Nahost-Konflikt:
Im Gaza-Krieg droht ein Flächenbrand

Ein Israelischer Luftangriff ebnet ein Wohnhochhaus ein – fünf Minuten hatten die Bewohner in Gaza vorher Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. In der Nacht schlagen fünf Raketen aus Syrien auf den israelischen Golanhöhen ein.

Gaza Der Gaza-Konflikt droht wieder mit voller Wucht zu entbrennen: Fünf aus Syrien abgefeuerte Raketen sind in der Nacht zum Sonntag auf den Golanhöhen eingeschlagen. Die israelische Armee teilte mit, sie seien an verschiedenen Orten niedergegangen. Es gab keine Berichte zu möglichen Opfern oder Sachschäden. Israel hatte die Golanhöhen 1967 von Syrien erobert. Im Juni bombardierte die israelische Armee nach einem tödlichen Angriff aus Syrien Stellungen des syrischen Militärs.

Die neuen Angriffe nährten die Sorge vor einer Ausweitung des Gazakonflikts. Nur Stunden zuvor hatten Extremisten im Libanon zwei Raketen auf den Norden Israels abgefeuert. Ein Haus in Galiläa sei getroffen worden, teilte der israelische Rundfunk mit. Acht Menschen hätten einen Schock erlitten. Israel legte den Angaben zufolge Beschwerde bei der internationalen Beobachtertruppe Unifil im Südlibanon ein.

Am Abend zerstörten israelische Kampfflugzeuge nach palästinensischen Angaben ein zwölfstöckiges Wohnhaus. Fünf Minuten hatten die Bewohner der 48 Wohnungen Zeit bekommen, sich in Sicherheit zu bringen - als Vorwarnung wurde eine Rakete ohne Sprengkopf in das Dach des Hauses gefeuert, teilte die Polizei in Gaza mit. Israelische Minister stimmten derweil Bewohner Südisraels auf eine längere Auseinandersetzung ein.

Israel hat in sieben Wochen als Vergeltung für palästinensische Rakentenangriffe 5000 Luftangriffe auf den Küstenstreifen geflogen. Der Angriff am Samstagabend war der erste, der ein ganzes Wohnhochhaus zerstörte. Dem Warnschuss folgten nach fünf Minuten zwei scharfe Raketen. 22 Menschen seien verletzt worden, darunter elf Kinder und fünf Frauen, sagte der Leiter der Notaufnahme des Schifa-Krankenhauses, Ajman Sahabani. Augenzeugen und Polizei berichteten, das Hochhaus sei unter der Wucht der Einschläge eingestürzt; ein riesiger Feuerball sei in den Himmel geschossen.

Die israelischen Streitkräfte teilten mit, der Angriff habe einer Einsatzzentrale der radikalislamischen Hamas in dem Hochhaus gegolten. Warum gleich das ganze Gebäude zerstört wurde, wurde nicht gesagt.

Militante Palästinenser feuerten nach israelischen Militärangaben am Samstag mindestens 93 Raketen und Mörsergranaten nach Israel. Am Freitag war bei einem Granateneinschlag in einem südisraelischen Dorf en vierjähriger Junge getötet worden. Israelische Medien berichteten, viele Südisraelis verließen ihr Häuser, um außer Reichweite der Mörser zu kommen.

„Wer immer gehen kann, wessen Anwesenheit nicht dringend erforderlich ist, sollte gehen“, sagte der Minister für Öffentliche Sicherheit, Jizchak Ahronovitsch am Samstag bei einem Besuch im Süden. Verteidigungsminister Mosche Jaalon stimmte die Südisraelis auf einen längeren Kampf mit der radikalislamischen Hamas ein. „Am Ende werden wir gewinnen“, sagte er, “Das ist eine Probe für Durchhaltevermögen und Kraft.“

Angesichts der Eskalation im Gaza-Krieg versuchte sich Ägypten erneut als Vermittler einzuschalten. Kairo rief Israel und die Palästinenser zu neuen Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe auf. Die israelische Regierung wollte sich zu der Initiative allerdings zunächst nicht äußern.

Die Verhandlungen der Konfliktgegner waren Anfang der Woche nach dem Bruch einer vorläufigen Feuerpause gescheitert. Dem Krieg sind seit Anfang Juli mehr als 2090 Palästinenser und 68 Israelis zum Opfer gefallen. Erst am Freitag war ein vierjähriger israelischer Junge von einer Mörsergranate getötet worden. Die Palästinenser meldeten auch am Samstag mindestens fünf Tote.

Der Appell aus Kairo kam nach einem Treffen des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel-Fattah al-Sisi. Am Rande äußerte sich Abbas dort auch zu der Entscheidung der Hamas, den Beitritt zum Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag mitzutragen. Ob der entsprechende Antrag gestellt wird, sei noch nicht entschieden, sagte Abbas.

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