Oldenburger In Not:
Vater tot: Jobcenter lehnt Zuschuss für Fahrt ab

Eberhard Lüder bezieht nur eine kleine Rente. Das Jobcenter stockt diese auf. Trotzdem kann sich der 59-Jährige es sich nicht leisten, zu der Beerdigung seines Vaters ins Rheinland zu fahren. Er bat das Jobcenter um einen Zuschuss – doch der wurde ihm verwehrt. Jetzt helfen ihm NWZ-Leser.

Oldenburg Eberhard Lüder (59) ist verärgert und enttäuscht über das Jobcenter. Kürzlich verstarb der Vater des Oldenburger Frührentners. Die Beisetzung findet in dieser Woche in Düren im Rheinland statt.

Doch Eberhard Lüder kann sich von seiner kleinen Rente (rund 400 Euro) sowie der Aufstockung vom Jobcenter in Höhe von knapp 150 Euro die Kosten für die Fahrt zur Beisetzung, einen Kranz sowie eine Unterkunft vor Ort nicht leisten.

Daher beantragte er beim Jobcenter Oldenburg einen sogenannten Sonderbedarf als rückzahlungsfreien Zuschuss. Eine Sachbearbeiterin teilte ihm mit, der Antrag werde abgelehnt. „Sie nannte mir keine Begründung“, berichtet Eberhard Lüder. „Die einfache Fahrt von Oldenburg nach Düren sind rund 340 Kilometer, und das kann ich mit dem Hartz IV-Regelsatz aus eigener Tasche nicht aufbringen“, ist der 59-Jährige verzweifelt.

Den Regelsatz erhalten Eberhard Lüder (Frührentner aufgrund eines schweren Rückenleidens und chronisch lymphatischer Leukämie) und seine Lebensgefährtin als eine Bedarfsgemeinschaft.

Auf Nachfrage der NWZ  beim Jobcenter Oldenburg stellte Geschäftsführer Volker Trautmann klar: „In diesem Fall besteht laut SGB II kein gesetzlicher Anspruch auf einen rückzahlungsfreien Zuschuss. Die Voraussetzung dafür wäre ein regelmäßiger Sonderbedarf während des Bewilligungszeitraumes. Einen einmaligen Sonderbedarf sieht das Gesetz in diesem Zusammenhang nicht vor.“

Mittlerweile hat Eberhard Lüder den Ablehnungsbescheid erhalten. Laut Gesetzgebung gilt der Sonderbedarf mit Anspruch auf einen rückzahlungsfreien Zuschuss für eine außergewöhnliche Belastung, die in bestimmten Lebenssituationen regelmäßig, dauerhaft oder mindestens mehrmals während des bewilligten Leistungsbezugszeitraumes auftritt.

So haben zum Beispiel Personen, die an besonderen (chronischen) Erkrankungen leiden, und laufend auf Arznei- und Heilmittel zur Gesundheitspflege angewiesen, im Ausnahmefall einen solchen Sonderbedarfsanspruch.

Wenn besagte Arznei- und Heilmittel nicht verschreibungspflichtig sind – wie beispielsweise Hautpflegeprodukte bei Neurodermitis – werden die Kosten nicht von den Krankenkassen übernommen und gegebenenfalls durch den Sonderbedarf abgedeckt.

Auch für Rollstuhlfahrer besteht ein Sonderbedarf, wenn sie aufgrund ihrer eingeschränkten Bewegungsfreiheit bestimmte Tätigkeiten im Haushalt nicht allein ausführen können.

Es bestehe jedoch die Möglichkeit, ein Darlehen beim Jobcenter zu beantragen, rät Volker Trautmann im Fall von Eberhard Lüder. Die Gewährung eines Darlehens sei jedoch auch davon abhängig, ob und in welcher Höhe der Antragsteller sogenanntes „Schonvermögen“ besitzt, wie zum Beispiel ein Sparbuch. Zudem müsse geprüft werden, inwieweit Verwandte des Antragstellers für entstehende Kosten aufkommen könnten. Wird das Darlehen gewährt, so wird es in der Regel mit maximal zehn Prozent der monatlich ausgezahlten Regelleistung getilgt.

Ein Darlehen muss Eberhard Lüder aber nun nicht mehr in Erwägung ziehen: Nach Erscheinen des Artikels meldeten sich gleich acht NWZ-Leser und boten Unterstützung an. Ein Ehepaar aus Bad Zwischenahn erklärte sich sogar bereit, den 59-Jährigen und seine Lebensgefährtin nach Düren zu fahren. Auch ein Oldenburger Unternehmen bot seine großzügige Hilfe an. Eberhard Lüder freut sich: „Ich bin unendlich dankbar für die große Hilfsbereitschaft“.

Leserkommentare

Kommentieren Sie diesen Artikel
  lipifreund 15.01.2015, 00:27:16
... ist doch ganz einfach : Herr Lüder ist eben kein Flüchtling und da gibts keine Staatsgelder, keine Landesgelder und keine Stadtgelder ! das ist eben so !
Wunderbar, daß er mit Hilfe von Menschen aus unserem Kreis doch noch Hilfe bekam.
Was für eine Blamage für die ARGE = Arbeitsgemeinschaft aus Arbeitsamt und Sozialamt Oldenburg !-Barbara Klebinger
  MichaelReins 14.01.2015, 11:50:52
@ shohula

Ihre Kritik in Ehren, aber hier geht es in erster Linie wohl darum, die "Arbeitsweise" des Jobcenters aufzudecken - das ist nämlich exakt das, was der Großteil nicht weiß.

Solche Dinge lassen sich sicher ohne weiteres regeln, wenn da nicht völlig gefühlsbefreite Mitarbeiter sitzen würden (wobei dort auch Mitarbeiter tätig sind, die nicht nur den Äußeren Anschein erwecken ein Mensch zu sein), die sich lediglich an Vorschriften festhalten, die sie zum großen Teil auch noch selbst so auslegen wie sie es wollen. Nicht umsonst haben Sozialgerichte so viel zu tun.

"Wenn nur wenig Geld vorhanden ist[...]" Ich weiß nicht ob Sie die Summe nicht gelesen haben die zur Verfügung steht...
  D.Schotten 13.01.2015, 22:26:51
Weg mit dem Hartz IV Faschismus!
  Uwep 13.01.2015, 18:41:15
HAllo

neiun e sist kein Geldwerter Vorteil da da szweckgebunden ist
solte da sangerechnet werden wird dem Jobcenter vor dem Soziakgericht schon der Zahn gezogen werden.
Wenn man berechtigt unterschlagene Gelder haben will muss man einfach klagen.

Ich kenne da vom Mobcenter Oldenburg da sman drangsaliert und schikaniert wird.
Aner schiebt man denen mal die passenden paragraphen unter die NAse und weisst die mal barsch drauf hin klappt es oft

  MichaelReins 13.01.2015, 18:23:28
@OL-mit-Herz

"Das Jobcenter ist nicht die Wohlfahrt, sondern sie muss auch haushalten, schließlich zahlt jeder arbeitende Mensch dafür ein, dass andere sich am Geld des Jobcenters bedienen können."

Wenn sich jeder darüber im Klaren wäre, das ihn das gleiche Schicksal jederzeit ereilen könnte - weil man z.B. die Angestellten "verjüngt" oder man chronisch Krank wird und nicht mehr arbeiten kann o.ä. - gäbe es solche Aussagen erst gar nicht. Offenbar ist immer erst dann Ruhe, wenn jemand selbst betroffen ist - eigentlich doch schade.

Aber wie dem auch sei, es ist prima das Herr Lüder samt Lebensgefährtin nur zur Beerdigung des Vaters kann.
ich bin ja nun gespannt ob man ihm das seitens des Jobcenters als Geldwerten Vorteil anrechnet. Zuzutrauen wäre ihnen das beim JC...
Mehr Kommentare anzeigen (10 von 17)

Über den Autor

Sebastian Friedhoff

Lokalsport
Redaktion Friesland
Tel.: 04451 9988 2510
Fax: 04451 9988 2509

Artikel

Mehr zu ...

Newsletter

Das Team vom NWZonline Newsletter

MONTAGS BIS FREITAGS

die wichtigsten Nachrichten vom Tage in Ihrem Postfach.
article
3de8ce9c-99c1-11e4-bfc1-3b869eb2caf4
Oldenburger In Not
Vater tot: Jobcenter lehnt Zuschuss für Fahrt ab
Eberhard Lüder bezieht nur eine kleine Rente. Das Jobcenter stockt diese auf. Trotzdem kann sich der 59-Jährige es sich nicht leisten, zu der Beerdigung seines Vaters ins Rheinland zu fahren. Er bat das Jobcenter um einen Zuschuss – doch der wurde ihm verwehrt. Jetzt helfen ihm NWZ-Leser.
http://www.nwzonline.de/oldenburg/vater-verstorben-hilferuf-von-rentner-vater-tot-jobcenter-lehnt-zuschuss-fuer-fahrt-ab_a_22,0,2057614610.html
13.01.2015
http://www.nwzonline.de/rf/image_online/NWZ_CMS/NWZ/2014-2016/Produktion/2015/01/13/OLDENBURG/4/Bilder/47766547.jpg
Stadt Oldenburg,Oldenburger In Not
Stadt Oldenburg

Stadt Oldenburg

Tierquälerei In Oldenburg

Polizist rettet Hund aus überhitztem Auto

Oldenburg Der kleine Mischling kauerte über eine Stunde im in der prallen Sonne geparkten Mercedes – sein Herrchen kaute währenddessen fein im Restaurant. Als der 63-Jährige zurückkam, zeigte er sich wenig einsichtig.

Serie Nur einmal kontrolliert

Oldenburg Die eine war so aufgeregt, dass sie bei der Prüfung keine Antworten geben konnte. Ein anderer hatte sich seinen Führerschein bei Taxifahrern „erkauft“.