Internet:
Anwalt treibt Geld für Pornobranche ein

Ex-Ratsherr Rainer Munderloh mahnt wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen ab

Andere Anwälte warnen vor dem Tun des Oldenburgers. Sie haben Beschwerde bei der Anwaltskammer eingelegt.

Oldenburg Der Oldenburger Rechtsanwalt Rainer Munderloh ist international tätig. Er arbeitet für die „RGF Productions Ltd.“ in Dublin und neuerdings auch auf für „Telsev Sarl“ in Paris. Das Brisante daran: Die Firmen sollen in der Pornobranche tätig sein. In deren Namen mahnt der ehemalige CDU-Ratsherr bundesweit Internet-Nutzer wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen ab.

Im Internet häufen sich schon seit einiger Zeit die „Informationen zur Abmahntätigkeit der Kanzlei Rainer Munderloh“. Der Anwalt hatte zunächst im Namen der „RGF Productions Ltd.“ aus Dublin, die nach seinen Angaben von einem Österreicher mit Wohnsitz in der Dominikanischen Republik betrieben wird, Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen an Pornofilmen verschickt. Die Streifen trugen Titel wie „Sex-Fantasien meiner Freundin“. Den Warnungen anderer Anwälte zufolge soll Munderloh zunächst 1653,30 Euro verlangt und diese Forderung dann auf eine Pauschale von 780 Euro reduziert haben.

Erklärung verlangt

Ähnlich läuft es offenbar im Fall der Firma „Telsev Sarl“. Hier geht es um den Titel „Les Castings de Candice Vol. 2“. Neben dem pauschalen Vergleichsbetrag werde die Abgabe einer Unterlassungserklärung verlangt. Der Abmahnung liegt der Vorwurf zugrunde, die Daten des Werkes seien über das Internet (in Tauschbörsen) Dritten zur Verfügung gestellt worden.

Munderloh sieht in seiner Tätigkeit nichts Verwerfliches. „Derjenige, der Urheberrechtsinhaber ist, bestimmt über die Verwertung und die Vervielfältigung – und nicht andere. Erotikprodukte sind sicher ein heikles Thema. Deswegen genießt die Branche aber nicht weniger Schutz als andere“, sagt er. Eine Abmahnung riskiere schließlich auch, wer im Netz verbotenerweise Musik, Hörbücher oder Spiele herunterlade bzw. zur Verfügung stelle. Von Urheberrechtsinhabern aus diesem Bereich erhält Munderloh eigenen Angaben zufolge große Zustimmung für sein Engagement. „Denn Urheberrechtsverletzungen werden schlichtweg bagatellisiert.“

Verbraucherzentrale hilft

Christel Lohrey von der Verbraucherzentrale am Julius-Mosen-Platz warnt davor, vermeintliche Urheberrechtsverletzungen zu unterschätzen. „Im Einzelfall muss geprüft werden, ob der Vorwurf in Ansätzen berechtigt sein könnte.“ Keinesfalls sollten vorschnell Unterlassungserklärungen unterschrieben werden. Lohrey rät dazu, anwaltliche Hilfe bei der Verbraucherzentrale zu suchen.

Neben anderen Anwälten bietet auch Carsten Herrle aus Kiel bei Munderloh-Abmahnungen Unterstützung an: „Abgemahnt werden Titel, die offensichtlich im Handel gar nicht zu erwerben sind. Es spricht einiges dafür, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen abläuft.“ Deshalb hätten er und andere Anwälte Beschwerde bei der Rechtsanwaltskammer eingelegt. Auf NWZ -Anfrage  wollte die Kammer aus Verschwiegenheitsgründen keine Stellungnahme zu dem Fall abgeben.

Munderloh war von 1996 bis 2001 für die CDU im Rat. Acht Jahre hatte er den Vorsitz der CDU-Mittelstandsvereinigung inne. 2008 geriet er noch mal in den Fokus der Öffentlichkeit, als er durch eine „notleidende Immobilienfinanzierung“, wie er es seinerzeit formuliert hatte, in Schwierigkeiten geraten war und seinen Anwaltsberuf zeitweilig nicht mehr ausübte. Im Jahr darauf bekam er seine Zulassung wieder zurück.

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http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/anwalt-treibt-geld-fuer-pornobranche-ein_a_1,0,1625098678.html
19.10.2012
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