Hochprozentiges Für Jugendliche:
Erschreckendes Ergebnis bei Alkohol-Testkäufen

Bei etlichen Testkäufen in niedersächsischen Kommunen gibt es schlechte Noten für die Verkäufer. Sie lassen sich entweder gar nicht den Personalausweis zeigen oder verrechnen sich beim Alter.

Hannover Alkoholtestkäufe von Jugendlichen haben in Hannover zu einem erschreckenden Ergebnis geführt: In 67,8 Prozent der Fälle erhielten die Jugendlichen Hochprozentiges ausgehändigt. Der Wert ist dabei auf den höchsten Stand seit Jahren gestiegen, teilte die Polizei Hannover mit. Drei Teams mit Fachoberschülern der Polizei als Testkäufern hatten bei der dritten Kontrolle in diesem Jahr 59 Verkaufsstellen aufgesucht. Das Ergebnis zeigt einen deutlichen Negativtrend im Vergleich zur letzten Kontrollaktion im März mit 39,3 Prozent erfolgter Verkäufe.

In 27 Kiosken (15 Verkäufe), 22 Supermärkten (18 Verkäufe) und zehn Tankstellen (sieben Verkäufe) versuchten die Jugendlichen an alkoholische Getränke zu gelangen. Mit 81,8 Prozent erfolgter Verkäufe war die Zahl in den Supermärkten besonders hoch. Die Kassierer in den Verbrauchermärkten ließen sich überwiegend den Personalausweis zeigen, es kam jedoch - wie bereits in der Vergangenheit - zu Fehlern beim Berechnen des Alters. In allen 40 Fällen, in denen den Jugendlichen Alkohol verkauft wurde, wird die Polizei Anzeigen wegen Verstoßes gegen die Jugendschutzbestimmungen schreiben.

Zu einem schlechten Ergebnis hatte auch eine Kontrolle mit jugendlichen Alkoholtestkäufern in Jever Anfang Juli geführt: In neun von 13 kontrollierten Geschäften erhielten 16 Jahre alte Käufer hochprozentigen Alkohol ausgehändigt. In den meisten Fällen verlangten die Verkäufer keinen Personalausweis, vereinzelt kam es zu Rechenfehlern mit dem Geburtsdatum. Die betroffenen Geschäfte und Kioske müssen mit einem Bußgeld von bis zu 500 Euro rechnen.

Immer wieder wird hochprozentiger Alkohol an Jugendliche verkauft, die Kommunen in Niedersachsen steuern dagegen an. In Osnabrück gibt es seit 2009 Testkäufe. Zwei- bis viermal im Jahr werden rund 30 bis 50 Betriebe überprüft, die Verstöße lagen in diesem Jahr bei rund 40 Prozent, sagte eine Stadtsprecherin.

In Wolfsburg haben sich in diesem Jahr bereits fünfmal Testkäufer in Lebensmittelketten und Tankstellen begeben. Nicht ein Verstoß sei festgestellt worden, sagte Sprecherin Elke Wichmann. Die Stadt stehe aber auch in ständigem Kontakt und Austausch mit den Gewerbetreibenden, damit der Jugendschutz immer präsent sei. In den vergangenen vier Jahren habe es jährlich etwa fünf- bis sechsmal Testkäufe gegeben, die Ergebnisse waren unauffällig, berichtete Wichmann. Lediglich die ersten beiden Aktionen 2009 hätten ein schlechtes Ergebnis gebracht.

60 Einzelhändler hat die Stadt Braunschweig zuletzt gemeinsam mit der Polizei bei Alkoholtestkäufen überprüft, 26 verstießen gegen das Jugendschutzgesetz, teilte Stadtsprecher Rainer Keunecke mit. Die Geschäftsleute erwartet ein Bußgeldverfahren. Das Ergebnis habe gezeigt, wie wichtig die Kontrollen seien, diese würden deshalb fortgesetzt werden.

Das bestätigt auch Hubertus Heinrich, Jugendschutzbeauftragter der Stadt Lüneburg: „Wenn kontrolliert wird, rutschen die Zahlen von Alkoholabgabe an Jugendliche in den Keller“, sagt er. Seit 2011 kontrollierten Stadt und Landkreis konsequent mit Polizeischülern als Testkäufern. „Wir sind gestartet mit fast 70 Prozent Trefferquote und nur 30 Prozent Verweigerung von Alkoholverkauf“, berichtet Heinrich. Doch das habe sich schnell geändert, bereits nach einem Jahr habe es nur noch 30 Prozent Verstöße gegeben. Auch Aufklärung für die Verkäufer sei wichtig und - man dürfe nicht locker lassen.

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Erschreckendes Ergebnis bei Alkohol-Testkäufen
Bei etlichen Testkäufen in niedersächsischen Kommunen gibt es schlechte Noten für die Verkäufer. Sie lassen sich entweder gar nicht den Personalausweis zeigen oder verrechnen sich beim Alter.
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21.07.2014
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