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Sanierung soll vor Neubau gehen

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Buchvorstellung:
Sanierung soll vor Neubau gehen

Oldenburg Keine Frage, dieses Buch provoziert. Und das soll es auch. „Seit meiner Kindheit heißt es, wir dürften nicht so weitermachen. Aber es geschieht nichts. Das Buch ist aus der Wut entstanden, dass sich nichts ändert.“

Bis 2013 hat der gebürtige Wuppertaler in Berlin einen Architekturverlag geleitet – und kam darüber ins Zweifeln. Vor wenigen Monaten legte der studierte Betriebswirt seine Fragen als Buch vor. „Verbietet das Bauen“ heißt seine Antwort.

Nichts ändert sich, das heißt: Immer neue Flächen werden versiegelt, Altbauten stehen leer und verfallen, Neue Bürokomplexe verschärfen den Verdrängungswettbewerb um Mieter.

Im persönlichen Gespräch zeigt Fuhrhop, dass er differenziert denken und argumentieren kann. Er kennt die Notwendigkeit, Wohnraum zu schaffen, gerade in Oldenburg, wo er seit 2007 zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern lebt. Aber er teilt nicht die bekannten Antworten. Er hat Respekt vor seinen Architekten-Kollegen, aber nicht vor deren Bauwerken. Sein Auftreten ist verbindlich, aber seine Botschaft spaltet.

Die im August erschienene Kampfschrift „Verbietet das Bauen“ – mit einem Vorwort des ehemaligen Uni-Präsidenten Uwe Schneidewind, mittlerweile Präsident des Wuppertaler Klima-Instituts – hat dem Oldenburger ein bundesweites Echo beschert. Rund 30 Rezensionen und gut besuchte Lesungen zwischen Hamburg und Freiburg seien „nicht schlecht“ stapelt der 48-Jährige tief.

Die Wochenzeitschrift „Die Zeit“ räumte dem streitbaren Architekten kürzlich einen umfangreichen Gastbeitrag ein. Fuhrhops Auftritt im Rahmen einer Postwachstumsvorlesung hat mehr Besucher angelockt, als in der Exerzierhalle Platz hatten.

Auftritt bei Bürgerverein

Dass die Abrechnung mit traditionellen Bauleitplanungen über links-ökologische Kreise hinaus Interesse findet, zeigt eine Einladung vor einigen Wochen in Wildeshausen. Der Bürger- und Geschichtsverein hatte den Autor, der auch einen Blog betreibt, zu einer Podiumsdiskussion über die umstrittene Marktplatzbebauung eingeladen.

Hier wie andernorts, verwirft Fuhrhop Neubauten als Lösung von Platzproblemen. Es gebe genügend Wohnraum, er müsse nur gepflegt und saniert werden. Dass sich dies wirtschaftlich nicht rechne, bestreitet der Autor. Bei einer „ganzheitlichen“ Betrachtung der Kosten, also einschließlich Abriss, Betrieb und Mobilität (Pendlerkosten) spreche die Wirtschaftlichkeitsberechnung oft für Sanierung und gegen Neubau.

Nicht gut zu sprechen ist Fuhrhop auf Oldenburger Vorzeige-Projekte wie den neuen Waffenplatz oder den Stadthafen. Es sei skandalös, dass die Broweleit-Häuser über Jahre verfallen seien, um sie dann abreißen zu können. Und am Stadthafen ärgert ihn die „Wohnödnis“ ohne lebendige Mischung. „Dabei hätte man hier alle Chancen gehabt.“ Und die Architektur? Fuhrhop meint, manche Entwürfe seien in ihrer Unansehnlichkeit beste Werbung für seine Anti-Neubau-Forderung.

Fuhrhop ist der Meinung, die Kommune dürfe „nachfassen“, wenn Eigentümer ihre Häuser verfallen lassen. Das Eigentumsrecht genieße in Deutschland zu Recht einen hohen Wert, baut er vor. Aber dort, wo gezielt der Verfall herbeigeführt werde, dürfe man fragen, ob das zu unserem Rechtssystem passe.

Kommune in der Pflicht

Ein prominentes Beispiel sieht Fuhrhop im Wallkino. Die Kommune sollte hier „entschlossener“ vorgehen. Sprich: Dass Eigentümer Marseille das Kino verfallen lasse, dürfe die Stadt nicht tatenlos hinnehmen. Die Gesetzeslage sehe vor, dass bei drohender Obdachlosigkeit geeignete Häuser von der Kommune zur Unterbringung von Flüchtlingen beschlagnahmt werden können. Ob das Wallkino als Flüchtlingsunterkunft geeignet sei, wisse er nicht. Aber dies zu prüfen und den Eigentümer auf die Rechtslage hinweisen – aus Fuhrhops Sicht spricht nichts dagegen.

Um mehr leerstehende Gebäude nutzen zu können, müsse die Stadt stärker beraten. Wohnungsbauförderung sei viel wert, aber reiche nicht aus. „Beim Verkauf von Neubauten berät man ja auch.“ Er sei sicher, dass viele Menschen im Grunde gern einen Teil ihres Hauses abgeben würden, wenn sie bei Umbau oder Vermietung nicht alleine dastünden. „Gerade der aktuelle Bedarf für Flüchtlinge, so Fuhrhop, „weckt vielfach die Frage, wie man selbst helfen kann.“

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