BUCHVORSTELLUNG:
Als die Stadt noch „Trolli“ fuhr

Klaus-Dieter Stolle präsentiert „Der Obus in Oldenburg“

KLAUS-DIETER STOLLE ZEICHNET DIE OLDENBURGER OBUS-GESCHICHTE NACH.

OLDENBURG Pekol – das klingt noch immer gut in Oldenburg. Nun erinnert ein schönes, gut recherchiertes Buch mit zahlreichen Fotos an die über 20 Jahre, als zunächst – von ’36 bis ’57 – die Obusse die Oldenburger zuverlässig an jedes Ziel im Oberleitungs-Netz brachten. 1948 benutzten 9,8 Millionen Fahrgäste die „geruchlose Pekoline“. Wie hieß es damals in der Zeitung? „Zugegeben, der Trolli klettert manchmal auf die Gehsteige und kommt den Schaufenstern gefährlich nahe. Aber eben nur nahe. Und er tut das so leise und diskret, wie es nur ein Trolli kann. Ohne ihn wäre Oldenburg nicht Oldenburg.“ Fast eine Liebeserklärung.

Dabei war der Einstieg in den öffentlichen Nahverkehr anfangs gar nicht glatt verlaufen, erinnert Autor Klaus Dieter Stolle. Der frühe Versuch mit einer Pferdebahn war 1889 gescheitert, weil zu wenige damit fahren wollten. Eine elektrische Straßenbahn kam für die Stadtväter niemals ernsthaft in Betracht, und die Bremer Vorortbahnen gaben hier ab 1925 mit ihren Benzinautobussen nur ein kurzes Gastspiel.

Theodor Pekol verhalf der Stadt schließlich zu einem leistungsfähigen Stadtbusverkehr, der die Fahrgastzahlen rasch ansteigen ließ. Mit dem modernen Konzept, für das sich Pekol und Stadt entschieden, wurde Oldenburg 1936 die erste Stadt im Deutschen Reich mit einem zusammenhängenden Obusliniennetz. Der „Trollibus“ wurde ein voller Erfolg. 21 Jahre lang prägten die Fahrleitungen und mattgrünen, kantigen Pekol-Busse das Bild. Auf einem Netz mit 18 Kilometer Streckenlänge brachte „Trolli“ seine Fahrgäste vom Markt nach Nadorst, Kreyenbrück, Eversten, zum Bahnhof oder zum Flughafen.

Dann aber entwarf Pekol, der als innovativer Buskonstrukteur bekannt war, einen Leichtmetallomnibus, der dem in die Jahre gekommenen Obus wirtschaftlich weit überlegen war. „Strom aus“ hieß es schließlich vor genau 50 Jahren, nachdem der letzte Trollibus ins Depot Dietrichsfeld eingerückt war. Stolles Buch „Der Obus in Oldenburg“ (112 Seiten, 124 Fotos, 24,90 Euro, Verlag Kenning; Nordhorn) erinnert wunderbar an diese Zeit.

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Als die Stadt noch „Trolli“ fuhr
KLAUS-DIETER STOLLE ZEICHNET DIE OLDENBURGER OBUS-GESCHICHTE NACH.
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15.12.2007
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