Gastronomen In Zwickmühle:
Diskussion um Disco-Verbot für Flüchtlinge in Freiburg

„Ihr dürft hier nicht rein“: Türsteher in Freiburger Diskotheken weisen derzeit Migranten ab. Eine Begründung: Asylbewerber sollen Frauen sexuell belästigt haben. Die Stadt warnt vor einem Generalverdacht.

Freiburg Flüchtlinge haben derzeit in Freiburg Probleme, ungehindert Diskotheken und Clubs zu besuchen. Die Betreiber rechtfertigen dies mit angeblich sexuellen Belästigungen von Frauen durch Ausländer, Diebstählen und Gewalt, wie die „Badische Zeitung“ berichtete. Ein Lokal mache es von der Veranstaltung abhängig, ob Ausländer Zutritt haben. Für einen anderen Club benötige der Gast eine spezielle Einlasskarte, die nur derjenige erhalte, der Gewalt, Sexismus und Diskriminierung ablehne.

Freiburgs Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach (SPD) warnte: „Es gilt das Diskriminierungsverbot. Man darf nicht eine Personengruppe pauschal ausschließen“, sagte er am Samstag. Der Polizei wurden nach Angaben einer Sprecherin bisher keine vermehrten sexuellen Übergriffe von Migranten gemeldet.

„Uns war das nicht als akutes Problem bekannt“, sagte der für Soziales, Integration und Kultur zuständige Bürgermeister. Überwiegend verhielten sich die etwas mehr als 3000 in der Stadt untergebrachten Asylbewerber „ordentlich“, „schwarze Schafe“ gebe es aber überall. Polizeisprecherin Laura Riske bestätigte dies.

Den Freiburger Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, Alexander Hangleiter, zitierte die Zeitung mit den Worten: „Ein Club müsste, wenn er verklagt wird, vor Gericht beweisen, dass er nicht diskriminiert hat.“ Er sehe aber auch die Zwangslage der Gastronomen, denen die Gäste wegblieben, wenn sie nicht gegen die Missstände einschritten.

Zuletzt war die Stadt Bornheim in Nordrhein-Westfalen bundesweit in die Schlagzeilen geraten, weil sie nach sexuellen Belästigungen von Frauen männlichen Flüchtlingen vorübergehend den Zutritt zum Schwimmbad verwehrt hatte.

Von Kirchbach bezeichnete die Entscheidungen der Clubbetreiber als „hilflosen Akt“. Er werde prüfen, ob die Inhaber angehört werden müssen. „Die Willkommenskultur ist in Freiburg stark ausgeprägt. Aber es muss auch eine Anerkennungskultur geben, was die Gesetze betrifft.“ Er wolle sich mit seinem Haus beraten, inwieweit die Stadt Verhaltenskonzepte erstellen könnte, um Asylbewerbern den Start in Deutschland zu erleichtern.

Polizeisprecherin Riske betonte, bisher sei den Ermittlern nichts von sexuellen Übergriffen durch Flüchtlinge in den Tanzlokalen bekannt. „Diebstähle gibt es immer mal wieder“, die Täter seien aber meist unbekannt und nicht zwingend Ausländer. Dass die Türsteher der Discos bestimmte Personen nicht reinließen, obliege dem Club. „Die Hoheit über seine Tür hat der Betreiber“, erklärte Riske. Pauschale Einlassverbote etwa für alle Flüchtlinge seien aber rechtswidrig.

Leserkommentare

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  Oldenburger 25.01.2016, 09:58:05
In früheren Zeiten hatte man an den Stadtorten der Britischen Armee grundsätzlich Schilder an den Türen, die britischen Soldaten den Zutritt zu den Gaststätten oder Diskotheken untersagten. Diese Soldaten waren dafür bekannt, das sie sich bis zur Bewusstlosigkeit betranken und randalierten.
Niemand hat sich darüber aufgeregt, denn selbst den Britischen Kommandeuren war dieser Umstand bekannt. Deshalb kam auch niemand auf die Idee, es sei rassistisch - hier haben die Gastronomen lediglich ihr Hausrecht wahrgenommen.

Heute bilden sich gewisse Kommunen ein, sie könnten Gastronomen mit der Androhung von Bußgeldern davon abhalten, ihr Hausrecht in Anspruch zu nehmen; seltsam.

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