Beluga-Prozess:
Als die Banken noch um Stolberg warben

Die Finanzierung von Stolbergs Schiffsneubauten stand am Mittwoch im Mittelpunkt der Verhandlung. Für die Banken damals ein lukratives Geschäft mit stattlichen Einnahmen.

Bremen/Oldenburg Das waren noch Zeiten, als die Beluga-Reederei als Vorzeigeunternehmen galt, und ihr Chef, Niels Stolberg, von den Banken umworben wurde. Im Jahr 2006 signalisierten zeitweilig mehrere Geldinstitute ihr Interesse, die Schiffsneubauten zu finanzieren.

Ex-Reeder Stolberg gab am Mittwoch vor dem Bremer Landgericht einen Überblick über die Kontakte zu seiner Hausbank. Er berichtete von regelmäßigen Treffen, bei denen er dann auch sein Neubauprogramm für zunächst vier Schiffe vorgestellt habe. Seine Gesprächspartner bei der Bremer Landesbank seien ausgewiesene Schifffahrtsexperten gewesen, denen auch die chinesische Neubauwerft vertraut gewesen sei.

Stolberg und drei weitere ehemalige Beluga-Manager müssen sich unter anderem wegen Kreditbetrugs verantworten. Die Anklage wirft ihnen vor, den von den Banken verlangten Eigenanteil an der Schiffsbaufinanzierung durch Scheinrechnungen einer niederländischen Werft lediglich vorgetäuscht zu haben, um sich so eine Fremdfinanzierung in Höhe von 100 Prozent zu erschleichen.

Stolberg hat diesen Vorwurf vehement zurückgewiesen. Bei den Angaben habe es sich um eine branchenübliche kreative Darstellung des Eigenkapitals gehandelt. In Wirklichkeit hätten die Banken an der Finanzierung der Schiffe ausgezeichnet verdient. Den Banken habe auch kein Schaden entstehen können, weil der Wert der Schiffe stets höher gewesen sei als die angegebenen Baukosten.

Stolbergs Anwalt Bernd Groß verwies darauf, dass allein an Abschluss- und Bearbeitungsgebühren 75 000 Euro pro Schiffsneubau fällig geworden wären. Mit Spannung wird auf die Zeugen aus dem Bankbereich gewartet, die in den kommenden Wochen gehört werden. Nächster Verhandlungstag ist am kommenden Mittwoch.


Spezial zum Thema unter   www.nwzonline.de/beluga-krise 

Leserkommentare

Kommentieren Sie diesen Artikel

Über den Autor

Jürgen Westerhoff

Redakteur
Regionalredaktion
Tel.: 0441 9988 2055
Fax: 0441 9988 2049

Artikel

Mehr zu ...

Newsletter

Das Team vom NWZonline Newsletter

MONTAGS BIS FREITAGS

die wichtigsten Nachrichten vom Tage in Ihrem Postfach.