Unikat In Niedersachsen:
Bahn will Oldenburger Bahnhofsdach abreißen

Einziger Hallenbahnhof im Land

Die Gleishalle instandzusetzen, ist die teuerste von drei Varianten. Die Bahn will deshalb gleich neue Bahnsteigdächer bauen. Darüber ist ein heftiger Streit mit der Denkmalschutzbehörde entbrannt.

Oldenburg Die Deutsche Bahn liegt bei der Planung der neuen Bahnsteigdächer am Hauptbahnhof im Streit mit dem Denkmalschutz. Da in Gesprächen keine Einigung erzielt werden konnte, soll nun das Eisenbahnbundesamt entscheiden. Das geht aus einem Brief des Konzernbevollmächtigten Ulrich Bischoping an die Bundestagsabgeordnete Barbara Woltmann (CDU) hervor.

Demnach hat die Bahn für das neue Dach drei Varianten untersucht. Die erste, die Instandsetzung der vorhandenen Gleishalle, sei die mit Abstand teuerste. Zudem würden sich hier wegen der Fahrdrahthöhe Probleme für die neue Oberleitung ergeben. Zudem sei für die lange Bauzeit mit Beeinträchtigungen für die Kunden zu rechnen.

Die zweite Variante sieht den Neubau von Bahnsteigdächern anstelle des jetzigen Hallendaches vor. Die dritte wäre ein Neubau einer Gleishalle in einer Form, die der heutigen Optik entspricht.

Die wirtschaftlich günstigste Lösung wäre „der Abriss der vorhandenen Halle verbunden mit dem Neubau von Bahnsteigdächern“, schreibt Bischoping. Für den Denkmalschutz komme lediglich eine Instandsetzung in Frage. Da sie bezüglich der Alternativen „nicht gesprächsbereit“ sei, werde die Bahn beim Eisenbahnbundesamt ein Planrechtsverfahren einleiten. Bis Ende des Jahres sollten die entsprechenden Unterlagen eingereicht werden.

Das Eisenbahnbundesamt werde auf Basis der Stellungnahmen – auch die der Denkmalschutzbehörde – entscheiden. Bischoping rechnet mit einer Verfahrensdauer von zwei Jahren bis zu einer Entscheidung. Der Oldenburger Hauptbahnhof gilt als der einzige Hallenbahnhof in Niedersachsen.

Das Bahnhofsdach wurde zwischen 1911 und 1915 errichtet. Es handelt sich nach Angaben der Bahn um ein Stahltragwerk mit Stegblechen, Winkelprofilen und Nieten. Es sei eingedeckt mit Platten aus Bimsbeton und Glas.

Die Scheiben waren im Februar 2013 aus Sicherheitsgründen entfernt worden (NWZ berichtete). Seitdem sind die Fahrgäste Wind und Wetter ausgesetzt. Bereits im März 2014 hatte CDU-Bundestagsabgeordneter Stephan Albani angekündigt, Bund und Bahn stellten 13,3 Millionen Euro für den Bahnhof – vor allem für ein neues Dach – bereit.

Der Bahnhof feiert in diesen Tagen sein 100-jähriges Bestehen. Für Sonntag, 20. September, ist ein Bahnhofsfest geplant. Der Bahnhof wurde am 3. August 1915 eingeweiht. Der Großherzog besuchte den Bahnhof am 4. August.

Das prunkvolle Gebäude im Jugendstil wurde vom Architekten Friedrich Mettegang als Ersatz für den alten Centralbahnhof gebaut.

Leserkommentare

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  J?rgens-Tatje 20.08.2015, 16:00:30
Da steht man dann im Winter ,naß und frierend aber unter einem Denkmal. Die Erkenntnis wärmt dann von innen und man ist froh solch schlaue Behörden zu haben.
  lipifreund 20.08.2015, 05:48:50
... Denkmalschutz-Cäcilienbrücke-Bahnhofsdach - da kann nix bei rauskommen...oder ? -Barbara Klebinger

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18.08.2015
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