Billiglöhne:
Rumänische Arbeiter schweigen aus Angst

Beraterin der Landesregierung beklagt eklatante Missstände auf Großbaustelle für Schule

Dubiose Firmen nutzen Schlupflöcher, um ausländische Arbeiter auf der Baustelle der BBS 3 ausnutzen zu können: Diesen Vorwurf erhebt Daniela Reim von der mobilen Beratungsstelle.

OldenburgBilliglöhne, unzureichende Quartiere, halblegale Verträge: Die 18 rumänischen Arbeiter, die seit zwei Monaten auf der Großbaustelle der Berufsbildenden Schule an der Maastrichter Straße arbeiten, werden ausgebeutet. Diesen Vorwurf erhebt Daniela Reim von der Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Oldenburg. Die 42-Jährige ist eine von landesweit vier Beraterinnen, die auf Initiative des Landes ausländischen Arbeitern – zum Beispiel in Schlachthöfen und auf dem Bau – helfen. Hintergrund war der Tod rumänischer Werksarbeiter bei einer Brandkatastrophe in Papenburg.

Die gebürtige Rumänin hat mehrfach mit den Arbeitern auf der BBS-Baustelle gesprochen und ist nicht nur über die Arbeitsbedingungen entsetzt. „Ich finde es unglaublich, dass Gesetze diese Praxis decken“, sagte Reim bei einem Redaktionsbesuch der NWZ.

Die Rumänen wurden nach Reims Darstellung von einer Münchner Firma als Selbstständige angemeldet (NWZ  berichtete). „Den Arbeitern wurde ein Vertrag vorgelegt; den haben sie unterschrieben, obwohl sie gar nicht verstanden haben, was er bedeutet“, berichtet Reim. „Sie werden eingesetzt und behandelt wie Arbeitnehmer.“ So würden nicht die „Selbstständigen“ die Rechnungen schreiben, nach denen sie bezahlt werden, sondern die Münchner Firma selbst. „1200 oder 1300 Euro im Monat sind üblich“, sagt Reim. Gearbeitet werde täglich zehn Stunden und mehr – sechs Tage pro Woche. „Wenn die Baufirma Regressforderungen erfüllen muss, wird auch schon mal der Lohn gekürzt oder ganz gestrichen“, berichtet die gebürtige Rumänin, die seit 14 Jahren in Deutschland lebt. Die Münchner Firma profitiere nicht nur durch die billige Entlohnung. „Die Konstruktion dient auch dazu, Sozialleistungen einzusparen.“

Die rumänischen Arbeiter sind auf einem heruntergekommenen Grundstück in Berne an der Grenze zu Hude untergebracht – in einem umgebauten Stall. Zehn Euro pro Tag und Bett koste das Quartier, berichtet Reim. Um die Gebäude herum liegen Dreck und Müll. Marode Fahrzeuge ohne Kennzeichen stehen herum. Ortsfremde Besucher, die sich nähern, werden argwöhnisch beobachtet. „Ich habe schon schlimmere Unterkünfte gesehen“, sagt Reim. „Aber wenn der Brandschutz beachtet würde, wäre der Stall morgen geschlossen.“ Warum sie die Feuerwehr bisher nicht informiert? – „Es ist immer eine Abwägung, was die Arbeiter dann erwartet.“ Das Ordnungsamt in Berne habe sich für ihre Schilderung nicht sehr interessiert. „Die sahen keinen Grund einzuschreiten.“

Reim bedauert, dass viele ihrer Landsleute über die Arbeitsbedingungen schweigen. „Sie haben Angst, auf keiner Baustelle mehr Arbeit zu bekommen. Und ich glaube, sie haben Recht.“

Leserkommentare

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  Oldenbursche 04.11.2014, 14:52:37
Jaja, die neue Freizügigkeit in Europa, bravo, liebe Politiker! Anstatt mal Arsch in der Hose zu haben (wie momentan noch die Engländer), ist man der Export-/Autolobby hörig, denn da gibt es später die schönsten und bestdotierten „Beraterjobs“.

Die Löhne/Aufträge stimmen offiziell, Unterkunft ist deren Privatsache, aber das Angebot einer Wohnungsvermittlung durch den Auftraggeber hat natürlich jeder „freiwillig“ angenommen, und lässt es sich hintenrum wieder abziehen, ebenso wie angebliche Regressforderungen und Mängelbeseitigungskosten. Bleibt mehr als in Rumänien, aber weniger als für den deutschen Handwerker.. für fast alle eine Win-Win-Situation.. oder habe ich jemanden vergessen? Ach ja, den deutschen Handwerker, der hat die Arschkarte.

  geo_codre 03.11.2014, 18:52:46
Also ich finde es ist sehr einfach die mentschen zu uberzeugen
das die unterkunfte nicht ok sind wen sie das nicht beweisen kann aber ich denke das jeder sich dafon uberzeugen kann das eigendlich alles ok ist .
eigendlich ist die frau Daniela Reim nur au kariere aus
den es sind keine fotos von den unterkunften zu sehen
sie interesiert sich nicht dafuhr was sie damit bewirkt
sonder nur wievil geld sie kassiert
ich habe selber mit den leuten gesprochen und sie wirkten sehr zufrieden es sind einfach nur hartarbeitende leute .


  MichaelReins 03.11.2014, 12:53:12
@ konfessor

Es gehören immer zwei dazu: einer der sich ausnutzen läßt und der, der ausnutzt.


  konfessor 03.11.2014, 09:49:04
Nun ja, aber ist Ausnutzung heute nicht ganz allgemein eine gerne in Anspruch genommene Sache? Sogar Zeitungszusteller werden schlecht bezahlt und sind bei Wind und Regen unterwegs und werden von den Kunden oft genug als Blitzableiter für schlechte Laune genommen.
  lipifreund 31.10.2014, 23:55:29
...heute in 6Min. ist der ex-ob endgültig vorbei-er hat werbewirksam die Grundsteinlegung der BBS begangen-aber diese Problematik der Arbeiter nicht gesehen,wie so vieles...-den Erfolg wollte er sich gerne anrechnen lassen, aber die Hintergründe nicht sehen. Erst vor kurzer Zeit sind rumänische Arbeiter in ihren Unterkünften im papenburger Raum verbrannt-im Raum Hude wird auch weggesehen ! Es findet ja nicht in Oldenburg statt. Ob überhaupt jemand hinsehen würde, wenn Frau Reim nichts gesagt hätte...? Ist das die Übermorgenstadt ? Ist das die Internationalität des ex-ob ? -traurig, wie so viel !-Barbara Klebinger
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