Schifffahrt:
Erobert Englisch die deutschen Häfen?

Hamburg startet Initiative – Niedersachsens Landesregierung reagiert skeptisch

Es geht um die Verkehrssprache Nummer Eins. Die Entscheidung liegt bei der Bundesregierung.

Hannover/Hamburg Wird demnächst in norddeutschen Häfen vorwiegend Englisch gesprochen? Wenn’s nach Hamburg geht, lautet die Antwort: Yes! Dort liegt der Bürgerschaft ein Mehrheitsantrag von SPD und Grünen vor, der für alle „Häfen der EU“ Englisch als Verkehrssprache fordert. Erst an zweiter Stelle käme Deutsch. Niedersachsens rot-grüne Landesregierung gibt sich bedeckt: Für Schifffahrtsregeln sei die Bundesregierung zuständig, heißt es in der Antwort auf eine besorgte Anfrage der FDP-Landtagsfraktion.

Für Hamburg liegt der Fall klar: „Auf der Mehrzahl der Schiffe ist Englisch Bordsprache. Kapitäne und Offiziere sind nicht in der Lage, auf Deutsch zu kommunizieren“, heißt es in der Antragsbegründung. Deshalb sei Englisch die einzig richtige Verkehrssprache nicht nur zwischen Hafen-Verwaltung, Kapitänen und Lotsen, sondern auch für Zoll, Wasserschutzpolizei und Veterinäre. Die Hanseaten stützen sich dabei auf ein Gutachten für das Bundesverkehrsministerium, das einen Wechsel der Rangfolge bei den Verkehrssprachen in den Häfen von Deutsch auf Englisch empfiehlt. Diese Expertenmeinung datiert allerdings aus dem Jahr 2008.

Während sich auch viele Reeder hinter die Umkehrung der Sprachreihenfolge stellen, lehnen deutsche Seeleute, Lotsen und Seefischer diese Änderung strikt ab.

Niedersachsen will zunächst abwarten, was das Bundesverkehrsministerium unternimmt. Dort findet „derzeit eine Aktualisierung des Gutachtens statt“, erläutert das niedersächsische Wirtschaftsministerium, zugleich zuständig für Verkehrsfragen. Sicher müsse man „die Entwicklungen in der dynamichen maritimen Wirtschaft berücksichtigen“, heißt es weiter. Andererseits warnt Niedersachsen auch vor schwerwiegenden Folgen „für 80 Prozent der im Revier stattfindenden Kommunikation, insbesondere der kleineren regionalen und nationalen Schifffahrt und bei Personal der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung“.

Übrigens: Bis weit über das Mittelalter hinaus war Plattdeutsch die Verkehrssprache in allen Häfen – in ganz Nordeuropa.

Leserkommentare

Kommentieren Sie diesen Artikel

Newsletter

Das Team vom NWZonline Newsletter

MONTAGS BIS FREITAGS

die wichtigsten Nachrichten vom Tage in Ihrem Postfach.
article
6c528e5c-a583-11e5-97de-8c2993ae01f7
Schifffahrt
Erobert Englisch die deutschen Häfen?
Es geht um die Verkehrssprache Nummer Eins. Die Entscheidung liegt bei der Bundesregierung.
http://www.nwzonline.de/politik/niedersachsen/erobert-englisch-die-deutschen-haefen_a_6,0,1580395957.html
19.12.2015
http://www.nwzonline.de
Niedersachsen,Schifffahrt
Niedersachsen

Politik

Freihandelsabkommen Mit Kanada

Ceta-Entscheidung ohne EU-Parlamente

Brüssel Die nationalen Parlamente wie der Bundestag sollen nicht abstimmen dürfen, um die Blockade-Chancen zu mindern. So will es die EU-Kommission. In Berlin wird dies jedoch wegen der kritischen Öffentlichkeit für unverzichtbar gehalten.

Suche Nach Atommüll-Endlager Herzlich Willkommen in Gorleben

Gorleben Bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll wollen die Verantwortlichen auch weiter über Gorleben beraten. Bewohner berichten, wie die Gemeinde dem Ruf des Geldes nicht widerstehen kann. 590.000 Euro bekommt Gorleben schon jetzt jedes Jahr vom Zwischenlager-Betreiber.