Schülerfirma:
Jung-Unternehmer schlau wie ein Fuchs

Oberschule Osternburg gründet Genossenschaft „Fuchsbau“ – „Kein Sandkastenspiel“

Praxisnahes Lernen: Unter dem Dach der Genossenschaft produzieren zwei Schülerfirmen Holzmöbel und Handyhalterungen.

Oldenburg Seine erste Aufgabe als Vorstandsmitglied der neu gegründeten Schülergenossenschaft „Fuchsbau“ erledigte Adriano Lindhorst aus der Klasse 10d der Oberschule Osternburg wie ein alter Hase: Souverän lächelnd nahm er aus den Händen von Volksbank-Mitarbeiterin Christina Zschech einen symbolischen Scheck über 150 Euro entgegen – mit diesem Startkapital war am Donnerstagnachmittag die finanzielle Basis für die Schülergenossenschaft gelegt, unter deren Dach zwei Schülerfirmen – „Ecological Cubes“ und „LigFerrMento“ – vereint sind. Der Titel „Fuchsbau“ greift das Schullogo auf, das zwei Füchse als Wappentiere enthält.

20 Schülerinnen und Schüler sind an beiden Firmen beteiligt, die als besonderes Projekt im fächerübergreifenden Profilunterricht starten. Künftig sollen Betriebspraktika in der Schule in diesen Firmen stattfinden, auch Teile der Lernorte-Tage im Jahrgang 8 könnten in die Arbeit integriert werden, verdeutlicht Schulleiter Sven Winkler die Ernsthaftigkeit des Projekts.

„Ecological Cubes“ produziert qualitativ hochwertige Holzmöbel, „LigFerrMento“ stellt Handy- und Tablet-Halterungen aus Holz, Metall und Farbe her. „Schüler sind also Firmeneigentümer und Kunden zugleich“, betonte Winkler. Die fertigen Produkte können sowohl in der Schule als auch im Internet auf der Webseite der Schule (www.obs-Osternburg.de) erworben werden.

Begeistert von der Grundidee „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele“, haben sich die Schüler bewusst für das demokratische Prinzip der Genossenschaft als Unternehmensform entschieden. Bei der Umsetzung halfen das Institut für ökonomische Bildung der Uni Oldenburg, die Niedersächsische Landesschulbehörde und die Handwerkskammer, deren Berufsbildungszentrum genutzt werden darf. Als „Patin“ fungiert Volksbank-Kundenberaterin Annika Wiebke.

Innerhalb der Schülergenossenschaft hat jedes Mitglied nur eine Stimme – unabhängig vom Alter. Als Startkapital bringen die Genossen jeweils fünf Euro ein. „Jedes Mitglied ist dazu berechtigt, an den Mitgliedsversammlungen teilzunehmen. Hier können alle ihre Meinung äußern“, erläutert Konrektor Jan Müller. Im Jahresturnus wählen die Mitglieder Vorstand und Aufsichtsrat.

Zum ersten Vorstand wurden neben Adriano Lindhorst (10d) am Donnerstag Jonas Donicht (9ABV) und Niklas Keßler (10d) gewählt. Im Auftrag der Mitglieder überwacht ein dreiköpfiger Aufsichtsrat die Arbeit des Vorstands.

„Wenn Schüler zu Mitarbeitern im eigenen, von ihnen selbstgegründeten Unternehmen werden, ist das ein gewaltiger Sprung“, konstatierte Rektor Sven Winkler seinen Schülern großen Mut, Verantwortung zu übernehmen. Für ihn steht außer Frage, dass die Jugendlichen von den praxisnahen Einblicken ins Wirtschaftsleben, die sie durch ihre aktive Rolle gewinnen, profitieren werden. Das unterstrich auch Norbert Klüh, Fachkoordinator für nachhaltige Schülergenossenschaften in Niedersachsen: „Als Vorstandsmitglied in einer Schülergenossenschaft werden sich Eure Chancen auf einen guten Job oder eine gute Ausbildung enorm verbessern.“ Dank der echten Partner“ aus der Wirtschaft sei das Projekt kein „Sandkastenspiel“. Ziel sei es, „mit Verstand Gewinne zu machen.“ Gleichwohl bleibe es eine Schulveranstaltung, betonte Klüh. Daher gebe es am Ende auch nur einen, der den Kopf hinhalten müsse, nämlich der Schulleiter.

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Stephan Onnen

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