Einzelhandel:
Handy-Projekt bringt Aufmerksamkeit

CMO zieht gemischte Bilanz – Geschäfte brauchen mehr Fläche

Oldenburg Es war im September vorigen Jahres, als CMO-Chef Christoph Baak ein bundesweit einmaliges Pilotprojekt ankündigte: Gemeinsam mit Paypal, einem Anbieter von Internet-Bezahllösungen, starteten über 30 Einzelhändler den Versuch eines analogen Internet-Einkaufsbummels. Mit einem Programm fürs Smartphone konnten Stadtbummler QR-Codes einlesen, die in Schaufenstern platziert wurden – völlig unabhängig von Öffnungszeiten. Über diese mobile Lösung konnte man Waren ansehen – und mit einem Klick auch kaufen und bezahlen. Für den Versand sorgten die Händler selbst.

Bereit zu Innovationen

„Was die Verkäufe angeht, war das kein sonderlich erfolgreiches Projekt“, bilanziert jetzt der CMO-Vorsitzende Christoph Baak im Gespräch mit der NWZ , „aber wenn man es in der Währung Aufmerksamkeit rechnet, war es ein großer Erfolg.“ Es habe sehr viele Klicks gegeben, Paypal habe zudem die Zahl der Downloads seiner QR-App in der Region um 32 Prozent gesteigert. Das Internet-Unternehmen sei zudem ein Partner gewesen, mit dem man sehr gut zusammengearbeitet habe – und das Unternehmen verbreite die Nachricht von dem Pilotprojekt in Oldenburg national und international. „Wir haben gezeigt, dass es in Oldenburg eine große Bereitschaft des Einzelhandels zu Innovationen gibt“, sagt Baak.

Dass man sich angesichts der wachsenden Konkurrenz von Online-Händlern bewegen und Experimente wagen müsse – das sei allen CMO-Mitgliedern bewusst, sagt der Vorsitzende. Neben der Offenheit für mobile und internetbasierte Lösungen müsse der Handel aber auch seine eigenen Stärken ausspielen.

„Früher konnte man den Kunden dazu bringen, zu bestimmten Zeiten in die Läden zu stürmen – etwa zum Schlussverkauf. Das funktioniert heute nicht mehr“, sagt Baak. Das Schlüsselwort laute „Attraktivität“. In der Innenstadt hätten die Kaufleute begriffen, dass es die Innenstadt selbst sei, die die Menschen locke. „Damit das so ist und bleibt, arbeitet die Kaufmannschaft zusammen“, erklärt der CMO-Chef. Die Weihnachtsbeleuchtung sei dafür ein wahrhaft leuchtendes Beispiel. Aber: „Wenn es darum geht, die Menschen ins eigene Geschäft zu locken, dann sind sie wieder Konkurrenten.“

Foto Gerrit Heinemann BILD: Tobias Frick

Tipps vom HandelsExperten

Kunden werden nie mehr darauf verzichten, den Informationsvorsprung auszunutzen, den ihnen das Smartphone auch in Sachen Einkauf und Preisvergleich bietet. Das sagte jüngst Prof. Dr. Gerrit Heinemann, Leiter des eWeb-Research-Centers an der Hochschule Niederrhein, bei der Auftaktveranstaltung zur NWZ -Aktion „Kauf hier“.

Einzelhändler müssten deshalb offensiv damit umgehen und ihnen auch im Laden uneingeschränkten Handy-Empfang ermöglichen. Händler, die ihren Kunden die Nutzung von Smartphones verwehren, würden abgehängt.

Aktiv sollten Händler ihre Waren auch mobil darstellen, um Flaneure ins Geschäft zu locken. Wenn man mobil verkaufen wolle, müsse der Webshop mehr bieten als das Geschäft. Das seien Kunden aus dem Internet gewöhnt.

Wichtigste Komponenten für die Attraktivität der Geschäfte seien Personal und die Präsentation der Waren. „Waren ins Regal stellen und ab und an eine Tafel danebenzustellen, auf der prozentuale Rabatte gezeigt werden – das reicht nicht mehr.“ Das könne das Internet besser. Für eine ansprechende Präsentation brauche man Platz, auch für Kaffees, Lounge-Ecken und Gastronomie. Nur so sei der Kunde zum Bleiben zu bewegen – und das müssten auch Politik und Rathaus einsehen.

Immer mehr Geschäfte

Was Baak damit meint: Im Einzelhandelsentwicklungskonzept legen Politik und Verwaltung fest, wie und wo sich der Handel entwickeln kann und darf. Dabei spielt die Verkaufsfläche als Maßeinheit eine wichtige Rolle. Dass auf mehr Fläche nicht unbedingt mehr Umsatz stattfindet, belegt auch die Statistik: Von 1993 bis 2012 wuchs die Anzahl der Einzelhandelsbetriebe in Oldenburg von 880 auf 1060. Die Verkaufsfläche im Stadtgebiet wuchs von 284  325 auf 438  400 Quadratmeter – eine Steigerung von 54 Prozent. Der Umsatz wuchs aber „nur“ um 45 Prozent von umgerechnet 929,9 Millionen auf jetzt 1,345 Milliarden Euro.


Ein Spezial unter   www.nwzonline.de/kaufhier 

Leserkommentare

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  OL-mit-Herz 17.04.2014, 12:31:09
Ich habe mich immer gewundert, warum in einigen Geschäften QR-Codes in den Schaufenstern bei den Preisschildern waren. Ich fand aber nie eine Erklärung. Warum wurde das nie ausreichend beworben? Warum hat man die Kunden nicht besser darüber informiert, wenn man so eine - in meinen Augen sinnvolle - Sache programmieren lässt?
  MichaelReins 06.04.2014, 11:14:59
Das CMO macht sich langsam wirklich zum Gespött.
Wenn Kunden zum Großteil über das Internet bestellen, weil es schnell geht, bequem ist und zudem schnell geliefert wird, ist es vom CMO offenbar nicht ganz zu Ende gedacht worden als man sich mit dem QR-Code ein wenig Mut machen wollte.
Wer Umsätze machen will und schließlich auch muß, wird nicht darum kommen präsenter zu sein. Eine übersichtliche Seite eines jeden Händlers mit seinem Warenangebot, und schon hat ein potentieller Kunde die Möglichkeit zu vergleichen. Ich muß auch nicht durch die Innenstadt laufen, denn das kann ich mir sparen wenn ich es im Internet viel schneller finde.

Es ist schade, das beim CMO die Ideen fehlen, die auch zudem noch realitätsbezogen sind. Wer für sich werben will, muß investieren; das heißt aber lange nicht das man auch über Onlineläden verkaufen muß - der Händler muß sich die Mühe machen die Preise zu recherchieren die andere anbieten, denn damit kann er punkten. Aber das muß man erst einmal verstehen, was wohl leider eher nicht der Fall ist.

Es bedarf keinen Experten wie Herrn Heinemann, sondern eines guten Kaufmanns der an den Kunden interessiert ist. Das können unflexible Ketten allerdings weniger bieten.

Über den Autor

Thorsten Kuchta

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