Sozialverband Und Gsg Streiten:
Wurde Rentner in Oldenburg zum Umzug gezwungen?

Nach einem Schlaganfall kommt Herbert Funk nicht mehr problemlos in seine Wohnung. Die GSG bot dem Oldenburger eine neue Wohnung an. Der Verbands-Sprecher greift GSG-Chef Könner nun persönlich an. Der sagt: „Völlig aus der Luft gegriffen.“

Oldenburg Streit um den Eingang eines GSG-Hauses am Rigaer Weg: Der Sozialverband Deutschland (SoVD) wirft der GSG vor, dass das Unternehmen Mieter Herbert Funk (78) keine Rampe baut, damit der durch einen Schlaganfall eingeschränkte Mann problemlos in seine Wohnung kommt. Dabei habe dessen Sohn sogar angeboten, alle über den Beitrag der Pflegekasse hinausgehenden Kosten zu übernehmen. Stattdessen „wolle man ihn zu einem Umzug zwingen.“

GSG wehrt sich

GSG-Chef Stefan Könner weist die Vorwürfe zurück: Alles Machbare sei getan worden. Es seien Stufen ausgetauscht worden – nach geltenden Normen –, ein abschließbarer Unterstand für den Rollator geschaffen und Handläufe angebracht. Alles abgesprochen mit den Kindern Funks und einem Architekten. Mehr lasse die Konstruktion des Zugangs zu der Souterrainwohnung nicht zu. Deswegen habe man dem Mieter in der Nachbarschaft eine barrierefreie Wohnung angeboten, die dieser aber ausgeschlagen habe.

Der Pressesprecher des SoVD-Niedersachsen, Matthias Büschking, machte den Fall Funk in dieser Woche auf Facebook öffentlich. Anfang April wird der Artikel, der der NWZ  vorliegt, in der Verbandszeitschrift erscheinen. Und das in scharfem Ton: Die GSG zwinge den Mann zum Umzug, lasse einen behindertengerechten Umbau nicht zu, obwohl der Sohn Funks die Kosten übernehmen wolle – und Büschking lässt den Leser an seiner Sicht des GSG-Geschäftsführers teilhaben: Der sei am Telefon „allzu aufgebracht“ gewesen, „empört“ und „wenig vergnüglich“. Die GSG, so Büschkings Resümee, lege dem SoVD-Mitglied Funk Steine in den Weg, der doch nur in seiner gewohnten Umgebung bleiben wolle. Zudem seien die neuen Stufen zu glatt.

Andere Wahrnehmungen

„Das werden wir natürlich beheben, wenn das der Fall ist. Da es sich aber um ein übliches und normiertes Bauteil handelt, können wir uns das aber kaum vorstellen“, sagt Könner, der das Telefonat mit Büschking auch in Erinnerung hat – doch etwas anders. „Ich sollte zugeben, dass die GSG einen Fehler gemacht hat“, habe Büschking gefordert – sonst werde der andere Medien einschalten. In dem SoVD-Artikel schreibt Büschking dazu: Er könne sich die „allzu aufgebrachte Reaktion“ nur mit einem „ausgeprägt schlechten Gewissen“ erklären. Dass der Verband die Interessen seiner Mitglieder mit eigenen Medien oder Medienpartnern vor Ort vertrete – „das ist doch ganz normal“, so der Sprecher des Verbands.

Könner dazu: „Da mich bei unserer Arbeit in erster Linie unsere Mieter interessieren, ist es nicht zielführend, auf Herrn Büschkings Spekulationen und Behauptungen zu reagieren.“ Stehen lassen möchte er aber nicht, dass die GSG einen Umzug von Herrn Funk verlangt hätte.

„Aus der Luft gegriffen“

Das sei völlig aus der Luft gegriffen, sagt Könner. Und weiter: „Büschkings wertende Hinweise auf mein angebliches ziemlich ausgeprägtes schlechtes Gewissen halte ich für anmaßend. Wenn es um Umbauen und Bauen für Menschen mit Beeinträchtigung geht, dann habe ich ein sehr reines Gewissen. Herr Büschking hat sich offensichtlich wenig mit der GSG beschäftigt.“

Denn, so Könner: „Obwohl wir nicht dazu verpflichtet sind, bauen wir auf eigene Kosten behindertengerecht um und erhöhen nicht die Mieten.“ Die GSG sei seines Wissens der einzige Vermieter in Oldenburg, der dieses flächendeckend anbietet. Man habe dadurch vielen Menschen helfen können und werde dieses weiterhin tun.

Grenzen bei Altbauten

„Im Bereich des Altbaus stoßen wir allerdings immer wieder an Grenzen, weil ein Umbau in wünschenswerter Weise aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich ist“, erklärt Stefan Könner, „auch dann versuchen wir Lösungen zu finden und bieten, wenn möglich, eine besser geeignete Wohnung an.“ Das sei auch im Fall Funk geschehen.

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Thorsten Kuchta

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