Immobilien:
Alte Hauptpost in Oldenburg füllt sich mit Leben

Patio-Betreiber eröffnet mit Kompagnons eine 600-Quadratmeter-Gas­tronomie

Sie ist das Schmuckstück am Stautorkreisel: die ehemalige kaiserliche Oberpostdirektion. Nach jahrelangem Leerstand beherbergt das Baudenkmal bald Büros, Gastronomie und Praxen.

OldenburgDie ehemalige kaiserliche Oberpostdirektion am Stautorkreisel erwacht nach jahrelangem Leerstand zum Leben. Wie Lars Behrendt von der eigens für Konzeption und Vermarktung der Immobilie gegründeten Berenfels GmbH am Donnerstag mitteilte, sind 60 Prozent der verfügbaren Gewerbe- und Bürofläche bereits vermietet. Bis Ende des Jahres würden 90 Prozent der Flächen auch bezogen sein, unter anderem von einer Praxis für Handchirurgie und einem siebenköpfigen Zahnärzteteam. Zurzeit laufe die Konzeption für Mietwohnungen im Dachgeschoss. Dafür gebe es bereits eine 132 Personen umfassende Warteliste.

Zudem kündigte Tolga Borali, Gastronom des Patios in der Kulturetage, an, dass er mit seinem Mitarbeiter Gunnar Szag und weiteren Gastronomen im vierten Quartal eine 600-Quadratmeter-Gastronomie in der umgebauten Telekom-Kantine eröffnen werde – mit großer Außenterrasse im Innenhof und offenen Show-Küchen. Das Patio werde er weiter betreiben.

Weiterer Mieter ist im Erdgeschoss die Citipost, Schwesterunternehmen der Mediengruppe NWZ , die den Empfangsservice übernimmt, mit einem Depot für Fahrradkuriere einzieht sowie Dienstleistungen und Briefmarken anbietet – darunter auch eine Sondermarke „Kaiserliche Post“. Hinzu kommt der Gebäudereiniger Söffge aus Bremen.

2013 gekauft

Wie berichtet, hatten die Bremer Investoren Thomas Stefes (Bauunternehmer) und Anton Brinkhege (Hotelier) das zum Großteil aus dem Jahr 1902 stammende Ensemble Anfang 2013 von der Telekom gekauft. Im August vorigen Jahres stießen die Oldenburger Lars Behrendt (Internet- und Werbeagentur Granny&Smith), Immobilienmakler Kai Arnold und der Innendesigner Henning Bögershausen (Noord Design) als Konzept- und Vermarktungspartner dazu und gründeten Berenfels. Die Unternehmen sind inzwischen selbst Mieter im Gebäude.

Hohe Investitionen

Seit dem Kauf wurde nach Stefes’ Angaben „ein noch siebenstelliger Betrag“ in das Gebäude investiert. Die nötige „Luft“ gibt den Investoren der langfristige Mietvertrag mit der Telekom im Neubau zur Mühlenstraße. Alle Vorhaben seien in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz geplant worden. Das gelte auch für die Wohnungen, die in das spitze und verwinkelte Dachgeschoss eingepasst werden. Um mit der Denkmalschutzbehörde ein Konzept aus einem Guss realisieren zu können, werden die Wohnungen nicht verkauft, sondern vermietet.

Die Zusammenarbeit mit den Behörden in Oldenburg sei „fair, angenehm und zügig“ verlaufen, sagte Stefes. Das sei er von anderen Kommunen so nicht gewohnt. Dieses „tolle Klima“ und die Zusammenarbeit mit Berenfels habe die Bühne frei gemacht für weitere Projekte in und um Oldenburg, sagte Stefes. Auch Berenfels will sich bei ähnlichen Objekten in Oldenburg und umzu weiter engagieren.

Im Innern kam an vielen Stellen unter abgehängten Decken hochwertiger Stuck und unter Nadelfilzboden edles Parkett zum Vorschein. Ein Traum bleiben muss die Nutzung des Turms, der einen Atem beraubenden Ausblick über die Stadt biete: Aus feuerpolizeilichen Gründen ist eine Nutzung höchst unwahrscheinlich. Die anfangs in Auge gefasste Hotelnutzung für das Gebäude sei an den schwierigen Grundrissen mit viel Flurflächen und riesigen Räumen gescheitert. Interesse von Ketten habe es aber durchaus gegeben, so Stefes.


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04.07.2014
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