Bündnis:
An Strategie gegen Fachkräftemangel feilen

Stadt holt Kammern, Arbeitsagentur und Uni ins Boot – Kernteam gebildet

Oldenburg Der Mangel an Fachkräften – das Thema schwebt wie ein Damoklesschwert über der Wirtschaft. „Unsere Betriebe melden uns, dass Aufträge nicht zügig abgearbeitet oder gar nicht ausgeführt werden können, weil Fach- und Führungskräfte fehlen“, berichtet Wolfgang Jöhnk, Geschäftsbereichsleiter Berufsbildung der Handwerkskammer Oldenburg.

Für Oberbürgermeister Jürgen Krogmann ist der Wettbewerb um kluge Köpfe und flinke Hände eines der zentralen Themen in den kommenden Jahren: „Nur mit guten Fachkräften ist es möglich, den wirtschaftlichen Erfolg der Stadt zu sichern.“ Daher hat die Stadt zusammen mit Oldenburger Unternehmen, den Kammern, der Arbeitsagentur und der Universität ein Bündnis geschmiedet. Krogmann gab am Donnerstag den Startschuss für eine gemeinsame Strategie zur Fachkräftesicherung.

Ein Schwerpunkt der Fachkräfte-Initiative besteht darin, den Übergang zwischen Schule und Beruf besser zu gestalten. „Eine Stärkung der Berufs- und Studienorientierung an allen Schulformen ist notwendig, damit sich auch künftig junge Menschen für eine Berufsausbildung im dualen System entscheiden. Die duale Ausbildung leistet einen entscheidenden Beitrag zur Innovationskraft der Wirtschaft“, betont Jöhnk. IHK-Hauptgeschäftsführer Joachim Peters ergänzt: „Die duale Ausbildung im Zusammenspiel von Betrieb und Berufsschule bildet das Rückgrat der ökonomischen Leistungsfähigkeit unserer Region.“

Die demografische Entwicklung zeigt einen alarmierenden Trend auf: Die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen wird in den kommenden Jahren deutlich kleiner werden. „Damit wird gerade die Zahl der potenziellen Berufseinsteiger kleiner“, sagt Thorsten Müller, Vorsitzender Geschäftsführer der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven. „Deshalb richten wir unsere Ausbildungsinitiative gezielt auch an andere Gruppen, zum Beispiel an junge Erwachsene bis 35 Jahre, die noch keinen Berufsabschluss haben.“

Neben dieser Zielgruppe sieht Müller großes Potenzial bei Frauen, deren Beschäftigungsquote vergleichsweise niedrig sei. Auch Ältere und Zuwanderer sollten verstärkt dabei helfen, die Fachkräfte-Lücke zu schließen.

Mit einem runderneuerten Marketing will das Bündnis nach außen hin um Hochqualifizierte werben. „Erster Schritt“, so Krogmann, ist eine neue Broschüre, die „zehn Gründe“ für Oldenburg bündelt. „Wir haben einen großen Werkzeugkasten an Möglichkeiten, die wir in den kommenden Monaten einzeln auspacken wollen“, kündigt der Oberbürgermeister an.

Die inhaltliche Arbeit soll ein Kernteam leisten, dem derzeit acht Oldenburger Firmen und die Uni angehören. Bis Ende März soll eine Rahmenvereinbarung der beteiligten Firmen unterzeichnet werden. Gleichzeitig bemühen sich die Partner, das Umland einzubeziehen.

Bei Fragen zum Thema „Fachkräfte-Initiative“ können sich interessierte Unternehmen an das Standortmarketing der Stadt wenden (per E-Mail an giuseppina.giordano@stadt-oldenburg.de).

Leserkommentare

Kommentieren Sie diesen Artikel
  markus 23.01.2015, 08:54:16
Gäbe (Konjunktiv!) es in Oldenburg einen Fachkräftemangel, könnten wir das zwangsläufig an drei Kriterien ablesen:

1)
Die Fachkräfte würden ausschließlich über die operativen Anforderungen gesucht - unabhängig von formaler Qualifikation, Herkunft, Geschlecht und Alter (Herr Onnen, das große „Potenzial bei Frauen, deren Beschäftigungsquote vergleichsweise niedrig sei“, haben Sie vermutlich missverständlich wiedergegeben!).

2)
Im Ein-/Auspendelbereich um die ausgeschriebenen Stellen herum wären die Karteien an arbeitslosen und arbeitssuchenden (passenden) Fachkräften leer (Herr Müller, Ihre diesbezügliche sensationelle Erfolgs-Pressemitteilung bitte!).

3)
Das Vergütungsniveau wäre wahrnehmbar überhöht - um Fachkräfte in bestehenden Arbeitsverhältnissen zu halten und um wechselwilligen Kandidaten einen Impuls zu geben
(Herr Jöhnk, die attraktiven, geradezu „magnetischen“ Vergütungsangebote Ihrer Mitgliedsbetriebe sind nicht hinreichend bekannt! In Oldenburg muss ja eine regelrechte Goldgräberstimmung sein.).

Ich bin auf die Belege gespannt – Oldenburg wäre bahnbrechend...
  MichaelReins 23.01.2015, 07:57:23
Ein Bündnis wird da auch nicht weiterhelfen, um sich Fachkräfte zu sichern oder zu bekommen. Machen wir uns doch nichts vor, die Wirtschaft selbst jammert, sucht sich aber Leiharbeiter weil die billiger sind. Wer einen Facharbeiter anstellt, sollte auch für seine Arbeit zahlen wollen - doch da hapert es schon gewaltig. heute jammert man schon über 8,50€ Stundenlohn und das Firmen dabei in die Pleite gehen könnten...
Und warum setzt man die Fachkräfte frei, die eine immense Erfahrung haben? Weil sie zu teuer sind!
Oder schauen wir bei den Studierenden, die selbst im 3. oder 4. Semester gar nicht wissen, was sie beruflich überhaupt machen wollen; das liegt offensichtlich daran, das viele glauben man müsse unbedingt studieren um anerkannt zu werden.
Und wenn es insgesamt um den Bereich Ausbildung geht war es doch schon vor 20 jahrein so, das Abiturienten eine Lehre gemacht haben und damit einem anderen Bewerber diese Stelle regelrecht abgenommen haben. Nur ist der Abiturient nie wieder in diesem Lehrberuf tätig gewesen. Wer also hat dafür gesorgt das Fachkräfte regelrecht aussterben?
Von den beruflichen Perspektiven gar nicht zu reden, denn Fachkräfte landen irgendwo bei Leiharbeitsfirmen und müssen mitunter ihren Lohn aufstocken lassen.

Bevor man sich also der Presse stellt und solche tollen Dinge verkündet, wäre es notwendig sich die Realität doch noch einmal genau anzusehen.

Über den Autor

Stephan Onnen

Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel.: 0441 9988 2114
Fax: 0441 9988 2109

Artikel

Mehr zu ...

Newsletter

Das Team vom NWZonline Newsletter Mittwochmittag
Jeden

Mittwochmittag

die wichtigsten Wirtschaftsmeldungen der Region.
article
351e792c-a23d-11e4-bc29-c0b8534d7d50
Bündnis
An Strategie gegen Fachkräftemangel feilen
http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/an-strategie-gegen-fachkraeftemangel-feilen_a_23,0,480442615.html
23.01.2015
http://www.nwzonline.de
Wirtschaft,Bündnis
Wirtschaft

Stadt Oldenburg

Stadtfest Oldenburg

Siegerplakat stammt aus Lemwerder

Lemwerder/Oldenburg 80 von über 150 Stimmen gingen an den Entwurf von Anna-Lena Idel. Die bunte Vielfalt sollte darin zum Ausdruck kommen.