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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Bahnhof bringt Residenzstadt in Schwung

22.07.2015
NWZonline.de NWZonline 2015-07-22T09:01:17Z 280 158

Jubiläum:
Bahnhof bringt Residenzstadt in Schwung

Oldenburg Der erste Weltkrieg tobte damals fast taggenau seit einem Jahr, viele Soldaten waren bereits gefallen. Kriegsbedingte Versorgungsmängel traten auf. Der erste Zug, der in der Nacht zum 3. August 1915 in den neuen Bahnhof einfuhr, war ein Lazarettzug mit Kriegsverwundeten. Es waren keine ruhigen Zeiten, in denen Oldenburg vor 100 Jahren seinen Hauptbahnhof in Betrieb nahm.

Einen Tag vor der offiziellen Eröffnung hatten sich die Oldenburger selbst ein Bild machen können. Unter Fachleuten galt das im Jugendstil errichtete Gebäude schnell als einer der schönsten Bahnhöfe Norddeutschlands. Auch Großherzog Friedrich August II. verschaffte sich unter Führung von Eisenbahndirektionspräsident Otto Graepel einen Eindruck.

Was war das Besondere an diesem Bahnhof? Schon beim Bau wurde die Gleisebene hoch gelegt, um in der Innenstadt Straßen- und Schienenverkehr voneinander zu trennen. Hiermit war die Eisenbahndirektion ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus – der Pferdemarkt wurde erst im Mai 1966 kreuzungsfrei. Die drei Bahnsteighallen erhielten über den Gleisen eine Öffnung für den Rauchabzug. Diese konnten seinerzeit nur wenige Hallenbahnhöfe aufweisen. Die Hallen waren durch eine senkrecht „hängende“ Glaswand so konzipiert, dass trotz Öffnung Reisende bei windigem Regenwetter nicht nass wurden. Im Jahrzehnt bis 1915 wurden in mehreren bedeutenden deutschen Städten neue Bahnhöfe errichtet. So hatte die Hansestadt Lübeck am 1. Mai 1908 ihren neuen Hauptbahnhof eröffnet. 1912 erhielt Darmstadt – ebenso wie Oldenburg großherzogliche Residenzstadt – ihren neuen Hauptbahnhof mit elf Gleisen. Hinzu kam am 23. Oktober 1913 der neue Hauptbahnhof in der Residenzstadt Karlsruhe.

Die Bahnhöfe dieser Städte waren allesamt architektonisch bedeutsam und geeignet, die Bedeutung ihrer Städte zu betonen.

Das Besondere beim Oldenburger Bahnhof war die Synthese zwischen zeitgemäßer Jugendstil-Architektur und regionaler, heimatbezogener Stilprägung. Der Eingangs-Mittelbau zitiert ein typisch oldenburgisches Bauernhaus; die Rundbogen-Fensterfront markiert die „Grootdör“ vieler Oldenburger Höfe. Somit konnten sich die Bürger mit ihrem Bahnhof identifizieren. Und auswärtige Reisende erhielten einen regionaltypischen Eindruck „von Land und Leuten“.

Der Sand für den Unterbau stammt aus Donnerschwee, und die typisch norddeutschen Klinker des Empfangsgebäudes stammen aus Bockhorn (Landkreis Friesland).

Zum 90-jährigen Bestehen erfolgte eine Sanierung, die die schlimmsten Bausünden der 60er-Jahre ein wenig kompensierte: So wurden in der Empfangshalle die historischen Jugendstilornamente nachempfunden. Auch wurden behindertengerechte Aufzüge zu jedem der vier Bahnsteige eingebaut (NWZ  vom 1. Oktober 2014).

Der Bahnhofsneubau sollte damals den Anschluss des oldenburgischen Staates an die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung im Deutschen Reich dokumentieren. Nicht zuletzt mit Blick auf den Nachbarn Preußen: Viele Beamte und Marinesoldaten fuhren aus der Reichshauptstadt in die preußische Exklave Wilhelmshaven.

Durch Schnellzüge von und nach Berlin erfuhr Oldenburg eine erhebliche verkehrliche Aufwertung. Später fuhren D-Züge und Kurswagen von und nach Dresden, München und Basel. Der Anschluss Oldenburgs an diese Entwicklung ist nachhaltig gelungen – bis heute.