stephan Albani sowie Gregor Hackmack, Deutschlandchef der Petitionsplattform „Change.org“, wagte sich Qassemi trotz größter Sicherheitsbedenken in die afghanische Botschaft. Hier wollte er sich, wie von der Oldenburger Ausländerbehörde gefordert, seinen Nachnamen bestätigen lassen.

Die Chancen waren gering, um so größer aber dann der „halbe Felsen“, der Bensmail vom Herzen fiel, wie sie kurz nach der Beglaubigung sagte. Ein halber Felsen nur, da sie weiterhin Angst habe, dass sich die Behörden „noch etwas einfallen lassen“. Davon ist aber nicht auszugehen. Wie die Stadt schon mehrfach verlauten ließ, stünde der Einbürgerung nichts mehr im Wege, wenn alle rechtlichen Möglichkeiten zur Identitätsfindung genutzt seien. Dies ist nun wohl der Fall. Die Bestätigung von Qassemis Namen, die der Botschafter mit einem Anruf in Kabul klärte, war das letzte fehlende Puzzleteil. Erleichtert sei er, sagte der 22-Jährige am Nachmittag, „es ist ein wahnsinniges Gefühl, als Person anerkannt zu werden“.

Wann die Einbürgerung in die Tat umgesetzt wird, ist noch unklar. Ob es nun Juli oder November wird, genießt erstmal keine Priorität. Beim Neubürgerempfang der Stadt im Dezember wird Qassemi aber sicherlich mit dabei sein.

Es dürfte künftig deutlich ruhiger um seine Person werden, was wohl allen Parteien gelegen kommt. Die mehr als 108.000 nominellen Unterstützer auf der Internetseite „Change.org“ haben mit ihren Unterschrifts- und Fotoaktionen Qassemis Ziel erreicht. „Nun bleibt zu hoffen, dass man ihm auch in Oldenburg weiterhilft und seinem Einbürgerungsantrag endlich stattgibt“, so Stephan Albani abschließend.

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25.06.2015
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