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Aktien-Sammler statt Jäger

Krisenökonom Max Otte spricht von Währungskrieg und Rettungsring

Der „Crash-Prophet“ kam auf Einladung der Volksbank. Der 47-Jährige ist Bestseller-Autor.

OLDENBURG Max Otte spricht so, dass ihn auch jene verstehen, die weder Ökonomie noch Politik studiert haben. Daher ist der 47-jährige Bestsellerautor und Fondsmanager derzeit gefragter Interview-Partner. Schließlich gilt er als Crash-Prophet, seit er bereits 2006 den Immobilien-Kollaps auf dem US-Markt und die folgende Wirtschaftskrise vorher gesagt hatte. Am 6. November saß der Wirtschaftsprofessor mit Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen in der Talk-Runde bei Günther Jauch im TV, als es um die Griechenland-Krise ging. Nach Oldenburg kam er am Donnerstagabend auf Einladung der Volksbank in die Weser-Ems-Halle.

Den Titel „Crash-Prophet“ hört der gebürtige Sauerländer und Wahl-Rheinländer, der in Köln Wirtschaft studierte und an der Princeton-University in den USA promovierte, nicht gern. Er erlebte den Beginn der Immobilienblase, als sich ein Häuschen, in dem er Ende der achtziger mit drei Doktoranden in Princeton wohnte, im Wert bis 2001 verdreifacht hatte.

Sein erstes Geld verdiente Max Otte zwar mit dem Austragen des Kirchenblättchens, aber prophetische Fähigkeiten hat er nach eigenen Angaben nicht. Allerdings spricht er ein klares Wort: Seit April 2010 forderte er bereits den Austritt der Südländer aus der Eurozone. Ginge es nach ihm, müsste Griechenland zur Drachme zurückkehren. Und obwohl er auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, sieht er die USA als „Problem der Weltwirtschaft“. Wer mit dem Finger auf Europa zeige, könne von sich ablenken. In den Augen von Otte läuft ein Währungskrieg. Ratingagenturen messen seinen Worten zufolge mit zweierlei Maß, wie man an deren Urteil über USA einerseits und Italien andererseits sehen könne. Diese Agenturen würde er am liebsten verbieten. „Mindestens eine Zeit lang aussetzen.“

Max Otte unterrichtet BWL an der Fachhochschule in Worms, gründete 2003 das Institut für Vermögensentwicklung und erhielt im Frühjahr 2011 einen Ruf an die Universität in Graz. Er gilt als sogenannter Value-Investor, der nach unterbewerteten Unternehmen Ausschau hält und deren Aktien kauft, sieht sich aber eher als Sammler denn als Jäger. „Sie müssen langfristig denken. Im Moment erleben wir Kaufkurse.“ Seit 2008 managt er einen eigenen Fonds. Für Extremsituationen empfiehlt er zehn Prozent Gold. Ihm wäre als Zukunftsszenario die Inflation lieber als die Deflation, wegen der enormen Schulden.

Otte, der mehrfach von Fach-Magazinen als Börsianer des Jahres prämiert wurde, hat sich übrigens bei einer Zwangsversteigerung vor Jahren zehn Hektar für 50 000 Euro in der Pfalz gekauft und freut sich über eine Wertsteigerung. Müsste er jetzt 1000 Euro anlegen, würde er Kunst kaufen (am liebsten Romantiker). Wären es 10 000 oder 100 000 Euro, kaufte er Land. „Da, wo es schön ist.“

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